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Anleiheplattform Credx Digitale Konkurrenz auf dem Bondsmarkt

Elektronische Handelsplattformen wollen den Banken bei der Platzierung von Anleihen Konkurrenz machen. Seit einigen Tagen gibt es einen neuen Wettbewerber aus Deutschland.

Digitale Konkurrenz für den Anleihehandel. Quelle: dpa

FrankfurtDer Markt ist riesig und er ist lukrativ. Nach Berechnungen des Informationsdienstes Bloomberg hat die Platzierung von Anleihen den acht größten Banken in diesem Geschäft in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres Einnahmen von 14 Milliarden Dollar beschert. Doch die digitale Revolution der Finanzbranche könnte dafür sorgen, dass den Geldhäusern in Zukunft zumindest ein Teil dieser Erträge verloren geht. Ähnlich wie Uber im Transportgeschäft versuchen neue digitale Bond-Handelsplattformen den Mittelsmann aus dem Geschäft zu drängen und das wären in diesem Fall die Banken.

Vereinfacht laufen die meisten Anleihedeals bislang so: Der Emittent beauftragt eine Bank, eine Anleihe mit einem bestimmten Volumen und einer bestimmten Laufzeit  am Markt zu platzieren. Die Bank sammelt dann bei ihren Kunden Orders ein und bringt die Anleihe zu den für den Emittenten bestmöglichen Konditionen unter. Dafür kassieren die Geldhäuser eine Gebühr.

Im Gegensatz zu diesen traditionellen Emissionen wollen neue digitale Plattformen über Privatplatzierungen von Anleihen, Schuldscheinen und Krediten die Transaktionen direkt zwischen den Emittenten und den Investoren anbahnen. Seit einigen Tagen versucht das auch ein noch junges deutsches Unternehmen: Credx. Über diese Plattform sollen Unternehmen mit guter bis sehr guter Bonität in Zukunft Kapitalmarktemissionen platzieren können.

Gleich zum Start emittierte die Deutsche Telekom ein Schuldscheindarlehen im Volumen von 50 Millionen Euro und 10-jähriger Laufzeit an Versicherungsgesellschaften des AXA-Konzerns. Emittenten und Investoren können sich bei Credx als Mitglieder registrieren und dann auf der Web-basierten Plattform Emissionen und Darlehensvergaben anbahnen, verhandeln, abschließen und die Abwicklung steuern. „Credx hat die Emission von Schuldscheindarlehen vereinfacht“, lobt Markus Schäfer, Leiter Kapitalmarkt der Deutschen Telekom. „Industrie, Mittelstand und die öffentliche Hand benötigen möglichst transparente und effiziente Zugänge zu Fremdkapital“, meint Wolfgang Reitzle. Der Aufsichtsratschef des Linde-Konzerns ist als prominenter Aktionär bei Credx eingestiegen und soll das Unternehmen auch mit Rat und Tat unterstützen.

Noch steckt das Geschäft der Bond-Plattformen allerdings in den Kinderschuhen. Die Luxemburger Firma EPPF beackert einen ähnlichen Markt wie Credx und hat im vergangenen Dezember aber ebenfalls erst ihre Premiere erlebt, mit einem zweiwöchigen Commercial Paper über eine Million Euro für die DZ Bank. Chairman Robert Koller kündigte damals weitere Platzierungen für das erste Quartal 2018 an.

Bei der Erstemission von EPPF waren mit der DZ Bank selbst und ABN Amro, wie beim traditionellen Platzierungsverfahren, zwei Banken als Leadmanager an Bord. Das ist auch kein Wunder, stecken doch neben der DZ Bank und ABN mit der Commerzbank und der Landesbank Baden-Württemberg auch noch weitere Banken hinter der neuen Plattform. Ganz offensichtlich wollen die Geldhäuser mit ihrem Engagement verhindern, dass es ihnen so geht wie den Taxi-Fahrern nach dem Start von Uber.

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