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Apps! Das Anti-Google ist jetzt besser

Für die Suchmaschine DuckDuckGo, die keine Nutzerdaten speichert, war es ein wildes Jahr nach Snowden — doch diese Woche hat wohl alles übertrumpft.

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Gabriel Weinberg: Der Erfinder und CEO von DuckDuckGo, der Suchmaschine, die keine Nutzerdaten speichert und nun auch gute Resultate liefert. Quelle: Handelsblatt

New York Auf einer gigantischen Bühne hilft auch ein winziger Auftritt. „DuckDuckGo“ stand da in winziger Schrift in einer langen Liste auf einem riesigen Bildschirm bei Apples Entwicklerkonferenz vergangene Woche, während davor ein Apple-Manager über andere Innovationen plauderte. Doch der Tech-Presse entging das nicht: Nutzer von Apples Internetbrowser können DuckDuckGo künftig als Standardsuche einstellen.

Der Winzling aus Philadelphia neben den Silicon-Valley-Giganten Google, Yahoo und Bing. Mehr Glaubwürdigkeit bei der Masse geht wohl nicht.

„Wir sind begeistert, dass wir in Safari integriert werden“, schrieb mir Gabriel Weinberg in einer E-Mail nach der Konferenz. Ich hatte vorher schon mit ihm für diese Kolumne gesprochen, denn es ist vieles passiert bei DuckDuckGo: Diesen Monat hat die Suchmaschine eine Reihe neuer Funktionen präsentiert, zusammen mit einem komplett überarbeiteten Design. Und vergangene Woche lieferte sie die neue Apps für mobile Geräte nach. DuckDuckGo war noch nie so gut.

Etwas hat sich nicht geändert: DuckDuckGo, oder DDG, bleibt komplett privat. Während die große Konkurrenz von Yahoo, Google und Microsoft Nutzerdaten horten, speichert DDG keine. Die Großen täten dies nicht, um die Dienste besser zu machen, sondern um uns überall im Internet gezielte Werbung zu zeigen.

Antworten statt Listen

„Es ist ein Mythos dass du Daten speichern musst, um gute personalisierte Resultate zu liefern“, schrieb mir Weinberg. „Die meisten Menschen denken bei personalisierten Suchergebnissen an lokalisierte Suchergebnisse, das lokale Wetter oder Restaurants beispielsweise. Das funktioniert auch, wenn man den Standort kurzfristig erfasst, aber nicht speichert oder an den Suchverlauf knüpft.“

Und die neueste Version funktioniert im Test wirklich richtig prima. Die Antworten waren fast immer so gut wie bei Google und manchmal besser. Wie Google auch, arbeitet DDG daran, lange Listen von Suchresultaten ein Ende zu setzen. Fast immer wird mir über dieser Liste eine Reihe von „Null-Klick-Antworten“ präsentiert, kleine Karten mit Informationen drin. Tippe ich das Wort „Wetter“, zeigt mir DDG die Temperatur in Brooklyn und die Aussichten. Ganz wie bei Google.


Die Null-Klick-Antworten sind toll

Doch DDG geht weiter. Die Antwort-Kategorien reichen von Porträts, Rezepten, Audios, Videos, Bildern, Filmen über Produkte und, besonders praktisch: Apps. Gebe ich beispielsweise „Handelsblatt“ ein, wird mir der Wikipedia-Eintrag gezeigt. Tippe ich aber „Handelsblatt App“, zeigt mir „DuckDuckGo“ als erste Kategorie „Apps“, eine horizontale Galerie mit den Links zu unseren iOS-Apps und Android-Apps. Bei Google kamen die Links an fünfter und siebter Stelle.

Bei Google gibt‘s Bilder von Tomaten

Diese „Null-Klick-Antworten“ sind toll — und oft besser als die von Google: Tippe ich „Tomatensalat“ zeigt mir DDG eine Rezepte-Galerie. Bei Google gibt es Bilder von Tomaten. Oder Videos: Tippe ich „Arcade Fire“, eine Band, und „We Exist“, ein Lied von ihnen, gibt es bei beiden Maschinen eine „Null-Klick-Antwort“ — doch sie unterscheiden sich stark. Google zeigt mir ein riesiges Video auf Youtube, ein Klick schickt mich zur Google-Tochter. Dasselbe Video steht bei DDG an erster Stelle einer Videogalerie, doch daneben gibt's noch andere Optionen, eine Live-Version beispielsweise oder eine Cover-Version. Klicke ich auf eines, kann ich das Video direkt hier abspielen, aber nicht bevor DDG mich warnt, dass Google meine Daten sammeln wird. Ich klicke, das Video spielt noch im Suchfenster, daneben gibt's Links zu Spotify und Amazon.

„Unser Fokus ist, unsere ‚Sofort-Antworten’-Plattform noch besser zu machen“, schrieb mir Weinberg. „Wir glauben, du kannst so für jede Suche die richtige Antwort erhalten.“ Das gelingt aber noch nicht immer. Suche ich nach einer Übersetzung kann ich Google einfach sagen: „Übersetze ‚großartig’ auf Englisch“ — und da steht’s: „great“. DDG spuckt einen Link auf Google Translate aus.

Es gibt ohnehin eigentlich wenig Gründe, Google zu verlassen. Die Suchmaschine ist fantastisch gut – und die Vernetzung mit all den anderen Google-Diensten oft echt praktisch. Doch wer sich vom Werbegigant im ganzen Internet verfolgt fühlt, nachdem er nach „Schuhen“ gesucht hat und nun überall Werbung für schicke Fußbekleidung sieht, ist auf DDG besser aufgehoben.

„Wir sind an einem Punkt, an dem du zu ‚DuckDuckGo’ wechseln kannst und nie mehr zurück willst“, schrieb mir Weinberg, und ich habe dem nichts entgegen zu setzten. „Unsere Hauptherausforderung ist es, das bekannt zu machen.“ Nun, da dürfte Apple vergangene Woche ein wenig geholfen haben.

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