WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Analyse: Zwei Jahre Finanzkrise Wo Vermögen noch sicher ist

Seite 4/8

Tagesgeld und Anleihen: Prozentejagd

Lieber zur Bank

Seit Ausbruch der Finanzkrise sind Tages- und Festgeldkonten stärker gefragt. Allerdings sind einige Anleger trotz des Fiaskos bei der isländischen Kaupthing-Bank und der unsicheren Aussichten schon früh wieder auf die Jagd nach jedem zehntel Prozentpunkt mehr Rendite gegangen. „Kaum war die Merkel-Garantie ausgerufen, standen dieselben Menschen, die uns vorher zugeschüttet hatten, wieder am Schalter, um möglichst schnell ihr Geld zu holen und es wieder zurück zu irgendwelchen dubiosen Banken zu tragen“, erinnert sich ein Sparkassen-Berater.

Garantien genau ansehen

Ein Teil der Privatanleger verhält sich also kaum anders als die viel gescholtenen Zocker in den Banken. Doch Renditejäger sollten wissen: Eine Garantie ist nur so gut wie der Garantiegeber. Wenn Sparer ihr Geld türkischen oder indischen Banken anvertrauen, die unter den Mantel der deutschen Einlagensicherung geschlüpft sind, übersehen sie, dass die Einlagensicherung im Insolvenzfall erst nach Monaten Geld überweist. Monate, in denen es keine Zinsen gibt. Zudem stellt sich die Frage, ob der Staat bei einem – nicht auszuschließenden – weiteren Banken-GAU tatsächlich jeden Sparer-Euro retten kann. Der Lackmustest, ob Vater Staat für Hunderte Milliarden Euro Spareinlagen geradestehen kann, hat noch nicht stattgefunden. Einen Hinweis, dass auch die deutsche Einlagensicherung alle Sparer-Verluste im schlimmsten Fall nicht auffangen kann, gibt ein jetzt bekannt gewordenes Protokoll eines Gesprächs von Top-Bankern und Finanzaufsehern, die am 9. Oktober 2008 zur Rettung der Hypo Real Estate (HRE) zusammenkamen. Dort ist vom „Konkurs der Einlagensicherung“ die Rede, sollte die HRE pleitegehen.

Wie schnell der Risikoappetit einiger Investoren wieder erwachte, zeigte sich auch am Rentenmarkt. So steckten Anleger ab Ende 2008 hohe Summen in Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen als sehr stark ausfallgefährdet eingestuft werden. 

Bewährungsprobe für Anleihen

Die Kurse solcher Papiere haben sich seitdem mehr als verdoppelt. Auch weniger riskante Bonds haben stark zugelegt. So ist der Kurs der neuen Metro-Anleihe, die Ende 2008 noch gut neun Prozent Rendite versprach, um 16 Prozent gestiegen, die Rendite sank auf 5,1 Prozent. Doch Vorsicht: Auch Bonds sind gefährdet. Jedes fünfte, möglicherweise sogar jedes dritte Papier aus der Hochzinsklasse dürfte ausfallen – je nach Dauer der Krise. Der große Test am Anleihemarkt steht 2013 und 2014 an. Dann wird ein Großteil der jetzt ausgegebenen Papiere fällig. Es ist fraglich, ob die Konzerne für die Refinanzierung alter Anleihen neue Investoren finden – und noch fraglicher, ob die Banken fähig sein werden, mit Milliardenkrediten einzuspringen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%