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Analyse: Zwei Jahre Finanzkrise Wo Vermögen noch sicher ist

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Zertifikate: trügerische Sicherheit

Sicherheit über alles

Anleger haben die Lehman-Pleite offenbar verdaut und setzen wieder verstärkt auf Zertifikate. Im April wuchs das Anlagevolumen um 10,6 Prozent auf 88,4 Milliarden Euro, neuere Zahlen gibt’s noch nicht. Auch wenn das noch weit vom Spitzenwert von 140 Milliarden Euro im September 2007 entfernt ist, sieht der Branchenverband DDV den Zertifikatemarkt wieder „im Aufwind“. Doch gehen die Anleger jetzt vorsichtiger mit Zertifikaten um?

Auf den ersten Blick ja. Nie zuvor war der Wunsch nach Sicherheit so groß: Fast 60 Prozent der Zertifikateanlagen entfallen derzeit auf Papiere mit Kapitalschutz. Damit ist der Anteil der Garantiezertifikate deutlich höher als vor der Finanzkrise. Ob die Sicherheiten extremen Kapitalmarktverwerfungen standhalten, ist aber durchaus fraglich. Zertifikate sind nach wie vor Inhaberschuldverschreibungen – geht die Emissionsbank pleite, droht der Totalverlust. Um die Gefahr gering zu halten, sollten Anleger nur Papiere systemwichtiger Banken kaufen, die im Krisenfall auf Staatshilfe hoffen dürfen. Prämien für Kreditversicherungen (Credit Default Swaps) geben frühzeitige Warnsignale, für wie solide der Markt ein Geldhaus hält.

Besicherte Zertifikate und Expresspapiere

Als Ausweg preisen die Banken besicherte Zertifikate an. Hier werden Wertpapiere – meist Staatsanleihen – bei einer neutralen Stelle hinterlegt, auf die der Anleger im Pleitefall zurückgreifen kann. Doch die Absicherung kostet Rendite – womit es schwieriger wird, mit Zertifikaten gegenüber Aktien oder Anleihen einen Mehrwert zu erzielen. Derzeit verkaufen sich besicherte Zertifikate nur schleppend.

Besser läuft der Absatz von Expresszertifikaten, die von vielen Banken in den Markt gedrückt werden – als Alternative zu Zinspapieren. Harmlos sind Expresszertifikate aber keineswegs. Sie werfen nur dann feste Renditen ab, wenn die Aktienmärkte ein bestimmtes Niveau halten. Jeder, der ein solches Papier kauft, geht also die Risiken eines Aktieninvestments ein und erhält dafür nur einstellige Zinsen. Trotz Finanzkrise kommen Expresspapiere noch auf zwölf Prozent des Zertifikatemarkts. Während Vertreter von Emissionsbanken hinter vorgehaltener Hand zugeben, dass sie solche Papiere nie kaufen würden, machen sich Sparer über das schlechte Chance-Risiko-Verhältnis offenbar wenig Sorgen.

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