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Bilanzierung der Banken Kein Ausdruck echter Bankiers-Leistung

Die Bilanzregeln für Finanzdienstleister sollen geändert werden, mal wieder. Der Aufschrei der Branche lenkt vom eigentlichen Problem ab: Die Banken haben zu wenig Kapital.

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Es gab mal eine schöne Zeit, da stiegen die Aktien- und Anleihekurse, die Preise der Rohstoffe schossen in die Höhe, und beinahe allen Unternehmen ging es – zumindest vordergründig – glänzend. Selbst die Jüngeren unter uns werden sich daran erinnern: Es waren die Sommer 2005 und 2006, ja auch noch das Frühjahr 2007. Die Banken schmissen mit Geld nur so um sich: Hier eine Milliarde in den Kupfermarkt, da mal ein 30-Milliarden-Kredit für ein Private-Equity-Geschäft.

Die Kurszuwächse durften die Banken dann noch netterweise in ein höheres Eigenkapital ummünzen. Schließlich galt die Methode der Marktbewertung, im Fachchinesisch Fair -Value. Blöderweise zeigte sich mit den ersten Sommergewittern 2007, dass viele dieser Zuwächse und damit große Teile des Bankeneigenkapitals nur auf dem Papier standen. Hilfesuchend forderten die Banker, nun diese so lange äußerst hilfreiche Marktbewertung auszusetzen, um Kapital in den -Bilanzen zu retten, das möglicherweise in der Realität gar nicht mehr existiert. Die US--Bilanzregelsetzer kamen diesem Wunsch eiligst nach, diese -Woche nun hat das europäische Pendant seine Vorschläge vorgelegt.

Wasch mich, aber mach mich nicht nass

Die schmecken der Finanzbranche aber gar nicht. Die Regeln sollen zwar einfacher werden. An dem Grundsatz, Papiere ohne fixe Einnahmen nach dem derzeitigen Wert zu bilanzieren, wollen die in London ansässigen Regulatoren aber nicht rütteln. Der Bankenverband nennt das „nicht sachgerecht“. Am besten solle „das jeweilige Geschäftsmodell der einzelnen Banken maßgeblich sein, um Finanzinstrumente zu bewerten“, ließ Hans-Joachim Massenberg, stellvertretender Cheflobbyist des Bankenverbandes, verlauten.

Bilanzierung nach Geschäftsmodell also, nicht nach Regeln. Das wäre so, als wenn jeder Autofahrer seinen Pkw so schnell durch die Stadt bewegen dürfte, wie der Motor es hergibt – je nach Modell eben.

Die Diskussion lenkt aber vom eigentlichen Problem ab. Da die Finanzbranche in guten Zeiten mit ihrem papierenen Eigenkapital lieber gezockt und große Teile der Einnahmen als Boni ausgeschüttet hat, statt für schlechte Zeiten vorzusorgen und das Kapital mit echten Gewinnen zu stärken, fehlt es ihr heute am Fundament. Schleunigst müssten die Banken also ihr Kapital deutlich erhöhen. Gelingt das nicht am Markt, sollte ein Großteil der Erträge ins Eigenkapital wandern statt auf die Boni-Konten. Dabei sollten die Kapitalquoten für die riskanten, marktnahen Geschäfte auf wenigstens 25 Prozent steigen. Das würde zwar die Eigenkapitalrendite deutlich drücken. Doch die ist eh mehr Maßstab für Zockerei als Ausdruck echter Bankiers-Leistung.

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