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Bilanzcheck Dax im Stresstest

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Kaum Abschreibungen

Operativer Mittelzufluss von VW

Eine merkwürdige Bilanzpolitik verfolgen alle 30 Dax-Unternehmen bei der Bilanzierung von Prämien, die sie bei Übernahmen auf den Tisch gelegt hatten. Über Jahre unterstellten die Regelvorgaben, dass diese Prämien irgendwann schrumpfen – so wie der Wert eines Fuhrparks oder von Maschinen.  Bis 2004 mussten die Unternehmen ihre Übernahmeprämien (sogenannte Firmenwerte, im Bilanzjargon Goodwill) Jahr für Jahr abwerten. Diese Abwertungen drückten sowohl den Gewinn als auch das Eigenkapital. Im Durchschnitt unterstellten die Dax-Unternehmen früher eine Nutzungsdauer für ihre Firmenwerte von 8,6 Jahren – sie schrieben jährlich 11,7 Prozent auf ihren Goodwill ab. Das zeigt erstmals eine Exklusivanalyse, die die Universität St. Gallen für die WirtschaftsWoche angefertigt hat. Nach knapp neun Jahren wären also die Dax-30-Bilanzen frei von Firmenwerten gewesen, neue Übernahmen außen vor gelassen. Seit knapp sechs Jahren dürfen jedoch alle Unternehmen auf die regelmäßige Abwertung verzichten. Statt regelmäßig abzuschreiben, so sehen es die Bilanzregeln seither vor, müssen die Unternehmen in einem komplexen Verfahren einmal im Jahr prüfen, ob ihr Goodwill noch werthaltig ist oder nicht – im Bilanzkauderwelsch Impairment Test genannt.

Einzeln unter der Lupe

Dabei klopfen Telekom, Fresenius & Co. den Goodwill nicht in einem Rutsch ab, sondern nehmen einzelne Geschäftseinheiten unter die Lupe – etwa das US-Geschäft, die Töchter in Großbritannien oder auf dem Balkan. Zeigt sich bei einer Geschäftseinheit, dass die ursprünglich angesetzten Annahmen für Ertrag, Cash-Flow oder Kapitalkosten zu optimistisch waren, muss eine Abwertung erfolgen. Theoretisch zumindest.

In der Praxis greifen Unternehmen regelmäßig in die Trickkiste, sobald sich bei einer Geschäftseinheit ein Abschreibungsbedarf zeigt. Ein beliebter Trick ist, eine schlecht laufende Geschäftseinheit mit einer gut laufenden zusammenzufassen: beispielsweise das schwache Mobilfunkgeschäft in Kroatien mit dem boomenden in Slowenien.  Oder Unternehmen kaufen in die schwache Geschäftseinheit neue Lizenzen hinein und setzen deren künftige Erträge äußerst hoch an, um die aktuelle Schwäche der Geschäftseinheit zu übertünchen. Selbst Bilanzexperten haben keine Chance, die Goodwill-Politik nachzuvollziehen. Denn die Geschäftseinheiten werden nicht in der Bilanz aufgeführt, sie unterscheiden sich in der Regel deutlich von den Segmenten, die die Unternehmen in ihren Geschäftsberichten glänzend präsentieren.  Nach Andeutungen von Siemens-Finanzchef Joe Kaeser rechnen die Märkte mit einer kräftigen Abwertung der Medizintechnik, die Siemens in den vergangenen Jahren für elf Milliarden Euro zusammengekauft hatte und auf der allein ein bisher so gut wie nicht abgewerteter Goodwill von 5,5 Milliarden Euro liegt. Analysten erwarten eine massive Abschreibung auf nur noch 3,5 bis 4,5 Milliarden. Die Siemens-Aktie verlor nach der Veröffentlichung dieser Analysteneinschätzung am 1. Juli prompt drei Prozent.

Auf Schocks einstellen

Auf solche Schocks müssen sich Anleger mehr denn je einstellen. Das zeigen die alles andere als beruhigenden Ergebnisse der St. Gallen-Analyse zur Abschreibungspolitik der Dax-30-Unternehmen der vergangenen Jahre. Seit 2005 schreiben sie im Durchschnitt nur noch 1,5 Prozent auf ihre Firmenwerte ab – trotz Weltwirtschaftskrise. Sie unterstellen damit, 65 Jahre lang Erträge aus ihren Übernahmen zu ziehen. Doch kaum ein Maschinenpark oder ein Automobil läuft 65 Jahre rund, ebenso erweisen sich regelmäßig zwei Drittel aller Übernahmen bestenfalls als Flop; oft enden sie als schlagzeilenträchtiges Debakel, man denke nur an Daimler und Chrysler, BMW und Rover oder den am Ende kläglich gescheiterten Versuch von Porsche, den VW-Konzern zu schlucken.

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