WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Business Plan Mischtee vom Existenzgründer

Nicht immer ist eine Idee ganz neu: allmyTea.de bietet seinen Kunden individuelle Teemischungen übers Internet an. Damit dieser Ansatz zum Erfolg führt, plant allmyTea-Gründer Andreas Unger ganz genau – vom Lieferanten bis zur Einnahmenprognose für die nächsten drei Jahre. Dieser Business Plan ist das wichtigste Dokument der Existenzgründung. wiwo.de verrät Tipps rund um die Erstellung.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
allmyTea.de bietet individuellen Mischtee

Vor knapp einem Jahr hatte der Softwareentwickler Andreas Unger ein Problem: Vom Weihnachtsmarkt sollte er seiner Frau Weihnachtstee mitbringen. „Aber ohne Zimt“, sagte sie, „den mag ich nicht.“

Unger fand zwar Weihnachtstee in Hülle und Fülle – aber alle enthielten Zimt. „Den muss ich dir dann schon zusammen mischen“, sagte Unger halb im Scherz. Und aus diesem Scherz entstand eine Idee: Ein Internetshop, in dem Tee nach individuellen Wünschen gemischt wird.

Nach der Idee begann die Arbeit: Unger machte sich selbstständig und dann arbeitete er zunächst wochenlang an seinem Wirtschaftsplan. Viele Fragen musste der Existenzgründer konkretisieren: wer sind die Lieferanten, wer gehört zum Team – und wie mischt man Tee? „Parallel dazu habe ich mein Team zusammengestellt und Bereiche abgedeckt, die ich selbst nicht kann“, erklärt der Softwareentwickler. Der Wirtschaftsplan enthält neben der Gründungsidee unter anderem auch eine Marketinganalyse und eine ausführliche Vorausplanung der kommenden drei Jahre.

„Der Business Plan ist ein guter Weg, die Gedanken zu strukturieren“, erläutert auch Steffen Schwarz, Professor für Existenzgründung und Mittelstandsmanagement. „Deshalb sollte das auch jeder Existenzgründer an den Anfang stellen, selbst für die Neugründung einer Imbissbude ist das hilfreich.“ Drei bis sechs Monate, schätzt der Experte, dauert die Erstellung. Ein Stolperstein ist da häufig die Marktanalyse.

Schwerpunkt: Marktanalyse

„Je neuer die Idee“, sagt Schwarz, „desto schwieriger ist die Marktanalyse.“ Für allmyTea.de gab es einen wichtigen Vergleich: eine Website, die das gleiche Geschäftsmodell mit Müsli anbietet. Über dieses Unternehmen wurde viel berichtet, auch über den Umsatz gab es so recht konkrete Angaben – im mittleren sechsstelligen Bereich soll der liegen. Die Grundidee zum Teemischen ist also nicht neu. „Hierdurch konnte ich zumindest gut abschätzen, wie das Geschäft laufen könnte“, beschreibt Unger. „Natürlich gibt es dann in Bezug auf das Produkt noch viele Unterschiede, ich habe auch einige Abschläge berücksichtigt.“ Eine Marktanalyse stützt sich auf möglichst viele Informationsquellen. Verwendet werden hier Studien von Branchenverbänden, aber auch Daten, die über Wettbewerber vorhanden sind. Die Marktanalyse dient auch dazu, das eigene Produkt gegenüber den Wettbewerbern abzugrenzen. Je neuer eine Idee ist, desto schwieriger ist es zwangsläufig, konkrete Umsatzprognosen aufzustellen.

Und natürlich ist allmyTea.de auch nicht der einzige Nachahmer. Kaffee, Schokolade und sogar Parfüm – all diese Produkte werden bereits oder in Kürze von anderen Anbietern individuell zusammengemischt.  „Customisation“ nennt das der Fachmann: Eine Idee wird auf unterschiedliche Produktfelder angepasst. Die Marktanalyse ist die Grundvoraussetzung dafür, ob Partner und Kreditgeber überzeugt werden können. Denn darauf basieren die Annahmen über die Umsätze der kommenden Monate.

