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Aktienkurs Steigende Zinsen heizen Sorgen um verschuldete Unternehmen an

Nullzinsen haben viele Unternehmen dazu animiert, große Kredite aufzunehmen. Doch Anleger sollten bei Aktien von verschuldeten Unternehmen Vorsicht walten lassen.

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Die gesenkte Dividende der weltweit größten Brauerei sollte als Warnsignal gesehen werden. Quelle: Reuters

Brüssel Der Aktienkurs der weltgrößten Brauerei ist an einem Tag um mehr als 10 Prozent abgesackt, nachdem das Unternehmen die Dividende um die Hälfte senkte, um einen Schuldenberg von 109 Milliarden Dollar (95 Milliarden Euro) abzutragen. Das sollte als Warnsignal ernst genommen werden.

In den letzten zehn Jahren sind laut Sanford C. Bernstein die weltweiten Schulden von nichtfinanziellen Unternehmen um 68 Prozent auf 14 Billionen Dollar (12, 3 Milliarden Euro) angeschwollen. Als sich das Wirtschaftswachstum nach der Krise zu erholen begann, während die Zinsen nahe Null blieben, haben die Unternehmen Kredite aufgenommen.

Einige mussten sich gegen Neulinge wehren - denken Sie an Konsumgüterunternehmen wie die zuvor erwähnte Anheuser-Busch InBev NV -, während andere wie Telekom-Gesellschaften in neue Technologien investierten. Jetzt haben Ängste bezüglich einer Wende im Zinszyklus Sorgen geschürt, dass die Schuldentilgungen zunehmend auf den Gewinnen und den Ausschüttungen für die Aktionäre lasten werden, was den Druck auf einen bereits turbulenten Start in die Berichtssaison erhöht.

„Jegliche Rückgänge bei den Cashflows werden die Kreditratings oder die Kreditspreads sofort belasten“, sagte Edmund Shing, Leiter der globalen Aktien- und Derivatestrategie bei BNP Paribas SA in London. „Die Refinanzierung wird für diese Unternehmen wahrscheinlich teurer.“ Die Notwendigkeit, die fällig werdenden Schulden zu höheren Zinsen zu refinanzieren, wird laut Bernstein in den nächsten drei Jahren die Vorsteuer-Gewinne in Europa um 1,5 Prozentpunkte und in den USA um 0,5 Prozentpunkte drücken.

„Die Dynamik der Schulden-Refinanzierung wird ein immer wichtigerer Teil der Investitionsperspektiven ausmachen“, schrieben Strategen um Inigo Fraser Jenkins in einer Notiz. „Für den gesamten Markt wirkt sich dies negativ auf die Gewinne aus, da der Schuldendienst einen größeren Anteil an den Erträgen hat.“

In Europa hat die Besorgnis dazu geführt, dass Anleger auf den Faktor Qualität setzten und in Unternehmen mit geringer Verschuldung und gesunden Bilanzen geflohen sind. Während der Stoxx 600 in den letzten 10 Tagen um 1,5 Prozent gefallen ist, war der Citi Quality Pure Index unverändert. Gegenwärtig wird der letztgenannte Index in Relation zur marktbreiten Benchmark in der Nähe seines höchsten Stands seit Juli 2016 gehandelt.

Anleger sollten bei Aktien von hoch verschuldeten Unternehmen Vorsicht walten lassen, da die Renditen steigen, sich die Kreditspreads ausweiten dürften und die Ausfallquoten in den USA begonnen haben anzuziehen, schrieben Strategen der Credit Suisse Group AG um Andrew Garthwaite am Donnerstag in einem Bericht.

Zu den Aktien, bei denen Vorsicht geboten ist, gehören Kraft Heinz Co., Wynn Resorts Ltd. und Symantec Corp. in den USA sowie Hennes & Mauritz AB, Tesco Plc und Telia Co. in Europa, so die Schweizer Bank. In den USA sind die Zinsen seit einigen Jahren gestiegen, aber in Europa könnten die Kreditspreads beginnen sich auszuweiten, da die Zentralbank sich darauf vorbereitet, im Dezember ihr Anleihekaufprogramm zu begrenzen, so Shing von BNP Paribas.

„Vergessen wir nicht, dass vor allem in Europa Investment-Grade-Kreditspreads durch konstante EZB-Käufe gedrückt wurden, aber das stoppt natürlich Ende dieses Jahres“, sagte er. „Diese Rücknahme der Unterstützung für den Kreditmarkt könnte auch dazu führen, dass die Kreditspreads enger werden.“

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