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Altersvorsorge Rente für Existenzgründer

Im Gründungsrausch vergessen viele Unternehmer den Blick in die Zukunft: die Altersvorsorge. Zudem gibt es einen Dschungel an Anlageformen und Produkten. wiwo.de erklärt Vorsorgestrategien für Existenzgründer.

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Energiesparendes Haus: Die Immobilie ist auch eine Form der Altersvorsorge Quelle: obs/Deutsche Energie-Agentur (dena)

Asien, Wasser als Aktie - oder auf der anderen Seite konservativ die Privatrente. Als sich Karin Meier* vor vier Jahren selbstständig macht, investiert sie bereits in ein ganzes Bündel an Anlageprodukten", sagt die 39-Jährige. Schon mit 25 Jahren, während ihrer Festanstellung, kaufte sie Investmentfonds und eine Rentenversicherung. Als selbstständige Grafikerin stockte sie noch einmal kräftig auf.

Untypisch: "Gründer beschäftigen sich mit ihrer eigenen Altersvorsorge oft gar nicht oder erst sehr spät", sagt Hauke Müller-Späth, Professor für Entrepreneurship und Changemanagement an der Hochschule Fresenius in Köln. "Sie leben im Gründungshype und da wird die ferne Zukunft oft ausgeblendet." Nur fünf bis sechs Prozent ihrer Zeit investieren Gründer in den Gedanken, wie sie später leben wollen. "Sie nehmen sich einfach nicht viel Zeit für solche Themen", so Müller-Späth.

Für die Geldanlage gilt: Nicht alles auf eine Karte setzen. Ein gut gemischtes Portefolio an unterschiedlichen Anlageformen ist deshalb auch für die Altersvorsorge wichtig. Es gibt dabei einige Produkte, in die sich zielgerichtet und breit gestreut investieren lässt:

Banksparplan:

Im Banksparplan wird Geld zu einem variablen Zinssatz angelegt. Er ist eine sehr sichere Anlageform - allerdings mit geringer Rendite. Dennoch: Die einfache und transparente Form dieser Anlage spricht für sie. Anlagehorizont: langfristig, aber kurzfristig mit Gewinn verfügbar. Investmentfonds: Wer auf Aktien setzt, erkauft eine hohe Rendite mit einem potenziell hohen Risiko. Durch Investmentfonds, die weltweit und breit gestreut investieren, lässt sich das Risiko ein wenig senken. Investmentfonds haben den Vorteil, dass sie in ihrer Anlagestrategie sehr transparent sind und auch die Verwaltungs- und Erwerbskosten klar aufgegliedert sind. Anlagehorizont: mindestens mittelfristig. Renten- und Kapitallebensversicherung: Sehr gerne werden private Rentenversicherungen und Kapitallebensversicherungen Versicherungsvertretern verkauft, als "klassisches" oder als "fondsgebundenes" Produkt. Der generelle Nachteil: Versicherungsziele werden hier mit Ansparzielen verbunden, was fast immer zu einer geminderten Rendite führt und auch zu einer nicht optimalen Versicherung. Außerdem ist auch die Anlage nicht unbedingt sicher: Bei fondsgebundenen Produkten ist das Risiko ebenfalls hoch und auch bei der klassischen Variante haben leider die Kapitallebensversicherungsversicherung nicht bewiesen, dass sie renditestark wirtschaften. Anlagehorizont: langfristig. Immobilien: Oftmals wird auch die (selbst genutzte) Immobilie als Altersvorsorge angesehen. Sofern sie vermietet wird, können auch Betriebskosten von der Steuer abgesetzt werden. Allerdings sollte der Immobilienbesitz immer unternehmerisch angegangen werden: Es sollte auch mit einem (Wert-)Verlustrisiko kalkuliert werden. Das wird bei der Rechnung "kaufen statt mieten" leider immer wieder vergessen. Anlagehorizont: langfristig. Kurzfristprodukte: Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass nur lang angelegte Gelder der Altersvorsorge dienen. Im Gegenteil: Fehlende Verfügbarkeit ist ein Problem, wenn beim Gründer die Kassenlage nicht stimmt. Deshalb ist auch das Investment in kurzfristig verfügbare Anlageformen, wie etwa Bundesanleihen, Sparbriefe, Fest- oder Tagesgeldkonten wichtig - und eine Form der Absicherung und Vorsorge.

