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Digitalisierungsschlusslicht Was Deutschland im Bildungssystem ändern muss

Quelle: Mikael Kristenson/Unsplash

Die Digitalisierung in Deutschland leidet unter Fachkräftemangel. Schulen, Unis und Politik sollten endlich die Weichen richtig stellen, so eine Forderung auf der DIGITAL X 2019 – durch frühzeitigen Informatik-Unterricht, innovative Lernformen und die zielführende Umsetzung des Digitalpaktes.

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Deutschland will gegenüber den USA oder China aufholen in der digitalen Wirtschaft – am liebsten mit Data Scientists, Programmierern und IT-Ingenieuren aus dem eigenen Land. Aber sind die jungen Menschen, die das deutsche Bildungssystem auf ihr Berufsleben vorbereitet, fit für die digitale Zukunft? Die Frage wurde auf der DIGITAL X 2019 in Köln heiß diskutiert. Mancher Experte hatte da seine Zweifel.

„Fakt ist, dass der Großteil unserer Schulen nicht einmal mit Internetzugang ausgestattet ist“, sagte etwa Benjamin Ruschin, Gründer und Geschäftsführer der Plattform WeAreDevelopers, die weltweit Entwickler miteinander vernetzt. Das führe dazu, dass der Unterricht von IT-Fächern deutlich gebremst werde, wenn Lern-Software oder Cloud-Anwendungen nicht richtig funktionieren. „Was diese Form der Lernens betrifft, sind wir ein ziemliches Schlusslicht in Europa“, bilanzierte Ruschin.

Für eine bessere Anbindung der Schulen an schnelles Internet sprach sich auch Christine Kiefer, Gründerin des Blockchain-Start-ups RIDE Capital, aus. Was aus der Sicht Kiefers allerdings viel wichtiger sei: „Es müssen mehr Menschen lernen, selbst zu programmieren – vor allem junge Frauen.“ Der Mangel an weiblichem Nachwuchs in den sogenannten MINT-Fächern an Universitäten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) rühre auch daher, dass Schülerinnen kaum Angebote gemacht würden in einer Lebensphase, in der sich Berufswünsche formen. „Ich bin für mehr und für früheren Informatik-Unterricht an unseren Schulen“, betonte Kiefer.

Lernplattform vs. Curriculum

Darüber hinaus müssten die Universitäten sich ebenfalls verändern, so die Ansicht der Experten. Lernen müsse nicht zwangsläufig in einem bestimmten Gebäude, ja nicht einmal in einer bestimmten Region stattfinden, sagte Ruschin und warb für Lern-Plattformen. „Die Elite-Unis Harvard, Cambridge, Stanford oder MIT bieten Bachelor- und Master-Programme oder kurze Kurse komplett webbasiert an.“ Ein weiteres, nicht minder kritisches Problem aus seiner Sicht: Bis innerhalb des Bologna-Prozesses Erkenntnisse aus der Forschung in Uni-Lehrplänen auftauchen, vergehen zwei bis drei Jahre. Da sei Wissen, insbesondere wenn es sich um digitale Themen mit ihren kurzen Innovationszyklen handele, aber schon veraltet.

Damit das deutsche Bildungssystem in all seinen Facetten die digitale Zukunft abbilde, müsse nun der Digitalpakt konsequent umgesetzt werden, forderten Kiefer und Ruschin: Infrastruktur für alle Schulen, die richtige Software, die richtigen Angebote und Inhalte – und vor allem wichtig: die richtige Ausbildung der Menschen, die das Wissen unterrichten und vermitteln. Christine Kiefer machte sich für Quereinsteiger im Lehrer-beruf stark: „Es braucht mehr Digital-Experten, die bereit sind, zu unterrichten. Auf diesem Weg können wir viel erreichen.“

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