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Anlagestrategie Aktien, Anleihen, Gold - Worauf Profis jetzt setzen

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Aktienhändler Ulrich Katz

Während auf den Anleihemärkten Milliarden Euro nötig sind, um Kurse zu treiben, reichen Philipp Wolk von Lupus alpha eine halbe Million. Sein Kauf trägt dazu bei, dass der Kurs der von ihm anvisierten Aktie 18 Cent oder mehr als drei Prozent in die Höhe schnellt. Wolk beobachtet das tagsüber an seinen vier Computerbildschirmen. Zieht der Kurs rapide an, nimmt der 35-Jährige seinen Kaufauftrag einige Minuten von der Börse. Bei der Aktie des kleinen Technologiekonzerns hilft das nicht viel: 24 Stunden später müsste Wolk – abgesehen von Tagesschwankungen – für die nächsten 100.000 Aktien 18.000 Euro mehr auf den Tisch legen.

Wolk braucht vor allem Disziplin. Das Wort hat ein Arbeitskollege auf einen neongelben Klebestreifen geschrieben und unten an seinen Computerbildschirm geklebt. Bloß nicht zu viel Volumen in den Markt geben und die Kurse zu stark vom Wunschpreis wegtreiben.

Handel in Nebenwerten ist ein kompliziertes Geschäft. Will ein Großanleger zum Beispiel 1000 Aktien der Baumarktkette Hornbach Holding verkaufen, beeinflusst das auf jeden Fall den Markt. Im Schnitt werden täglich weniger als 1000 Aktien des SDax-Wertes gehandelt. Was passiert, wenn ein Anleger schnell verkaufen muss, ist absehbar: Er würde den Kurs brutal drücken oder seine Aktien gar nicht so schnell loswerden. Dax-Aktien sind stabiler, weil Fonds den Index nachbilden und Aktien halten müssen.

Dass ein Teil der Titel in festen Händen liegt, stützt in Krisen. Den Stresstest haben große Werte spätestens seit September 2008 hinter sich: „Nach dem Zusammenbruch von Lehman konnten Investoren plötzlich nur noch liquide Aktien wie die von soliden Dax-Werten handeln“, sagt Lars Kolbe, Vorstandsmitglied beim Fondshaus Starcapital. Sie hielten sich in der Krise besser als kleine Werte.

Goldpapiere lassen sich schnell handeln

Gegen Ende eines Aufschwungs dreht diese Tendenz aber meist, die kleineren Werte laufen dann den hoch kapitalisierten den Rang ab. Mit liquiden Aktien entkommen Anleger zwar dem Markteinfluss Einzelner, allerdings entwickeln sich die Kurse ihrer Aktien dann meist auch so wie der aktuelle Börsentrend. Zudem ist hohe Liquidität für Privatanleger, die nur 50 oder 100 Stück handeln wollen, längst nicht so entscheidend wie für Profis mit ihren Millionen-Orders. Die Lösung für Privatanleger ist ein ausgewogener Mix aus großen und kleineren Titeln.

Liquidität ist auch für Goldanleger wichtig. In börsengehandelte Goldprodukte flossen allein im zweiten Quartal 11,2 Milliarden Dollar, nach 0,2 Milliarden im Quartal zuvor. Papiere, die mit physischem Gold hinterlegt sind, lassen sich an Börsen schnell handeln; schneller, als der Kauf oder Verkauf von Münzen und Barren üblicherweise ablaufen.

Für Privatanleger ist physisches Gold dennoch erste Wahl. Die meisten Goldfonds sind rechtlich Inhaberschuldverschreibungen, also unter dem Strich nichts weiter als Forderungen gegenüber dem Emittenten. Fällt ein Anbieter aus, laufen Anleger Gefahr, dass nicht genug Gold in dessen Safes liegt.

Keine Käufer gefunden

Grafik: Wie sich die Umsätze in heimischen Papieren an deutschen Börsen gegenüber dem Vorjahr entwickelt haben

Dass Anleger vor allem Investments bevorzugen, die man schnell wieder zu Geld machen kann, hat gute Gründe. "In der Vergangenheit sind viele große Vermögen untergegangen, weil der Anleger für seine Wertpapiere keinen Käufer mehr finden konnte", sagt Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter der ältesten deutschen Privatbank Metzler. Zu viele Fragen sind zurzeit offen: Droht wegen der ungehemmten Papiergeldschöpfung durch die Notenbanken am Ende die große Inflation, wie die Gold-Anleger glauben? Oder stimmt das Szenario vom erneuten Wirtschaftseinbruch und ewig tiefen Zinsen, das die Anleihe-Investoren durchrechnen? Oder droht beides, erst Deflation, dann Inflation? 

Profis wetten im Moment darauf, dass Deutschland in absehbarer Zeit nicht pleitegeht. Es hat schon etwas Beschwörendes, wenn Pimco-Anleihehändler Katz energisch mit seinem Finger auf den dicken Stapel Papier neben seiner Tastatur klopft: "440 Milliarden Euro", sagt er, "440 Milliarden." Und gleich noch mal: Tipp, tipp, tipp.

Der Rahmenvertrag zum EU-Rettungsschirm für den Euro liegt in dem Handelsraum gleich an seinem Arbeitsplatz. Schnell schlägt Katz nach: Seite 29, Federal Republic of Germany: 119,39 Milliarden Euro. Gerät ein Euro-Staat in Schieflage, garantiert Deutschland diese Summe. Will heißen: Deutschland ist zahlungskräftig, diesem Garantiegeber traut man solche Summen zu. "Deutschland ist solvent, da bekomme ich jederzeit mein Geld zurück", sagt Katz.

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