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Aldi, Lidl, Rewe, Edeka Der Corona-Boom ebbt ab – und die Preise für Lebensmittel steigen

Ein Preisschild von Paprikas hängen an der Gemüsetheke in einem Supermarkt. Quelle: dpa

Während vielen Branchen in der Coronakrise das Geschäft wegbrach, verbuchten Supermärkte Rekordeinnahmen. Doch nun lässt das Wachstumstempo nach, zeigt eine neue Studie des Marktforschers GfK.

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Erst Hamsterkäufe und leere Regale, später Homeoffice und geschlossene Restaurants – den großen Supermarktketten und Discountern bescherte die Coronapandemie zweitweise hohe Umsatzzuwächse. Doch nun ebbt der Boom ab, zeigen neue Marktdaten. So hätten die Verbraucher in der Pandemie „den Herd als Kreativ-Center und die Küche als Kommunikationsort für die ganze Familie wiederentdeckt“, schreiben die Experten des Marktforschers GfK in einer neuen Studie. Und sie hätten einen Teil ihres ‚Ausgeh-Kontos‘ in besondere und höherpreisige Angebote aus dem LEH gesteckt – „vielleicht als Ausgleich für die entgangenen Genüsse im Restaurant“. Mit dem Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen seit dem Frühsommer beginne sich das Bild aber wieder zu drehen.

Flossen im April 2021 noch 83,4 Prozent der Gesamtausgaben der Verbraucher für Mahlzeiten, Essen und Getränke in die Kassen der Discounter und Supermärkte, waren es im August nur noch knapp 70 Prozent.  30,4 Prozent gaben die Verbraucher demnach für ihren „Out-of-Home Konsum“ aus – also für den Besuch von Restaurants, Cafés und Imbissbuden, fast so viel wie zu Beginn der zweiten Coronawelle im Oktober 2020.

Für den Lebensmittelhandel bedeute dies, dass man sich „hier womöglich längerfristig auf stagnierende Ausgaben der Shopper einstellen muss“, schreiben die GfK-Experten. Für Handelsriesen wie Aldi, Lidl, Rewe und Edeka dürfte das allerdings kaum ein Grund zur Sorge sein. Schließlich bedeute „Stagnation“, dass sich die Ausgaben der Konsumenten auf dem hohen Corona-Niveau einpendeln würden.  „Gegenüber der Vor-Corona-Zeit sind das per August immerhin gut 13 Prozent Mehrumsatz, 11,8 Prozent aus dem Vorjahr plus 1,4 Prozent aus dem laufenden Jahr“, heißt es in der GfK-Studie.

Die verschiedenen Handelsformate haben sich dabei allerdings höchst unterschiedlich geschlagen: So verzeichneten Drogerieanbieter nur vergleichsweise moderate Zuwächse, während vor allem klassische Super- und Verbrauchermärkte – die sogenannten Vollsortimenter - zweistellig  zulegten. Letztere hatten per August 2020 zusammengerechnet 16,5 Prozent mehr Umsatz auf dem Konto. „5,5 Prozent aus 2021 kommen auf diese herausragende Performance noch obendrauf“, berichten die Experten. Allerdings spürten nun auch die Super- und Verbrauchermärkte, dass die Verpflegung in Restaurants und Kantinen wieder zunimmt. „Gerade die besser bezahlten Büroarbeiter in den Metropolen hatten ja in den Monaten des Lockdowns vor allem die Supermärkte frequentiert, weil sie hier am ehesten adäquaten ‚Ersatz‘ für die ausgefallenen Restaurantgenüsse fanden“, heißt es in der Studie.

Die Lebensmittelpreise steigen

Bei Discounter wie Aldi und Lidl habe es in der Pandemie aus Sicht der Shopper dagegen vor allem an Breite und Tiefe des Sortiments gemangelt, zumal viele Haushalte „ihre Konsumpalette während der diversen Lockdowns ausdifferenziert hätten. Sie seien daher auch deutlich schwächer gewachsen als ihre Wettbewerber im Vollsortiment. Das könnte sich allerdings wieder ändern, sobald der Preis wieder eine wichtigere Rolle beim Einkauf spielt. „In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten dürfte dieser Aspekt wieder für mehr Haushalte größere Bedeutung erlangen“, konstatieren die Marktforscher. „Die durch Rohstoffknappheit und Energieverteuerung angefachte aktuelle Preisspirale könnte ein erster Impuls in diese Richtung sein“.

Tatsächlich sind auch die Lebensmittelpreise in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Und ein Ende der Entwicklung ist vor allem im Frischebereich nicht in Sicht: „Im Augenblick werden die wichtigsten Obstsorten wie Äpfel und Birnen sowie Kartoffeln geerntet“, heißt es in der GfK-Analyse. Überall könnte die Ernte demnach schlechter ausfallen als im letzten Jahr, was dann auch hier zu steigenden Preisen führen würde. Das Fazit der Experten: „Die Konsumenten müssen sich drauf einstellen, dass das Leben in den nächsten Monaten teurer wird: beim Heizen, beim Stromverbrauch und eben auch beim Essen.“

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