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Chronik Finanzkrise: Vom Immobilienboom zum Börsen-Crash

Seite 8/23

Die Zwillingstürme der Quelle: ASSOCIATED PRESS

April 2008: Ernüchternde Zahlen und personelle Konsequenzen

Die desolate Situation der BayernLB und der Rücktritt der Vorstandssprecherin der staatlichen KfW-Bank Ingrid Matthäus-Maier beherrschen Anfang April die Schlagzeilen rund um die Finanz- und Bankenkrise.

3. April: Das war ein schwarzer Donnerstag für die BayernLB. Zunächst feuert die BayernLB nach Vorstandschef Werner Schmidt nun auch ihren obersten Risikokontrolleur. Und dann muss die Landesbank auf ihrer Bilanzpressekonferenz auch noch über doppelt so hohe Abschreibungen verkünden, wie ursprünglich behauptet. Über 4,3 Milliarden Euro zahlt das Institut vermutlich für die anhaltende Finanzkrise. Und diese Summe wird prompt zum Politikum. Noch am gleichen Tag setzt der bayerische Landestag einen Untersuchungsausschuss ein - und Erwin Huber, CSU-Chef und Finanzminister, muss sich zusammen mit Ministerpräsident Günther Beckstein zusätzlich mühsam dementierten Putschgerüchte aus den eigenen Reihen stellen.

7. April: Ingrid Matthäus-Maier (SPD) nimmt nach anhaltender Kritik auch aus den eigenen Reihen den Hut als Vorstandssprecherin der staatlichen KfW-Bank. Offiziell begründet sie dies zunächst mit gesundheitlichen Gründen. Sie muss damit aber vor allem die Konsequenz aus dem Beinahe-Kollaps der IKB Mittelstandsbank, für die die KfW-Bank als Mehrheitseigner mit etwa sechs Milliarden Euro in die Bresche springen muss, tragen.

16. April: Übernahmegerüchte fördern die angeschlagene Hypo Real Estate. Eine Investorengruppe um den US-Finanzinvestor J.C. Flowers plant angeblich die Gunst der Stunde zu nutzen und somit einen milliardenschweren Einstieg bei dem Immobilienfinanzierer. Der Aktienkurs des durch die Finanzkrise arg gebeutelten Instituts stieg daraufhin.

Derweil macht es die Deutsche Bank der Citibank nach und verkauft angeblich rund fünf Milliarden Dollar an Krediten zur Übernahmefinanzierung an zwei Beteiligungsgesellschaften in den USA. Die Kreditpakete gelten derzeit als nahezu unverkäuflich und gehen deshalb nur mit hohen Abschlägen auf den Norminalwert über den Tisch, bei der Citibank belief sich dieser Abschlag auf zehn Prozent. Die Deutsche Bank möchte dadurch den möglichen weiteren Abschreibungsbedarf vermindern.

17. April: Bei der weltgrößten Investmentbank Merrill Lynch gibt es weitere Horrornachrichten. Noch einmal muss die US-Bank für das erste Quartal 2008 sechs Milliarden US-Dollar abschreiben. Insgesamt stiegen die Verluste des Instituts durch die Finanzmarktkrise auf vermutlich 24 Milliarden US-Dollar, die Bank schrieb dadurch rote Zahlen. Kostensenkungen sind so das Gebot der Stunde, 4000 der weltweit 63.000 Jobs werden gestrichen.

18. April: Neue Eingeständnisse bei der Citibank. Die US-Großbank muss einen Quartalsverlust von 5,1 Milliarden Dollar eingestehen - das zweite dicke Minus in Folge. Reaktion: Zehntausende Stellen und die Randaktivitäten stehen auf der Kippe.

22. April: Und auch die Royal Bank of Scotland (RBS) hat Abschreibungen von bis zu 5,9 Milliarden Pfund (etwa 7,4 Milliarden Euro) angekündigt. Sie plant nun eine Kapitalerhöhung von zwölf Milliarden Pfund.

23. April: Die IKB-Bank bietet in diesen Tagen zwiegespaltene Nachrichten. Zum einen bestätigt die Finanzaufsicht BaFin Anhaltspunkte für Insiderhandel mit Aktien im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Positiv hingegen: Die Düsseldorfer Bank erwartet für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2007/2008 einen deutlich niedrigeren Verlust als bisher vorhergesagt.

24. April: Die Analysten prophezeien - die Deutsche Bank hat wegen der weltweiten Finanzkrise wohl den miserabelsten Start in ein Geschäftsjahr seit langem hingelegt. Erstmals seit fünf Jahren könnte unter dem Strich sogar ein Quartalsverlust stehen. Die Folgetage werden zeigen, ob die düsteren Prognosen Realität werden.

29. April: Die Prophezeiung wird bittere Realität. Die Deutsche Bank rutscht in die roten Zahlen, das erste Mal seit fünf Jahren. 141 Millionen Euro an Nettoverlust muss sie ausweisen, mit fünf Milliarden Euro an Belastungen schlagen die letzten zehn Monate der Finanzkrise insgesamt zu Buche.

Derweil scheinen sich mehrere Interessenten um die Bücher der angeschlagenen IKB-Mittelstandsbank zu scharren. Nach Aussage ihres Chefs würden neun Investoren diese derzeit begutachten, bis Mitte Mai müssen verbindliche Offerten vorgelegt werden. Bei der Erläuterung testierter Geschäftszahlen räumt die Bank unterm Strich einen Verlust von einer Milliarde Euro durch die Finanzkrise ein.

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