Chronik Finanzkrise: Vom Immobilienboom zum Börsen-Crash

Am Anfang standen faule Immobilienkredite in den USA. Inzwischen erfasst die Finanzkrise nach den Banken auch andere Branchen - und die ersten Staaten stehen vor der Pleite. Die Gefahr der Rezession wächst. Eine Chronik der Krise.

Die Krise auf dem so genannten Quelle: AP

Mitte 2000: Die US-Immobilienmärkte boomen

Der Ursprung der Finanzkrise liegt viele Jahre zurück und beginnt mit den US-Immobilien. In großem Umfang kaufen sich seit dem Jahr 2000 Amerikaner mit geringer Bonität Eigenheime und finanzieren diese mit zinsgünstigen, aber auch zinsflexiblen, Darlehen.

Üblicherweise ganz ohne Eigenkapital. Dies führt zu einem Kreislauf: Der Wert der Immobilien in den Boomgebieten steigt stark. Über diesen gesteigerten Wert nehmen sich die Immobilienbesitzer erneut einen Kredit, um sich Konsumwünsche zu erfüllen.

Solange der Wert der Immobilien steigt und die Zinsen stabil bleiben, kann sich dieser Kreislauf ungehindert weiterentwickeln. Der so genannte Subprime-Markt, früher nur ein recht kleiner Bereich in der Immobilienfinanzierung, vervielfacht sein Volumen innerhalb von wenigen Jahren.

Finanzvertrieb buhlt um Subprime-Bürger

US-Hypothekenfinanzierer wie etwa Newl Century Financial schicken ihre Vertriebsleute zu den einkommensschwachen „Subprime“-Bürgern und bringen immer mehr Kredite unter das US-Volk. Und sie fahren damit hohe Zinsgewinne ein.

Zinsgewinne, von denen beispielsweise deutsche Banken wegen des margenschwachen und hart umkämpften Inlandsgeschäfts nur träumen können, aber nicht wollen: Sie kaufen deshalb über ihre Töchter oder Fondsgesellschaften von Investmentbanken meist indirekt die Pfandbriefe dieses Sektors.

Indirekt deshalb, weil die Pfandbriefe in so genannten ABS gebildet werden – englisch für asset-backed security, forderungsbesichertes Wertpapiere. Daraus wiederum bildeten sie Fonds in Verbindung mit anders besicherten Krediten, die so genannten Collateralized Dept Obligations (CDO).

Europas größte Bank HSBC Quelle: AP

Februar 2007: Erste Zahlungsausfälle bei Hypothekenkrediten

Vermehrte Zahlungsausfälle bei Hypothekenkrediten in den USA lenken die Aufmerksamkeit auf diese spezielle Art der Subprime-Darlehen, die im Laufe der Jahre zu Hunderttausenden an nichtsolvente Hausbauer und -besitzer vergeben wurden.

Finanzpapiere, die von Bankkonzernen unter Einbeziehung solcher Darlehen emittiert und gehandelt werden, verlieren schlagartig an Wert. Die sogenannte Subprime-Krise beginnt.

April 2007: Erste Opfer in den USA

Die US-Immobilienkrise fordert ihr erstes prominentes Opfer. Der US-Hypothekenfinanzierer  New Century Financial strauchelt und geht schließlich am 2. April 2007 mit einem ausgewiesenen Verlust von etwa 450 Millionen Dollar pleite. Die Bank hatte sich sehr stark auf den Sektor mit schlecht besicherten Immobilienkrediten in den USA spezialisiert. Noch hoffen die Finanzmärkte weltweit, dass die Krise sich auf dieses Marktsegment beschränkt.

Allerdings muss auch bereits am 8. Februar HSBC, Europas größte Bank, wegen ihres US-Hypothekengeschäfts, eine Gewinnwarnung ausgeben. Später schreibt sie 880 Millionen Dollar ab.

Ziemlich schnell stellt sich heraus, dass die Immobilienwerte selbst in ehemaligen Boomgebieten absacken, die US-Reihenhäuser stehen reihenweise leer. Damit platzen weitere Kredite, die im Vertrauen auf einen sicheren Wert des Eigenheims an deren Besitzer ausgezahlt wurden.

