Aktienmärkte Die Börse und der Terror

Weniger als ein halbes Jahr nach den Anschlägen in Paris, ist Brüssel Ziel von Terroristen. Die Börse reagiert auf solche Ereignisse nach einem kurzen Schreck in der Regel abgestumpft.

Place de la Bourse in Brüssel Quelle: dpa

Es ist eine Reaktion, die oft als makaber bezeichnet wird. Bei Terroranschlägen sterben Menschen – und an der Börse stürzen die Kurse. Tatsächlich ist das auch am Dienstag zu beobachten gewesen. Die Nachrichten über die Explosionen in Brüssel flimmerten über die TV-Bildschirme und vor allem die Aktien von Fluggesellschaften, Reiseanbietern und Flughafenbetreibern rutschten heftig ins Minus.

Wirtschaftsmedien geraten mitunter in Kritik, wenn sie über diese Reaktionen berichten. Doch sie finden eben statt und sind eine der Folgen von terroristischen Taten. „Jeder Marktteilnehmer, der Familie und Freunde hat, leidet mit den Angehörigen mit und ist persönlich unendlich traurig“, erklärt etwa Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Man war geschockt, dass der Flughafen des bedeutendsten EU-Standorts Brüssel betroffen wurde, der doch insofern gesichert wie Fort Knox sein müsste“.

Halver berichtet von Befürchtungen der Marktteilnehmer, dass auch belgische Atomkraftwerke unter den Anschlagszielen sein könnten. „Die [vermeintliche] Evakuierung des Atomkraftwerks in Tihange gab hier Anlass zu entsprechenden Befürchtungen“, erklärt Halver.

Die Gegner des Islamischen Staates

Tagesaktuelle Kursausschläge ignorieren viele mittelfristige Investoren – etwa Privatanleger, die mit Aktien für ihre Alter vorsorgen. Doch Forscher haben sich auch intensiv mit den mittelfristigen Auswirkungen von Terroranschlägen auf globale Märkte beschäftigt.

Ihr Ergebnis: In der Regel haben Anschläge auch auf mittlere Sicht geringe Auswirkungen auf die Kurse, vor allem in weit entwickelten westlichen Märkten. Ein Grund: Trauer und Leid sind natürlich oft groß, lassen ganzen Nationen den Atem stocken und das öffentliche Leben kurzzeitig zum Stillstand kommen. Dennoch haben regionale Anschläge meist geringe volkswirtschaftliche Auswirkungen.

Extreme Ereignisse wie die Terroranschläge auf New York und Washington am 11. September 2001, die das Weltfinanzzentrum an der Wall Street zeitweise lahm legten, können die Kurse massiv drücken. Doch damals reagierte die Zentralbank, senkte die Zinsen, versorgte Banken mit Liquidität und stützte so die Märkte. Mit 9605 Punkten war der Dow-Jones-Index am 10. September 2001 aus dem Handel gegangen, am ersten Handelstag eine Woche später stand zwar ein Tagesminus von mehr als sieben Prozent. Aber 40 Handelstage danach hatten sich die Kurse wieder berappelt.

So gedenkt die Welt der Opfer von Brüssel
Eiffelturm in Paris in den belgischen Farben Quelle: REUTERS
Berlin: In der deutschen Hauptstadt wird am Abend der Terroranschläge das Brandenburger Tor in den Farben der belgischen Trikolore angestrahlt. Quelle: dpa
Gerichtsgebäude von Lyon Quelle: REUTERS
RomDer weltberühmte Trevi-Brunnen, eines der größten Wahrzeichen von Italiens Hauptstadt Rom, wurde in Schwarz-Gelb-Rot getaucht. Quelle: REUTERS
Neptun-Brunnen auf der Piazza Signoria in Florenz Quelle: dpa
PolenIn Warschau ließen die Polen den Palast der Kultur und Wissenschaft in den Farben der belgischen Tricolore anstrahlen. „Die Tragödie, die sich heute in Brüssel ereignete, zeigt, dass wir in einer Welt leben, in der eigentlich alle Werte, die wir als Fundament für den Bau einer Gemeinschaft erachten, anfangen, in Trümmern zu liegen“, sagte polnische Regierungschefin Beata Szydlo. Quelle: dpa
Belgische Botschaft in Prag Quelle: REUTERS
Belgische Botschaft USA Quelle: dpa

Die Folgen von Terrorismus auf den Finanzmärkten sind seit damals von vielen Forschern analysiert worden. Das Ergebnis: Solche Groß-Anschläge wie Nine-Eleven wirken sich potenziell auf lange Sicht aus, Anschläge mit regionaler Auswirkung dagegen lösen allenfalls kurzfristige Schwankungen aus. Das gilt vor allem für weit entwickelte westliche Märkte. „Leider hat sich an den Börsen ein Gewöhnungseffekt eingestellt“, erklärt Halver. „Die Anschläge von New York waren der schreckliche Beginn einer neuen Dimension des Terrors. Heute gehört Terror zur neuen Realität.“

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