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Ärzte- und Apothekerbank Apobank erwägt Arztpraxen zu vermieten, um ihr Wachstum zu steigern

Die Apobank will ihr Geschäftsmodell anpassen: Bald könnte sie Arztpraxen vermieten und so auch junge Ärzte fördern.

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Das Geldhaus will die Kunden enger an sich binden und zugleich eine neue Ertragsquelle erschließen. Quelle: picture alliance / Bildagentur-o

Frankfurt Die Ärzte- und Apothekerbank (Apobank) will ihr Geschäftsmodell erweitern. So erwägt sie, selbst in die Vermietung von Arztpraxen einzusteigen. Es gebe die Überlegung, solche Praxen an junge Mediziner zu vermieten und diesen jedes Jahr zum Kauf anzubieten, sagte Apobank-Chef Ulrich Sommer am Mittwoch. Hintergrund ist, dass junge Mediziner häufig die hohe Investition in eine eigene Praxis scheuen.

„Damit bauen wir ein Bollwerk gegen die Industrialisierung der Branche“, sagte Sommer. Bestimmte Dienstleistungen in der Gesundheitsbranche, beispielsweise die Dialyse bei Nierenerkrankungen, werde bereits von großen Unternehmen dominiert. Der Auftrag der Apobank sei aber, die Niederlassung von Ärzten zu fördern.

Denkbar ist laut Sommer, dass die Apobank nicht nur die Praxisräume vermietet, sondern auch die medizinischen Geräte und sogar die Angestellten zunächst bezahlt. Der Arzt oder die Ärztin, die die Praxis führt, müsste dafür eine Miete oder Gebühr an die Apobank zahlen. „Das ist aber kein Betreiben von Praxen“, betonte Sommer, der seit Herbst an der Spitze der Bank steht.

Die Apobank mit einer Bilanzsumme von gut 41 Milliarden nach der DZ Bank das zweitgrößte genossenschaftlich organisierte Geldhaus in Deutschland. Sie wird wie die anderen rund 20 größten deutschen Banken direkt von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt.

Dabei hat die Düsseldorfer Apobank eine spezielle Kundschaft: Sie bedient vor allem Ärzte, Apotheker, kassenärztliche Vereinigungen, Krankenhäuser und Kapitalanleger aus der Gesundheitsbranche. Fast 440.000 Kunden zählt das Geldhaus. Das traditionelle Geschäft der Apobank ist die Kreditvergabe an Ärzte und Apotheker.

Im Jahr 2017 hat sie neue Darlehen in Höhe von fast sieben Milliarden Euro ausgegeben – so viel wie noch nie. Insgesamt hat sie 32 Milliarden Euro an Krediten ausgereicht, was die Einlagen um sechs Milliarden Euro übertrifft. Eine Besonderheit: Bei anderen Geldhäusern übertrifft die Einlagensumme meist die Kreditsumme. Unterm Strich verdiente das Geldhaus 2017 sogar etwas mehr als im Jahr zuvor. Der Jahresüberschuss stieg auf 62 Millionen Euro.

Allerdings sorgt sich die Bank, dass künftig weniger junge Mediziner mit einer eigenen Praxis starten – deren Finanzierung das Kerngeschäft der Düsseldorfer ist. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der niedergelassenen Ärzte in Deutschland leicht gesunken. Wenn sich junge Heilberufler schwer damit täten, in die Selbstständigkeit zu gehen, werde die Apobank „nach Wegen suchen, wie wir die jungen Mediziner damit vertrauter machen“, sagte Sommer.

Sommer peilt weiteres Wachstum an: „Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.“ Die Apobank will sich aber weiter auf Ärzte und Apotheker als Kunden konzentrieren. Andere Kunden wolle man nicht aufnehmen, so Sommer. Die könnten die Apobank durchaus im Blick haben, schließlich bietet sie als eine der wenigen Banken noch ein Gratiskonto an. Dabei soll es Sommer zufolge auch bleiben.

Um weiter zu wachsen, will die Apobank künftig verstärkt als Berater für die Gesundheitsbranche auftreten – als Wettbewerber zu klassischen Beratungsfirmen. Denkbar sei, dass die Bank die Dienstleistung künftig über Tochterunternehmen anbiete, so Sommer.

Belastet wird die Apobank in diesem Jahr, weil sie zu einem neuen IT-Dienstleister wechselt, der Schweizer Firma Avloq/DXC. Das Thema ist brisant, weil sich die Apobank damit gegen den genossenschaftlichen IT-Dienstleister Fiducia GAD, der die knapp 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken bedient, entschieden hat.

„Das ist keine Abkehr vom genossenschaftlichen Verbund“, sagte Sommer. Fiducia GAD biete eine einheitliche Dienstleistung für die Volks- und Raiffeisenbanken. „Wir sind jedoch ein Stück weit entfernt vom Geschäftsmodell der klassischen Genossenschaftsbank.“

Untypisch für eine Genossenschaftsbank ist auch, dass nur rund ein Viertel der Kunden auch Mitglieder sind, also Anteile an der Apobank gezeichnet haben. Die rund 110.000 Mitglieder sollen erneut eine Dividende von vier Prozent erhalten.

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