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Büro Hilfe, mein Chef spinnt

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Larry Ellison, Gründer von Quelle: rtr/K.C. Alfred

Als etwa Oracle-Gründer Larry Ellison, ein passionierter Segler, vor einigen Jahren eine wichtige Regatta mit großem Abstand gewonnen hatte, hielt er sich gar nicht lange mit Feiern auf. Stattdessen fuhr er zum Flughafen, kletterte in seinen Kampfjet und donnerte über die Köpfe der anderen Segler hinweg. "Es war eine dieser wunderbar unreifen Taten, die man nicht missen möchte", sagte er hinterher.

Die Wahrheit ist aber auch: Solche Eigenarten wirken sich bei weniger prominenten Managern problematischer aus. Früher oder später führt die Melange aus psychopathischen Neigungen und Machtfülle ins Verderben – und die Opfer sind Freunde, Verwandte, Untergebene.

Die Autorin Susanne Reinker schätzte in ihrem Buch "Rache am Chef", dass miese Vorgesetzte pro Jahr mehr als 200 Milliarden Euro vernichten – weil deren Mitarbeiter faul und antriebslos sind, keine emotionale Bindung zum Arbeitgeber mehr haben, bestenfalls nur noch Dienst nach Vorschrift leisten und schlimmstenfalls den ganzen Laden sabotieren.

Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen gar nicht zulassen, dass solche schrägen Charaktere an die Macht kommen.

Gerhard Roth beispielsweise verlässt sein Büro seit einigen Jahren häufiger und hilft Arbeitgebern bei der Auswahl geeigneter Führungspersönlichkeiten. Er ist davon überzeugt, dass Tiefeninterviews zum Standard gehören sollten, bevor jemandem die Leitung einer Abteilung oder gar eines Unternehmens anvertraut wird.

Doch längst nicht jeder Arbeitgeber ist dazu bereit. In vielen Unternehmen entscheiden Chefs oder Personaler allzu vorschnell über Beförderungen – ohne sich Gedanken darüber zu machen, welchen Charakter sie da eigentlich in eine Managementposition hieven.

Enorm raffiniert

Wer solche Methoden immer noch für unnötig hält, sollte vor einer Beförderung zumindest so viel Feedback wie möglich einholen – und zwar sowohl von den Untergebenen des Kandidaten als auch von dessen direkten Vorgesetzten. Wenn nötig, anonym.

Gleichwohl sind Menschen mit psychopathischen Neigungen oft enorm raffiniert und intelligent, sodass sie ihre Mitmenschen rhetorisch um den Finger wickeln: "Fett schwimmt immer oben", sagt auch der US-Forscher Paul Babiak. Sein Kollege Robert Hare hält es für "enorm wahrscheinlich", dass jeder von uns früher oder später Kontakt mit einem Psychopathen hat. Und darauf sollten Angestellte vorbereitet sein. Je früher, desto besser.

Einerseits müssen sie ihre eigenen Erwartungen an den eventuell psychopathischen Chef senken – denn rationale und durchdachte Entscheidungen sind von ihm nicht zu erwarten. Weder strategischer noch operativer oder personeller Natur. Außerdem sollten sie nichts auf sich beziehen – da die meisten Verhaltensauffälligen völlig unkalkuliert und erratisch handeln.

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