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Interview „An einem Strang ziehen“

Markus Jerger betrachtet die Digitalisierung als riesige Chance für den Mittelstand. Damit dieser neue Technologien nutzen kann, sieht er aber nicht nur Unternehmer in der Pflicht.

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Prof. Dr. h.c. Markus Jerger ist Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft. Vor seiner Tätigkeit beim BVMW arbeitete der Wirtschaftswissenschaftler unter anderem in der Projektentwicklung für das Internationale Olympische Komitee, im Aufsichtsrat von Colony Capital Schweiz und als Finanzdienstleister in der Immobilienbranche.

Herr Jerger, der deutsche Mittelstand hat die Vorteile der Digitalisierung eher später als früher erkannt. Wo steht er heute?
Die Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen nimmt Fahrt auf. Viele Mittelständler sind inzwischen sogar digitale Vorreiter. Dennoch besteht Nachholbedarf, denn größere Unternehmen engagieren sich hier stärker als kleine. Diese Schere gilt es zu
schließen. Dazu tragen wir als BVMW unseren Teil bei, insbesondere durch die erfolgreiche Arbeit des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrums.

Woran fehlt es den Unternehmern, um ihre Geschäfte in der digitalen Transformation für die Zukunft zu rüsten?
Zum einen fehlen Praxisbeispiele für den eigenen Betrieb. Hier steuern wir mit unserem Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Berlin aktiv dagegen. Zum anderen liegt es an den politischen Rahmenbedingungen: Wenn Mittelständler im ländlichen Raum beim Breitbandausbau spät oder gar nicht berücksichtigt werden, können sie die Möglichkeiten moderner Technologien nicht nutzen. Dabei hängt ihre Wettbewerbsfähigkeit entscheidend davon ab. Ein weiterer Engpassfaktor ist der zunehmende Mangel an Fachkräften mit entsprechenden IT-Kenntnissen.

„Der Mittelstand erkennt, dass an der Digitalisierung nichts vorbeigeht“

Was müssen die Unternehmer tun, und wie kann die Politik sie dabei unterstützen?
Jeder Betrieb kann durch digitale Technologien erheblich effizienter werden. Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis, wie sie auch unser Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum vorhält, helfen dabei, eigene Potenziale zu entdecken. Wir sehen aber auch die Politik in der Pflicht: Sie ist zwar aufgewacht, vieles läuft aber in die falsche Richtung: So hat etwa die Umsetzung der DSGVO für enorme Rechtsunsicherheit bei den Unternehmen gesorgt. Nicht wenige Mittelständler haben ihre digitalen Aktivitäten deswegen runtergefahren oder sogar eingestellt.

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    Der BVMW ist Partner der DIGITAL X. Was leistet die Digitalisierungsinitiative aus Ihrer Sicht speziell für den Mittelstand?
    Mit der DIGITAL X-Reihe wollen und können wir die Digitalisierung im Mittelstand auf die nächste Stufe heben. Auf den Veranstaltungen ist für wirklich jeden Mittelständler etwas dabei, egal ob man gerade am Anfang steht oder schon mitten in der digitalen Transformation steckt. Dazu gibt es inspirierende Top-Speaker und ein riesiges regionales Netzwerk, das auch nach der Veranstaltung bestehen bleibt.

    Deutschland ist die Heimat zahlreicher Weltmarktführer. Ist die Digitalisierung für diese Unternehmen eine besondere Chance oder eher ein Risiko?
    Ein ausschließlich analoges Geschäft hat keine Zukunft, das zeigt in ihrer extremsten Form die Marktmacht der einschlägigen US-Digitalkonzerne. Wer als Mittelständler also jetzt nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Da hilft auch das hohe Ansehen von Produkten „Made in Germany“ nichts. Unternehmer sollten die Digitalisierung also als riesige Chance sehen und diese auch nutzen. Damit das gelingen kann, müssen Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft an einem Strang ziehen. Nur dann wird Deutschland bei der Digitalisierung auf der Siegerseite stehen.

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