WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Aktien, Anleihen, Immobilien Diese Trends bleiben Anlegern 2016 erhalten

Gute Vorsätze für Gesundheit, Job und Beziehung – für viele Deutsche soll sich nächsten Jahr etwas ändern. Bei den privaten Finanzen bleibt aber Vieles gleich. Drei Trends, die Anlegern erhalten bleiben.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
„Erfolgreiche, selbstkompetente Menschen sind in der Regel starke Performer“, schreibt Würzburger. „Sie sind stark motiviert in dem, was sie tun.“ Quelle: Getty Images

Frankfurt Das neue Jahr nähert sich mit großen Schritten. Natürlich dürfte es wie in Vorjahren auch in 2016 die großen und kleinen Katastrophen wie in den Jahren davor geben. An Entscheidungen, die für Geldanleger spannend sind, herrscht kein Mangel.

Da wären etwa die Sitzungen der Notenbanken oder die Präsidentenwahl in den USA. Oder die Abstimmung über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Neben solchen möglicherweise wegweisenden Entscheidungen bleiben aber viele Trends erhalten. Etwa für Anleger, die in Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert sind.

Aktien: Chancen für Nervenstarke

Auch im nächsten Jahr machen die Notenbanken die Kurse. Dabei gehen Fed und EZB in verschiedene Richtungen. Während die US-Notenbank nach Erwartung der Mehrzahl der Markteilnehmer ihre Leitzinsen moderat erhöht, dürfte die EZB bei ihrer aggressiven geldpolitischen Ausrichtung bleiben. Eine allzu harsche Zinstrendwende in den USA scheint eher unwahrscheinlich – auch mit Blick auf die Währung.

„Grundsätzlich könnten alle großen Volkswirtschaften mit einem Dollarkurs zwischen 1,05 und 1,15 leben“, sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarkstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch.

Sollte der Dollar tatsächlich über Parität steigen, bekämen die US-Unternehmen und damit die US-Wirtschaft mittelfristig ein Wettbewerbsproblem. „Mögliche Zinserhöhungen der Fed dürften damit relativ schnell obsolet werden“, sagt Vordran.“ Derzeit wird die Reflexivität eines zu hohen US-Dollar auf die US-Volkswirtschaft meiner Meinung nach von vielen Investoren unterschätzt.“

Die weiterhin niedrigen Zinsen dürften die Aktienkurse beflügeln. Die Bilanzen sehen gut aus, weil die Kosten für Kredite niedrig sind. Auf der Suche nach Rendite meiden Anleger Zinspapiere und wenden sich Aktien zu. In der Kapitalmarktprognose von 35 Banken für das Handelsblatt sehen die Marktstrategen den Dax deutlich über dem Schlussstand dieses Jahres bei dann 11.793 Punkten.

„Lohnende Investitionsmöglichkeiten bestehen 2016 vor allem in risikobehafteten Anlageklassen wie Aktien“, sagt Lars Edler, Leiter Investmentstrategie bei Sal Oppenheim. „Die Börsen der entwickelten Volkswirtschaften dürften Anlegern einen Ertrag von 7,6 Prozent bringen, in den Emerging Markets rechnen wir mit einer Aktien-Performance von 6,9 Prozent“.

Wie in diesem Jahr, als Daten aus China oder der mögliche Grexit für Kursturbulenzen sorgten, dürfte es aber auch im nächsten Jahr Risiken. „Geldpolitische Entscheidungen und die sich abzeichnenden politischen Risiken etwa durch die US-Präsidentschaftswahl oder die „Brexit“-Thematik dürften sowohl an den Aktien- als auch an den Rentenmärkten für phasenweise hohe Volatilität sorgen“, sagt Wolfgang Baums, Geschäftsführer BHF Trust. „Die Attraktivität von Aktienanlagen bleibt bei den derzeitigen Bedingungen grundsätzlich erhalten“.


Anleihen: Ohne Risiko keine Rendite

Eigentlich ist es eine Binsenweisheit. Nur wer ein gewisses Risiko geht, erzielt eine Rendite. In Zeiten des historischen Zinstiefs ist diese Weisheit für die Anleger aber eine grausame Gewissheit geworden.

Wie wenig es für derzeit für risikoarme Anlageklassen gibt, zeigt etwa der Blick auf deutsche Staatsanleihen. Erst ab einer Laufzeit von sechs Jahren gibt es überhaupt einen positive Rendite, bei kürzeren Laufzeiten zahlen Anleger, die keine Kursgewinne erzielen drauf.

In der Kapitalmarktprognose von 35 Banken für das Handelsblatt sehen die Marktstrategen die Rendite für zehnjährige Bundesanliehen bei 0,96 Prozent. „Das Dilemma des Renteninvestors wird ein Zinsanstieg sein, der zwar stark genug ist, um sich negativ auf die Kursentwicklung von Renten auszuwirken, aber zu schwach, um wieder zu attraktiven Renditen zu führen“, sagt Lars Edler, Leiter Investmentstrategie bei Sal Oppenheim.