Und diese Umsätze sind dann Bestandteil des Finanzteils im Business-Plan: „Gerade Nicht-Kaufmännern fällt die Liquiditätsvorausschau schwer“, skizziert Schwarz. Sie beschreibt, wie viel Geld dann zum jeweiligen Monatsende tatsächlich auf dem Konto ist. Sprich: Hier spielt auch die Zahlungsmoral der Kunden eine Rolle. Und außerdem müssen Unternehmen zum Start erstmal investieren, was oft zu Lücken führt. Die zweite wichtige Vorschau ist die Rentabilitätsberechnung. Hier listet der Gründer auf, wie viele Einnahmen er im Monat erarbeiten kann.

Jeder Gründer hat Stärken und Schwächen

Im Business Plan sollten beide Prognosen für die kommenden drei Jahre vorgenommen werden. Andreas Unger nutzt gerade diese Planung auch zur Kontrolle: „Hier zeigt sich nach dem Start, ob die Annahmen tatsächlich richtig waren.“

Für allmyTea.de scheint alles zu stimmen, bereits im Dezember will der Gründer den so genannten Break Even erreicht haben: Das ist der Zeitpunkt, ab dem die laufenden Ausgaben durch die laufenden Einnahmen gedeckt sind. Zweite Richtgröße in dieser Vorschau ist der „Return of Investment“, kurz ROI.. Dieses Datum beschreibt den Zeitpunkt, zu dem die Anfangsinvestitionskosten komplett durch den laufenden Geschäftsbetrieb wieder eingefahren wurden.

Die Liquiditäts- und Rentabilitätsvorschau sollte für drei Jahre geführt werden – für Finanzexperten ist vor allem die Logik der Zahlen wichtig. „Unternehmen sollten es schaffen, nach etwa drei Jahren in den schwarzen Zahlen zu sein“, kommentiert Schwarz.

Doch selbst Gründer, die Markanalyse und Finanzvorschau meistern, haben noch einige Stolpersteine vor sich. Denn wie so oft liegt die Tücke im Detail. Jeder Gründer bringt gewisse Kernfähigkeiten mit, „niemand ist in allen Bereichen perfekt“, sagt Schwarz. Entsprechend fallen Gründern unterschiedliche Bereiche des Business Plan schwer. Weitere wichtige Bereiche des Business Plans sind eine ausführliche Investitionsplanung, Begründung für die Unternehmensform, eine ehrliche Stärken- und Schwächenanalyse und dementsprechend auch die Zusammenstellung eines geeigneten Teams, um eigene Schwächen auszugleichen.

„Eine Beratung ist deshalb sehr sinnvoll“, so der Experte. Diese bieten zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern oder spezielle Beratungsstellen der Kommunen an. Die Beratung wird recht üppig gefördert: Das KfW-Gründercoaching bezahlt so 50 bis 75 Prozent der Coach-Honorare bei Gesamtkosten bis zu 6.000 Euro. Ein ähnliches Programm bietet die BAFA.

Der Business Plan dient letztendlich auch dazu, potenzielle Partner und Kreditgeber zu überzeugen. Die reagieren oft weit weniger euphorisch auf eine Unternehmensidee als der Gründer selbst. Andreas Unger hat für allmyTea.de eine Bank gefunden, zwei Partner haben sich mit Minderheitsanteilen an seiner GmbH beteiligt. Insgesamt hat es über ein halbes Jahr gedauert, bis dann die Website gestartet ist, sie ist seit Anfang Juli online.

Wenn Andreas Unger also dieses Jahr über den Weihnachtsmarkt läuft, dann braucht er sich um Weihnachtstee ohne Zimt nicht zu sorgen. Den bekommt seine Frau jetzt direkt bei ihm im Internetshop. Dieses Jahr tritt er zu Weihnachten selbst als Teeverkäufer auf, besetzt er eine Verkaufslücke im Internet und kann nebenbei voll vom Geschenkgeschäft profitieren.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%