WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Anlagestrategie Aktien, Anleihen, Gold - Worauf Profis jetzt setzen

Seite 3/3

Broker Oliver Roth Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Doch dass die Sehnsucht nach Liquidität und Sicherheit bei Bundesanleihen zu Übertreibungen geführt hat, zieht man auch bei Pimco ins Kalkül. Bosomworth: „Das aktuelle Wirtschaftswachstum und das sehr tiefe Zinsniveau stimmen nicht überein.“ Will heißen: Mit anziehender Konjunktur müssten die Zinsen steigen, weil mehr Kredite nachgefragt werden und die Notenbank über die Zinsen bremsen müsste. Aber was ist normal in Zeiten, in denen die Notenbanken Staatsanleihen aufkaufen und Märkte mit Geld fluten?

Um nicht von Inflation, anziehenden Zinsen und Kursverlusten seiner schönen deutschen Anleihen überrascht zu werden, schaut sich Bosomworth vor allem Statistiken zur Kreditvergabe an. Spätestens dann, wenn die Banken mehr Kredit vergeben und das Notenbankgeld in die Wirtschaft fließt, müssen Anleger raus sein aus Bundesanleihen. Wer heute zu zwei Prozent Rendite noch Geld in eine Anleihe steckt, dem bleibt im ersten Jahr nach Bankspesen und Abgeltungsteuer ohnehin nur rund ein Prozent. Kommt statt der Deflation die Zinswende, fahren Anleger Kursverluste ein oder müssen ihr Investment bis zum Ende der Laufzeit aussitzen, zu Minirenditen. Liquide heißt eben nur jederzeit handelbar – zu welchem Kurs, entscheidet der Markt.

Oder, manchmal, Oliver Roth. Der 42-jährige Chefhändler der Close Brothers Seydler Bank in Frankfurt ist Skontroführer und Aktienbetreuer, er führt die Orderbücher (Skontren) für 171 Aktien, bringt Käufer und Verkäufer zusammen und berechnet die Kurse, zu denen die meisten Kauf- und Verkaufswünsche realisiert werden. "Der Markt ist dann liquide, wenn zu einem marktüblichen Kurs permanent ein Umsatz möglich ist", sagt er. In Spitzenzeiten bringt Roth in der alten Frankfurter Börse, in einem schlauchartigen Raum hinter der großen Dax-Tafel, täglich 2000 Handelspartner zusammen.

Will ein Anleger Aktien verkaufen, für die Roth gerade keinen Käufer hat, kauft er auf eigene Rechnung; möchte ein Anleger eine Aktie kaufen, die Roth nicht hat, bildet er eine Shortposition. Das heißt: Roth verkauft dem Anleger Aktien, die er nicht hält. Zwei Tage hat er danach Zeit, die Aktien zu besorgen. Theoretisch darf Roth den Handel nur in Extremsituationen verweigern. "Bei Katastrophen wie dem Untergang einer Ölplattform kann ich von einem Teil meiner Handelsverpflichtungen wie dem Garantieren von Volumen und Preisen zurücktreten", sagt er. Trotzdem sind Klagen über Aktienbetreuer, die sich zurückziehen, wenn die Kurse einbrechen, an der Börse nichts Ungewöhnliches.

Broker-Bluff

Grafik: Spannen zwischen Ankaufs- und Verkaufspreisen deutscher und griechischer Staatsanleihen

"Wenn es heiß wird, ist der ein oder andere schon mal etwas länger gerade nicht erreichbar und kurz in einer 'Besprechung' verschwunden", sagt Wolk von Lupus alpha. Katz drückt das vornehm aus: "An manchen Preisen sieht man schon, dass der Broker diese Position nun gerade nicht aufbauen möchte", sagt er. Bei griechischen Staatsanleihen etwa liegen die Spannen zwischen den in die Systeme gestellten Ankaufs- und Verkaufspreisen zeitweise gigantisch auseinander. Der Markt trocknet aus. Andererseits gilt: Je niedriger die Spanne zwischen beiden Preisen, desto liquider das Papier und desto günstiger der Handel.

Bei Bundesanleihen liegt die Spanne zum Teil unter 0,02 Prozent. Bei Aktien-Nebenwerten, die Wolk von Lupus alpha handelt, kann es auch schon mal ein Prozent des Kaufpreises werden.

Wolk greift wieder zum Telefonhörer. Ein Broker aus Griechenland bietet ihm 14.000 Aktien eines Rohstoffunternehmens an. Mehr Aktien habe er nicht, sagt der Broker ihm. Blufft der jetzt, genau wie Wolk am Morgen? "Wüsste ich, dass er mehr zu verkaufen hat, nähme ich doch lieber die letzten 14.000 Aktien –, dann, wenn der Kurs nach dem Komplettverkauf abgebröckelt ist", sagt Wolk.

Er rollt seinen Bürostuhl einen halben Meter nach rechts, zu den Bildschirmen. Wieder Zahlenkolonnen. Eine halbe Stunde nach Handelsstart sind erst Aktien im Wert von 7000 Euro über den Tresen gegangen. Das ist nichts, verglichen etwa mit dem Dax-Schwergewicht Daimler, das dieses Volumen jede Xetra-Handelssekunde erreicht.

Wolk greift trotzdem zu. Ob das die richtige Entscheidung war, weiß sein Fondsmanager, für den er einkauft, erst in vielen Monaten. Wenig liquide Papiere sind eben keine Kurzfrist-Anlage. 

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%