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Ant Group Neue Turbulenzen: Simon Hu - Chef des chinesischen Finanztechnologiegiganten - tritt ab

Sein Nachfolger wird Eric Jing, der mit sofortiger Wirkung den CEO-Posten übernimmt. Chinas Regulierer verschärfen den Druck auf die Finanztechnologie.

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Der CEO der Ant Group soll aus persönlichen Gründen zurückgetreten sein. Quelle: Reuters

Der Chef des Finanztechnologiekonzerns Ant Group, Simon Hu, ist unerwartet zurückgetreten. Das beschert dem chinesischen Paypal-Konkurrenten neue Turbulenzen.

Der Grund: Derzeit muss sich das Unternehmen mit Forderungen der chinesischen Regierung auseinandersetzen, das Geschäft zu überarbeiten. Ant und seine Konkurrenten wurden von einer Reihe neuer Regeln getroffen, die darauf abzielen, ihren Einfluss in allen Bereichen vom digitalen Zahlungsverkehr bis hin zur Online-Kreditvergabe und Kreditwürdigkeitsprüfung einzuschränken.

Nun hieß es, Hu sei aus persönlichen Gründen zurückgetreten und habe auch seine Rolle als Executive Director im Vorstand des Unternehmens aufgegeben. Über die Gründe des Rücktritts äußerte sich wie die Agentur Bloomberg schreibt eine mit der Angelegenheit vertraute Person, die nicht genannt werden wollte.

Nachfolger von Hu wird Eric Jing, der bereits im Führungsgremium der Ant Group saß, und mit sofortiger Wirkung auch den CEO-Posten übernimmt.

Ein Sprecher des von Milliardär Jack Ma gegründeten Unternehmens Ant bestätigte den Rücktritt von Hu.

Künftig gemeinnützige Arbeit bei Ant und Alibaba

Der 51-jährige Hu kam 2005 zur Alibaba Group Holding, nachdem er zuvor bei der China Construction Bank, dem zweitgrößten Kreditinstitut des Landes, gearbeitet hatte. Einen Namen hatte er sich damit gemacht, erfolgreich Innovationen einzuführen, wie etwa die Nutzung von Datenanalysen, um kleine Unternehmen ohne Sicherheiten zu finanzieren und Alibaba dabei zu helfen, Amazon.com Inc. beim Aufbau des größten Cloud-Geschäfts in Asien zu schlagen. Alibaba besitzt etwa ein Drittel der Anteile von Ant.

So war Hu erst im November 2018 als Präsident von Alibaba zu Ant gewechselt und übernahm im Dezember 2019 den Posten des CEO. Hu, so die nicht näher genannten Informantenkreise, werde sich künftig auf die gemeinnützige Arbeit bei Ant und Alibaba konzentrieren.

Regulierung wie eine Bank

Fraglich ist nun wie es mit dem angekündigten Börsengang weiter gehen wird. Ant und die chinesischen Aufsichtsbehörden haben sich auf einen Restrukturierungsplan geeinigt, der das in Hangzhou ansässige Unternehmen in eine Finanzholdinggesellschaft umwandeln soll. Damit wird es ähnlichen Kapitalanforderungen wie die Banken unterliegen.

Die Änderung würde auch dazu führen, so urteilen Insiderkreise, dass die Eigentumsverhältnisse überprüft werden und das Unternehmen neue Lizenzen beantragen müsse.

Aufgrund der neuen, verschärften Regulierungen, so vermuten Branchenkenner, dürfte sich der Börsengang von Ant bis 2022 verschieben wird.

Die Bewertung des Unternehmens könnte um etwa 60 Prozent fallen - ausgehend vom Wert des vergangenen Jahres (280 Milliarden Dollar). Das schätzt Francis Chan, Analyst bei Bloomberg Intelligence.

China kontrolliert Finanztechnologiekonzerne schärfer

Der Rücktritt von Hu kommt Tage, nachdem der chinesische Premier Li Keqiang auf dem Nationalen Volkskongress versprochen hatte, die Aufsicht über die Finanztechnologie zu erweitern.

Der Fintech-Sektor soll auf „umsichtige“ Weise entwickelt werden. Zudem wolle China einen „Abweichungskorrektur"-Mechanismus schaffen, um innovative Finanzprodukte bei Bedarf zu korrigieren und auszusetzen, heißt es in einem Plan, der die Politik für die Jahre 2021 bis 2025 umfasst.

Alle drei Finanzaufsichtsbehörden des Landes haben es sich in diesem Jahr zum vorrangigen Ziel gemacht, das „rücksichtslose“ Vordringen von Technologiefirmen in den Finanzsektor einzudämmen.

Branchenexperten vermuten, dass Ant-Rivale Tencent Holdings das nächste Ziel für eine verstärkte Aufsicht sein könnte. Auch er werde wahrscheinlich gezwungen sein, eine Holdinggesellschaft für seine Finanzgeschäfte zu gründen, wobei die beiden Firmen einen Präzedenzfall für andere Fintech-Unternehmen zur Einhaltung der strengeren Vorschriften schaffen.

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