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Börsenexperte Uwe Lang "43 Prozent beim Dax wären drin"

Börsenexperte Uwe Lang hält den Dax für massiv unterbewertet und empfiehlt Turn-around-Werte mit niedrigem Kurs-Umsatz-Verhältnis. Aber auch die Anleihezinsen sollten Anleger im Blick behalten.

Uwe Lang

Herr Lang, sollten Anleger jetzt Aktien kaufen?

Unbedingt! Ende September, Anfang Oktober ist ein guter Zeitpunkt zum Einstieg. Das lehren uns historische Kursmuster. Und Aktien, speziell Dax-Werte, sind derzeit deutlich unterbewertet. Normalerweise müsste der Dax heute über 7000 Punkten stehen.

Wie kommen Sie darauf?

Ich berechne das langfristige Wachstum des Dax. Wenn der Dax gleichmäßig steigen würde und alle kurzfristigen Schwankungen eliminiert wären, dann könnte man eine Linie ziehen, die heute zwischen 7000 und 8000 Punkten liegen müsste. Außerdem sind die Dax-Werte mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis, kurz KUV, von derzeit 0,7 nur moderat bewertet. Käme der Dax wieder auf 1,0, so wie 2000 und 2007, dann wären 43 Prozent Luft nach oben drin.

Eine Linie, ein günstiges KUV – und allein daraus schließen Sie, dass die Kurse steigen müssen?

Ich habe noch mehr Argumente: Die Anleihezinsen sinken, die Rohstoffpreise steigen nicht übermäßig, der Dollar ist fest. Sind die Zinsen niedrig, können sich Unternehmen besser finanzieren, zudem sind Alternativen zu Aktien unattraktiv. Ein fester Dollar fördert die Exporte, kalkulierbare Rohstoffpreise helfen den Unternehmen ebenso. Ein Alarmsignal wäre es allerdings, wenn die Anleihezinsen unter die Geldmarktzinsen fallen würden. Wenn für langfristige Anlagen weniger Zinsen gezahlt werden als für kurzfristige, der Markt also fallende Zinsen erwartet, kündigt das eine Rezession an; wie 2007 und 2008.

Perfektes Timing ist an der Börse doch unmöglich. Besser ist, konstant zu investieren...

...sagen hauptsächlich Universitätsprofessoren. Doch deren These ist glatt zu widerlegen. Man muss sich nur die Kursverläufe der vergangenen 15 Jahre anschauen, um zu erkennen, dass Investitionen am Aktienmarkt manchmal einfach Unsinn sind. Anleger sind stimmungsgetrieben. Wenn die Kurse oben sind, sind sie mutig. Aktuell sind viele eher pessimistisch – ein gutes Zeichen für den Aktienmarkt.

Wie finden Anleger die richtigen Aktien?

Zwei Kriterien entscheiden: die relative Stärke einer Aktie und das KUV. Eine günstige Aktie hat ein KUV von unter 1,0. Bei der relativen Stärke sucht ein Anleger die Papiere, die in den letzten zwölf Monaten besonders beliebt waren. Starke Aktien erkennt man daran, dass sie in der Nähe ihres Jahreshöchstkurses stehen. Anleger sollten nicht den Fehler begehen, Titel auszuwählen, die in der Nähe ihres Jahrestiefstkurses stehen. Das sind die schwachen Aktien.

Sind die starken Aktien nicht alle schon gut gelaufen?

Sie können noch viel weiter steigen, und sie sind ja nicht teuer. Man erkennt solche Aktien auch daran, dass sie in der Baisse nicht so stark gefallen sind wie andere. Viele Insider verkaufen diese Aktien nicht, sondern kaufen noch zu.

Aktien von BASF sind Quelle: obs

Auf welche Werte trifft das zu?

Autowerte, Maschinenbauer und Elektroniktitel sind ganz gut im Rennen und im Vergleich zum Umsatz immer noch niedrig bewertet. Meiden würde ich teure Aktien wie etwa SAP mit traditionell sehr hohem KUV oder Pharmawerte. Aktuell sollte man ruhig auf Werte gehen, die stark von der Konjunktur abhängen. Meine Favoriten im Dax sind MAN, Siemens und BASF.

Warum verfolgen Banken Ihren Ansatz nicht, dessen Erfolg der US-Investor James O’Shaughnessy schon vor Jahren nachgewiesen hat?

Das machen sie. Die Frage ist eher, ob sie das auch immer so veröffentlichen. Gerade in der Vermögensverwaltung ist es besser, einfach zu handeln und Handeln erst publik zu machen, wenn man wieder aussteigen möchte. Das traue ich den Banken durchaus zu. Die Kennzahl KUV wird allerdings noch unterschätzt.

Stattdessen benutzen Analysten das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV.

Das KGV ist abhängig von dem, was ein geschickter Bilanzbuchhalter in seinem Unternehmen am Gewinn manipulieren kann, und deshalb nicht sehr aussagekräftig. Man sollte, wenn überhaupt, das Durchschnitts-KGV der letzten fünf Jahre betrachten. Und eine Aktie daran messen, ob der Wert derzeit darüber oder darunter liegt.

Machen Anleger, die aufs KGV setzen, einen Fehler?

Ja! Ich würde im Gegenteil sogar Unternehmen bevorzugen, die keine Gewinne schreiben, die aber vom KUV her spottbillig sind und gerade vor einem Turn-around stehen. Diese erkennt man daran, dass ein KGV entweder ganz hoch oder überhaupt nicht errechenbar ist und die relative Stärke sehr gut ist. Eine dieser Aktien ist der deutsche Autozulieferer Grammer.

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