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Ausbildungsvermittlung für Geflüchtete Vorbilder gesucht!

Lernen für die Ausbildung: Die größte Hürde ist nach wie vor die Sprache. Quelle: Adobe Stock

Die duale Ausbildung in Deutschland ist erfolgreich – und erklärungsbedürftig. Die KAUSA Servicestellen bringen angehende Lehrlinge und Unternehmen zusammen.

Mit diesem Pfund lässt sich gut wuchern: „Wir haben in der Metropolregion ein Netzwerk geschaffen, dass mehr als 150 Ansprechpartner umfasst“, sagt Christina Alexoglou-Patelkos, Projektleiterin der KAUSA Servicestelle Köln. Ob Kammern und Wirtschaftsverbände, Schulen, Bundesagentur für Arbeit oder Kirchen und Kulturzentren – sie alle haben ein Ziel: Jugendliche, die einen Flüchtlingsstatus vorweisen können, eine Ausbildung zu vermitteln.

KAUSA Köln, in Trägerschaft der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung e.V. (DHW), ist eine der bundesweit 31 Servicestellen, die im Mittelpunkt regionaler Netzwerke von Wirtschaft, Bildung, Kultur und Behörden stehen. Sie sind bei den Kammern angesiedelt, bei Bildungseinrichtungen oder bei Wirtschaftsverbänden. 1999 wurden sie ursprünglich gegründet, um Unternehmer mit Migrationshintergrund für die betriebliche Ausbildung zu gewinnen, 2006 wurde KAUSA sogar Teil des Ausbildungsprogramms „Jobstarter“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Und seit dem Frühjahr 2016 gehört auch die Ausbildungsplatzvermittlung von Geflüchteten zum Aufgabenbereich.

„Wir gehen zum Beispiel in Berufsschulen oder zu Ausbildungsbörsen, um über das duale Ausbildungssystem in Deutschland zu informieren“, sagt Andrea Maaßen, zuständig für Koordinierung „Flüchtlinge in Ausbildung“ bei KAUSA Köln. Dabei gilt es vor allem, Vorurteile abzubauen. „Viele streben ein Studium an – in ihren Augen ein Garant für Karriere und Sicherheit“, erklärt sie. Kein Wunder, schließlich werden in den Heimatländern Ausbildungen, vor allem im Handwerk, als minderwertig angesehen. „Die meisten sind dann überrascht, wie hochwertig und anspruchsvoll - auch im theoretischen Bereich – eine Lehre hierzulande ist.“ Ein Besuch im Bildungszentrum der Handwerkskammer zu Köln, organisiert von KAUSA, verdeutlicht ebenfalls sehr schnell, wie hoch die Anforderungen tatsächlich sind.

Viele junge Geflüchtete, die von KAUSA beraten werden, sind aber noch nicht reif für eine Ausbildung. „Die größte Hürde ist nach wie vor die Sprache“, so Projektleiterin Alexoglou-Patelkos. In diesen Fällen stellt die Servicestelle den Kontakt zu einer entsprechenden Bildungseinrichtung her. Zudem unterstützt sie die jungen Leute bei Bewerbungen und vermittelt auch entsprechende Trainings. Oder sie versucht, über Programme wie die Einstiegsqualifizierung (EQ) oder PerjuF (Perspektiven für junge Flüchtlinge) den ersten Schritt in Richtung Ausbildung zu vollziehen. Ist erst einmal der Lehrvertrag unterschreiben, unterstützen bei Bedarf die ehrenamtlichen Mentoren des Senior Experten Service die Betroffenen in beruflichen, aber oft auch in persönlichen Belangen.

Unternehmen, die den Geflüchteten eine Chance geben, finden die KAUSA-Mitarbeiter ebenfalls über ihr Netzwerk: „Wir arbeiten zum Beispiel eng mit den Willkommenslotsen der Kammern zusammen“, sagt Maaßen. Oder sie sprechen Firmen an, die sich bei Ausbildungsbörsen oder Fachtagungen der Kammern präsentieren und fragen an, ob man sich nicht vorstellen könnte, einem geflüchteten Jugendlichen eine Chance im Betrieb zu geben. Maaßens Erfahrung zeigt: „Sind die ersten Hürden überwunden, sind beide Seiten – Unternehmer und Geflüchteter – positiv überrascht, wie gut die Zusammenarbeit läuft.“

Knapp 300 Geflüchtete hat die Kölner Servicestelle von KAUSA in den letzten beiden Jahren individuell beraten. Immerhin: Fast 20 davon sind inzwischen in der Ausbildung. Als Friseur, als Tankwart oder auch als Bürokaufleute. „Sie dienen nun als Vorbilder für andere Jugendliche, die nach Deutschland geflüchtet sind“, sagt Maaßen. Und lösen oft einen Multiplikatoreneffekt aus, der nicht zu unterschätzen ist. „Viele denken dann: Was der geschafft hat, kann ich auch - und bemühen sich dann ebenfalls um einen Ausbildungsplatz“, freut sich Alexoglou-Patelkos.

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