Die Privatbank rechnet zum Jahresende 2016 mit einem Total Return von -1,8 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen und -0,4 Prozent bei fünfjährigen deutschen Staatsanleihen.

Große Vermögensverwalter wie Blackrock, Pimco oder Prudential empfehlen daher Anleihen aus Ländern wie Portugal, Italien oder Griechenland, die keine Top-Bonität bieten. „Bei vielen dieser Papiere aus der Peripherie, gab es seit Jahren immer wieder Ereignisse, und auch in Zukunft wird es politisch und wirtschaftlich schwierig werden“, sagt Robert Tipp, Leitender Investmentstratege bei Prudential. „Aber genau diese Anleihen zeigten die beste Entwicklung.“ Bei den globalen Fonds bleibt es bei der „Übergewichten“-Empfehlung.

Griechische Anleihen brachten dieses Jahr mehr als 20 Prozent. Scott Thiel von BlackRock nennt Portugal als einen Favoriten für 2016. Mit 3,66 Prozent liegt die Rendite der 30-jährigen Anleihen des Landes fast 2,4 Prozentpunkte über der von Bundesanleihen. Die Gewinne dürften zunehmen, da sich die Wirtschaft des Landes erholt und die Anleihenkäufe der EZB die Kurse hochtreibt.

Auch Pimco ist „bullish“ gegenüber Anleihen aus der „Peripherie“, etwa aus Griechenland, „Das griechische Drama ist vorüber, Draghi fährt eine geeignete und wirksame Politik, und daher gibt es Chancen bei europäischen Peripheriebonds”, sagt Richard Clarida von Pimco.


Immobilien werden noch teurer

Die niedrigen Zinsen bleiben und verlängern den Immobilienboom ins nächste Jahr. Laut Gutachterausschüsse verteuerten sich Ein- und Zweifamilienhäuser in den Jahren 2009 bis 2014 jedes Jahr im Schnitt um 3,3 Prozent teurer. In Großstädten stiegen die Kaufpreise um rund zehn Prozent per annum. Bei Eigentumswohnungen war der Trend ähnlich, hier ging es jährlich seit 2009 um 2,7 Prozent rauf.

In 2014 wurden bundesweit 900.000 Immobilien im Wert von 191 Milliarden Euro verkauft, 47 Prozent mehr als 2009. Auch im nächsten Jahr dürfte sich der Trend fortsetzen. „Das Zinsumfeld wird sich nicht grundlegend verändern“, erwartet Ulrich Jacke, Geschäftsführer der Dr. Lübke & Kelber. „Auch die Kapitalströme in den sicheren Hafen Deutschland werden bestehen bleiben“.

Käufer müssen sich aber mit sinkenden Renditen für ihre Objekte abfinden. „Die enorme Nachfrage nach Immobilieninvestments trifft auf ein immer geringer werdendes Angebot“, sagt Kelber. Dadurch werden sich die Preise zwangsläufig weiter nach oben entwickeln. „Preise in absoluten Toplagen sind jedoch bereits so hoch, dass sich dort die relative Preisdynamik abschwächen wird,“ sagt Kelber.

Nicht nur in den großen Metropolen steigen die Preise, sondern auch in den mittleren und guten Lagen der so genannten B-Städte. „Viele Investoren nutzen damit noch vorhandene Risiko-Renditevorteile dieser B-Städte gegenüber Top-Städten“, sagt Kelber. „Dieser Trend wird sich auch in 2016 fortsetzen.“

Ein weiterer Grund für steigende Preise sind die viel zu geringen Neubauquoten. Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaft (IW) liegt der künftige Bedarf deutlich über den bisherigen Schätzungen und Erwartungen, bis zum Jahr 2020 sind demnach rund 430.000 Neubauwohnungen jährlich erforderlich.

Bislang rechneten Experten mit einem Bedarf von 300.000 Wohnungen per annum. Gemessen an der Bauleistung im Jahr 2014 müsste sich die Bautätigkeit um mehr als 75 Prozent erhöhen, um den Bedarf zu decken. „Dies ist eine große Herausforderung. Schließlich hinkt in einigen Ballungsräumen die Bautätigkeit schon seit einigen Jahren der Nachfrage hinterher“, erklärt Prof. Michael Voigtländer vom IW.

Wie der Trend in der Praxis wirkt, zeigt eine Prognose von CBRE für Berlin. Neben den knapp 45.000 Neubürgern aus Deutschland und der Europäischen Union rechnet der Immobiliendienstleister mit weiteren 100.000 Asylbewerbern in der Hauptstadt.

„Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Vorgabe von 10.000 fertiggestellten Wohneinheiten pro Jahr nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können“, sagt Michael Schlatterer, Teamleiter Markterhebung bei CBRE. „Eine neue Ära des sozialen Wohnungsbaus wird kommen müssen“. Das bietet auch Chancen für private Investoren und Eigentümer.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%