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Baufinanzierer IndyMac im Hypotheken-Strudel versunken

Die amerikanische Hypothekenkrise hat mit der kalifornischen Hypothekenbank IndyMac Bancorp ein weiteres Opfer gefordert. IndyMac, der größte unabhängige Baufinanzierer in den USA, ist pleite. Wie der amerikanischer Baufinanzierer ein Opfer seiner laxen Kreditvergabepraxis wurde.

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BERLIN. Es handelt sich nach dem Zusammenbruch der Continental Illinois National Bank im Jahr 1984 um den zweitgrößten Banken-Kollaps in der US-Geschichte.

Am Freitag wurde nach Börsenschluss mitgeteilt, dass der staatliche Einlagensicherungsfonds der US-Banken (FDIC) die Geschäfte von IndyMac weiterführen werde. Der FDIC rechnet mit einer Belastung von vier bis acht Mrd. Dollar. IndyMac hatte im vergangenen Jahr noch Hypotheken in Höhe von 77 Mrd. Dollar vergeben und rangierte damit auf Platz neun in den USA. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 32 Mrd. Dollar. Mehr als 100 US-Hypothekenfinanzierer sind mittlerweile pleite oder haben ihr Geschäft eingestellt.

Die Entwicklung bei IndyMac kam nicht aus heiterem Himmel. Im vergangenen Jahr sank der Börsenkurs bereits um 99 Prozent und notierte unter einem Dollar. Anfang des Jahres wurde ein drastisches Sparprogramm angekündigt. Das Institut wollte sich von mehr als der Hälfte seiner Mitarbeiter trennen.

Doch dem Aktienkurs gab das keinen Auftrieb. Im Gegenteil. Ende Juni 2008 äußerte der New Yorker Senator Charles Schumer Zweifel, ob die 1985 gegründete Bank noch eine Zukunft habe. Das gab dem Institut den Rest. Innerhalb von elf Tagen hoben verängstigte Kunden Einlagen in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar ab, was die Bank in existentielle Liquiditätsnöte führte, die sie allein nicht mehr lösen konnte.

"Das Institut ist heute einer Liquiditätskrise zum Opfer gefallen", sagte der Leiter der Chef der Sparkassenaufsicht, John Reich, am Freitag. Das gilt jedoch nur mit Blick auf die jüngsten Tage. Die Ursachen der Pleite liegen in einer unverantwortlichen Kreditvergabepolitik. So verzichtete IndyMac auf den Nachweis von Einkommen oder Vermögen. Man sehe sich nur als Vermittler, hieß es. Im Zuge der Finanzmarktkrise waren viele Kunden aber nicht mehr in der Lage, ihre Kredite zu bedienen. Zudem hatte IndyMac auch noch Probleme mit einem anderen Geschäftsfeld: Im Zuge der Krise brach auch das Kreditgeschäft mit Hausbauunternehmen ein.

Auch die Lage für die zwei größten halbstaatlichen US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae hat sich noch nicht entspannt. Im Laufe der vergangenen Woche haben die Unternehmen an der Börse die Hälfte ihres Marktwertes verloren. Zwar versicherten die Aufsichtsbehörden, dass die Unternehmen ausreichend kapitalisiert seien. Doch der Hinweis von Finanzminister Henry Paulson, dass eine Regierungsintervention nicht geplant sei, stimmte die Anleger wieder pessimistisch.

Immerhin gab der Senat am Freitag grünes Licht für ein 300 Mrd. Dollar schweres Hilfspaket, mit dem Immobilienkredite von rund 400 000 angeschlagenen Eigenheimbesitzern in festverzinsliche Hypotheken umgewandelt werden sollen. Allerdings kann der Präsident hier sein Veto einlegen.

Chronik der Krise

9. Februar 2007: Der US-Hypothekenfinanzierer New Century Financial gerät ins Straucheln und meldet später Insolvenz an.

3. August: Der Hypothekenfinanzierer American Home Mortgage stoppt die Kreditvergabe und stellt später Konkursantrag.

16. August: Die größte US-Immobilienbank Countrywide Financial nimmt 11,5 Mrd. Dollar auf, um weitere Kredite zu finanzieren. Die Hypothekenbank First Magnus stellt ihre Geschäfte ein.

Oktober 2007: Bei der Citigroup bricht der Gewinn um 57 Prozent ein. Merrill Lynch muss über acht Mrd. Dollar abschreiben. Immer mehr amerikanische Spitzenbanker müssen ihren Hut nehmen.

15. Januar 2008: Die Citigroup macht im vierten Quartal rund 9,8 Mrd. Dollar Verlust und muss 18 Mrd. Dollar abschreiben. Merrill Lynch büßt 2007 netto 8,05 Mrd. Dollar ein.

29. Januar: Das FBI ermittelt im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise gegen 14 Unternehmen wegen Verdachts auf Betrugs oder Insiderhandels.

16. März: JP Morgan Chase übernimmt die Traditionsbank Bear Stearns mit Hilfe der US-Notenbank. Bear Stearns wird so vor dem Zusammenbruch gerettet.

10. Juli: Einer der größten Banken-Crashs in der US-Geschichte: Der Baufinanzierer IndyMac wird geschlossen. Der US-Senat beschließt ein Gesetz, das verschuldeten Hausbesitzern Entlastung verspricht.

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