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Büro Hilfe, mein Chef spinnt

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Chef-Bashing geht immer und Quelle: Benjamin Nolte dpa/lno

Erst vor wenigen Monaten veröffentlichte der britische Psychologe und Journalist Jon Ronson "The Psychopath Test". Der Schweizer Psychiater Gerhard Dammann schrieb über "Narzissten, Egomanen, Psychopathen in der Führungsetage", die Amerikaner Hare und Babiak nannten ihr Buch "Menschenschinder oder Manager: Psychopathen bei der Arbeit".

Keine Frage, Chefs haben es per se nicht leicht. Nichts hasst der Mensch so sehr, wie seine persönliche Freiheit beschnitten zu bekommen – aber genau das tun Personalverantwortliche tagtäglich. Qua Position können sie Autonomie einschränken, indem sie Aufträge erteilen und entziehen oder Positionen nach Gutdünken besetzen. Chefs polarisieren von Natur aus.

Arbeit im Irrenhaus

Dementsprechend boomen Bücher über verrückte Vorgesetzte. Unter dem Pseudonym Katharina Münk schrieb eine Vorstandssekretärin vor einigen Jahren über ihren Vorgesetzten. Der vielsagende Titel: "Und morgen bringe ich ihn um".

Der durchaus seriöse Stanford-Professor Robert Sutton nannte sein Buch über den geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen "Arschloch-Faktor", der deutsche Karriereautor Martin Wehrle erklimmt derzeit mit seinem Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" die Bestsellercharts.

Chef-Bashing geht immer – und trifft einen Nerv. Einer von drei Arbeitnehmern hält seinen Vorgesetzten zumindest in einigen Punkten für inkompetent, ergab erst kürzlich eine weltweite Umfrage der Online-Stellenbörse Monster. 67 Prozent der weltweit knapp 10 000 Befragten waren davon überzeugt, dass sie dessen Job besser machen könnten.

Wenn sie sich da mal nicht täuschen.

Die Gründe, warum jemand als schlechter Chef gilt, sind so vielschichtig wie eine Zwiebel. Vielleicht bekommt der Vorgesetzte aktuell bloß Druck von oben und gibt diesen an seine Mitarbeiter weiter. Oder er wurde gerade befördert, ist nun heillos überfordert und lässt das an seinen Mitarbeitern aus.

Keine Frage, all das ist nicht professionell oder vorbildlich. Wahnsinnige Chefs sind jedoch schlimmer. Sie sind egomanisch, launisch, diktatorisch, größenwahnsinnig, erratisch oder narzisstisch. Schlimmstenfalls alles auf einmal.

Solche psychopathischen Vorgesetzten erwarten Mitgefühl für ihre eigene Situation, sind Mitarbeitern gegenüber aber gnadenlos. Sie denken hauptsächlich an ihre eigenen Interessen und erst dann an die ihrer Angestellten. Wenn überhaupt. Ohne Feinde funktionieren sie nicht – und sollte gerade keiner existieren, schaffen sie sich eben künstlich welche.

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