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Analyse: Zwei Jahre Finanzkrise Wo Vermögen noch sicher ist

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Fonds: miese Manager, teure Produkte

Kein Vertrauen in Fondsmanager

Dass Privatanleger oft zur falschen Zeit ein- und aussteigen, lässt sich auch bei Aktienfonds beobachten. In der Krise zogen Private – meist viel zu spät – Geld ab. Zwischen Mai 2007 und Mai 2009 sank das in Aktienfonds verwaltete Vermögen durch Kursverluste und Mittelabflüsse von 245 Milliarden auf 154 Milliarden Euro. Erst als die Kurse wieder ordentlich gestiegen waren, kehrten die Privaten zurück; immerhin 2,6 Milliarden Euro flossen im Mai 2009 in Aktienfonds. „Anleger tendieren immer dazu, in steigenden Märkten zu kaufen und in fallenden Märkten zu verkaufen“, sagt Jens Kummer, Leiter des Dachfondsmanagements beim Fondshaus der SEB.

Allerdings ist die widerwillige Rückkehr zu den Fonds durchaus verständlich: Die Branche hat in der Krise enorme Schwächen offenbart. Geldmarkt- und Rentenfonds etwa, die als Hort der Stabilität galten, vergraulten zahlreiche Anleger mit teils zweistelligen Verlusten. Viele Fondsmanager hatten massiv in riskante ABS- und Hybridpapiere investiert. Zudem fühlen sich Anleger vielfach übers Ohr gehauen, weil sie in den guten Jahren vor der Krise hohe erfolgsabhängige Vergütungen an die Fondsmanager gezahlt haben – für Wertzuwächse, die sich als Luftnummer herausstellten und in hohe Verluste mündeten. Aber die Erfolgsgebühren sind nun mal gezahlt. Alle sonstigen Bemühungen der Branche um mehr Vertrauen und Transparenz werden dadurch konterkariert.

ETFs: günstige Alternative

Derzeit wenden sich Anleger deshalb börsengehandelten Indexfonds zu, im Fachjargon Exchange Traded Funds (ETFs) genannt. Diese Produkte bilden die Wertentwicklung eines Index nach und verzeichnen europaweit starke Zuflüsse. Für ETFs sprechen niedrige Gebühren: Es gibt keinen Ausgabeaufschlag, die jährlichen Verwaltungskosten sind überschaubar. Und warum sollen Anleger teure Fondsmanager bezahlen, wenn diese doch nur selten besser abschneiden als der Index? Aktiv gemanagte Aktienfonds sind während der Finanzkrise schließlich oft genauso ungebremst nach unten gerauscht wie die Börsenindizes. ETFs gibt es inzwischen für alle erdenklichen Märkte und Strategien. Doch bisher werden sie vor allem von Großanlegern genutzt, während Bankberater ihren Kunden die günstigen Produkte oft vorenthalten. Sie verkaufen lieber weiter die klassischen Angebote, am liebsten aus dem eigenen Konzern. Davon gibt es mehr als genug: Die Finanzkrise hat den Fondshäusern ihre Kreativität nicht geraubt – die einen setzen weiter unverdrossen auf jeden Trend, andere sprechen jetzt gezielt Anleger an, die vorsichtig anlegen wollen. Für sie sind Fonds konzipiert, die neuerdings Namen tragen wie „Traditionelle Werte“ (Morgan Stanley) oder „Sachwerteportfolio“ (Mayr Investment Managers). Keine Krise ist so schlimm, als dass sie nicht auch neue Marketingmaschen gebären könnte.

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