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Bankenregulierung Ausweichmanöver der US-Banken

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ARCHIV - Der Quelle: dpa

Die Enttäuschung der Händler ist schnell dem Galgenhumor gewichen. „Ich bewerbe mich für den Job auf den Caymans“, soll ein jüngerer Kollege gerufen haben, als man zu der Schlussfolgerung gekommen sei, die Bank werde diese Geschäfte wohl kaum aufgeben, sondern abspalten, zur Not gar irgendwo in Offshore-Zentren verlagern.

Tatsächlich drohen Branchenvertreter mit Abwanderung aus stärker regulierten Ländern – zumindest unterschwellig: Einschränkungen des Bankgeschäfts führten in die Irre, da sie nur die Gefahr erhöhten, dass manche Anbieter in unregulierte Kapitalmärkte flüchten, warnte etwa Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beim Weltwirtschaftstreffen in Davos.

Die Devise vieler Banker lautet: Tarnen, täuschen, fliehen. Schwierig bis unmöglich sei es, Aktien- oder Zinspapierhandel einschließlich der dazugehörenden Derivategeschäfte zu betreiben, wenn eine streng ausgelegte Volcker-Regel kommt. „Der Grund ist, dass all diese Geschäfte bedeutende Marktrisiken für die Bank mit sich bringen“, sagt Brad Hintz, Bankanalyst bei Bernstein Research. Um das hochprofitable Geschäft zu retten, müssten Banken es ausgliedern.

Eigenhandel ist Goldmans Gelddruckmaschine

Falls die Volcker-Regel zum Gesetz werde, „würde eine neue Wertpapierhandelsbranche entstehen, indem das Kapitalmarktgeschäft auch von anderen großen Banken abgespalten würde“, sagt Hintz, der bis 1998 Finanzvorstand bei Lehman Brothers war. Allerdings sei unklar, wie stark die Finanzierungskosten für die abgespaltenen Wertpapierhandelshäuser steigen und ob alle bisherigen Geschäftspartner auch mit den neuen, weniger kapitalstarken Handelshäusern zusammenarbeiten würden. Goldman Sachs würde Marktführer bei den neuen, eigenständigen Handelshäusern sein, prognostiziert Hintz.

Goldman verdient einen besonders großen Teil der Erträge mit dem Eigenhandelsgeschäft. Diese Gelddruckmaschine würde das Wall-Street-Haus nicht einfach schließen, vermuten auch Rivalen. „Ich könnte mir vorstellen, dass Goldman das Einzelhandelsgeschäft abspaltet und in einen Hedgefonds auslagert, wenn Hedgefonds dann nicht reguliert sind“, sagt der Deutschland-Chef einer anderen internationalen Investmentbank. Goldman-Aktionäre könnten dann bei der Abspaltung Aktien des Eigenhandels-Hedgefonds erhalten.

Den Fonds müsste Goldman nicht einmal neu gründen. Denn die Konzerntochter Goldman Sachs Asset Management betreibt bereits Hedgefonds. Mit ihren 21 Milliarden Dollar an verwaltetem Kapital steht sie auf der Rangliste der größten US-Hedgefonds auf Rang sieben, meldet das Magazin „Absolute Return“. Auf dieser Liste findet sich auch JP Morgan. Deren Hedgefonds Highbridge Capital steht mit 33 Milliarden Dollar Kapital auf Rang zwei, zwischen Marktführer Bridgewater und dem drittplatzierten Hedgefonds-Manager John Paulson. Barclays in London ist das Hedgefonds-Geschäft bereits los: Die Briten haben es mit ihrer Vermögensverwaltung für Cash und Aktien an den Fondsanbieter Blackrock verkauft.

Folgen die Europäer Obama?

Eigene Wege gehen müsste bei einer strengen Umsetzung der Volcker-Regel auch das Private-Equity-Geschäft Goldman Sachs Principal Investment Area. 49 Milliarden Dollar verwaltetes Eigenkapital machen die Banktochter zum zweitgrößten Private-Equity-Haus der Welt, hinter TPG, aber noch vor den Branchengrößen Carlyle und KKR .

Der kluge Banker folgt dem Kapital. Chris Gaunt von der Headhunterfirma Heidrick & Struggles berichtet, dass es als Reaktion auf Obamas Reformpläne bereits einen neuen Trend gibt: „Wir werden derzeit von Anfragen für Jobs bei Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften überrollt. Experten aus dem mittleren und höheren Management wollen reihenweise weg von den Banken und suchen in den alternativen Investmentfirmen eine neue Stelle.“

Der Volcker-Schock wirkt weit über die Wall Street hinaus. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist aufgeschlossen. Obamas Plan „geht in dieselbe Richtung wie unsere eigene Position. Die Banken sollen sich darauf konzentrieren, die Realwirtschaft zu finanzieren“, sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Auch in der Bundesbank, die von 2011 an vermutlich komplett für die Regulierung deutscher Banken zuständig sein wird, stößt Obama auf Sympathie. „Ich halte das für eine gute Idee“, sagt ein Top-Bundesbanker. Mervyn King, Gouverneur der Bank von England, nannte Obamas Vorschläge „mit Sicherheit relevant für Großbritannien“ und mahnt, dass „radikale Reformen“ nötig seien.

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