"Zielloses Sparen" in Tagesgeld

Katrin Meier investiert vor allem in Renten- und Kapitallebensversicherungen. Daneben sichert sie sich aber auch mit Investmentfonds und mit Tagesgeldanlagen ab, versucht sich hier im "ziellosen Sparen". "Der Zweck dafür steht noch nicht fest: Rente oder auch ein neues Auto - das weiß ich noch nicht", sagt Meier. Durch eine Riester-Rente schöpft sie auch staatliche Förderungsmöglichkeiten aus: Da sie in der Künstlersozialkasse pflichtversichert ist und somit auch in die staatliche Rente einzahlen muss, kann sie hier profitieren.

Eine einheitliche Strategie für alle Existenzgründer in Bezug auf steuervergünstigte Produkte gibt es nicht. Während zum Beispiel Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung auch in Riester-Produkte investieren können, haben andere Berufsgruppen ständische Absicherungssysteme - oder müssen womöglich komplett für ihre Altersvorsorge selbst aufkommen.

Steuerförderung für die Altersvorsorge

Kurz zusammengefasst die vom Staat geförderten Ansparmöglichkeiten:

Riester-Produkte:

Hier kann der Sparer mittlerweile Geld in vier unterschiedlichen Durchführungswegen ansparen: Banksparplan, Rentenversicherung, Investmentfonds und Bausparvertrag. Wichtige Grundbedingung für eine Riester-Zertifizierung ist der so genannte "Total Return": Mindestens die eingezahlten Beträge müssen zur Rente auch wieder ausgezahlt werden. Als Höchstsatz kann der Gründer  2100 Euro im Jahr anlegen und erhält dafür 154 Euro im Jahr an Zuschüssen oder Steuervergünstigungen. Bei Ehe und Kindern gibt es zusätzliche Zuschüsse. Rürup-Produkte: Selbstständige können außerdem steuerbegünstigt in die Rürup-Rente investieren. Waren am Anfang nur Rentenversicherungen möglich, so darf mittlerweile auch in Investmentfonds investiert werden. Die Freibeträge sind nach Jahren gestaffelt. Betriebliche Altersvorsorge: Sehr attraktiv ist die betriebliche Form der Altersvorsorge. Zum Beispiel der GmbH-Inhaber kann hier auf fünf unterschiedlichen Arten - "Durchführungswege" - vorsorgen. Hier ist eine unabhängige Beratung wichtig, um einen optimalen Weg zu finden.

Bei allen staatlich geförderten Produkten gilt die sogenannte nachgelagerte Versteuerung: In der Ansparphase werden Steuern gespart, in der Auszahlphase - also mit Beginn des Ruhestands - werden Steuern gezahlt.

Karin Meier ist mit ihrer Beratung zufrieden: "Mein Vertreter hat mich nicht gedrängelt, alle Versicherungen bei ihm abzuschließen. Bei der Wahl von Aktienfonds hat er mit mir offen über Anlagestrategien und deren Risiken und Chancen diskutiert." Müller-Späth: "Gründer sollten Versicherungsvertretern immer nach deren Provisionen fragen. Die schlechten unter diesen werden schon hier das Weite suchen." Generell gilt: Versicherungsvertreter und -makler arbeiten auf Provisionsbasis, sie erhalten Geld für die Vermittlung der Produkte. "Wenn ein Produkt dem Vertreter wesentlich mehr Provision als ein anderes bringt, dann sollte der Gründer hier kritisch nachfragen", rät Müller-Späth.

* Namen geändert

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