März 2007: US-Finanzminister Henry Paulson dämpft die Furcht vor einer Krise

Noch ist zumindest der US-Finanzminister Henry Paulson optimistisch. Der Rückgang der Hauspreise habe sich auf bestimmte Hypotheken ausgewirkt, sagte Paulson. „Es gibt Kreditprobleme, aber sie sind begrenzt.“

Die IKB Industriebank muss im Quelle: dpa

Juni 2007: Düsseldorfer IKB Industriebank knabbert an US-Krise

Im Zusammenhang mit Tranchen, die die Ratingagentur Moody's auf ihre Überprüfungsliste für eine Herabstufung gesetzt hat, sei die IKB „mit einem einstelligen Millionenbetrag betroffen“, teilte das Institut mit. Die Düsseldorfer IKB Industriebank räumt so als erstes deutsches Kreditinstitut Verluste infolge der Krise am US-Hypothekenmarkt ein.

Eine Woche später ist es schon eine Milliarde Euro. Die Hauptanteilseignerin, die staatliche KfW-Bank, stellt Liquidität im Volumen von 8,1 Milliarden Euro zur Verfügung. IKB-Chef Stefan Ortseifen tritt zurück. Der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, warnt vor der schwersten Bankenkrise seit 1931, sollte die IKB zusammenbrechen.

August 2007: Während die IKB von der Staatsbank KfW und der gesamten Bankenbranche vor der Insolvenz gerettet wird, geht die ebenfalls in Schieflage geratene SachsenLB an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Die Sparkassen müssen der SachsenLB am 17. August 2007 mit einer Kreditlinie von 17,3 Milliarden Euro zur Seite stehen. Diese geht am 26. August mit hohen Verlusten für das Land Sachsen als Notverkauf in den Besitz der LBBW über.

Mitte August: Notenbanken greifen ein

Mitte August 2007: Die Angst vor einer Finanzkrise zwingt weltweit die Notenbanken zum Eingreifen. Erstmals seit den Anschlägen in den USA im September 2001 pumpt die Europäische Zentralbank 95 Milliarden Euro in den Geldkreislauf – so viel wie nie zuvor in einer Krise -, um die Zinsen für Tagesgelder, mit denen sich die Geschäftsbanken kurzfristige Liquidität an den Finanzmärkten besorgen, zu drücken. Diese waren zuvor auf mehr als 4,6 Prozent nach oben geschnellt, weil die Banken nicht bereit waren, anderen Instituten zu günstigen Konditionen Geld zu leihen.

Erste Gerüchte um eine Verwicklung der Hypo Real Estate in die Subprime-Krise kursieren. Deren Aktien brechen zeitweise um mehr als sieben Prozent ein. Das Institut erklärt, keine negativen Auswirkungen zu erwarten.

Menschenschlangen vor der Quelle: AP

September 2007: Menschenschlangen vor britischer Bank

Wegen eines akuten Liquiditätsengpasses gerät der britische Baufinanzierer Northern Rock unter Druck. Zahlreiche Sparer stehen Schlange an den Filialen der Hypothekenbank, um ihre Gelder abzuheben. Die Bank of England springt mit einem Notfallkredit ein.

Die Bilanzen der Investmentbanken fallen gemischt aus. Während Goldman Sachs trotz Abschreibungen in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar eines der besten Quartale der Geschichte hinlegt und Lehman Brothers ebenfalls positiv überrascht, muss Bear Sterns wegen drastischer Einbußen im Anleihegeschäft einen 61-prozentigen Gewinnrückgang hinnehmen.

Morgan Stanley schreibt fast eine Milliarde Dollar ab und enttäuscht mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Für das vierte Quartal kündigt das Institut weitere Wertberichtigungen von mindestens 3,7 Milliarden Dollar an.

Oktober 2007:  Die Schweizer Großbank UBS kündigt wegen der Subprime-Krise den ersten Quartalsverlust seit neun Jahren an.  Vier Wochen später sagt sie nach Milliardenabschreibungen im dritten Vierteljahr weitere Belastungen für das vierte Quartal voraus. Die Schweizer Bank Credit Suisse stellt ebenfalls Belastungen wegen der Subprime-Krise in Aussicht.

Citigroup muss Milliarden abschreiben

Die größte US-Bank Citigroup kündigt einen Gewinneinbruch um etwa 60 Prozent im dritten Quartal an. Zwei Wochen später beziffert sie den Abschreibungsbedarf auf 6,5 Milliarden Dollar. Wiederum drei Wochen später muss das Institut im Zusammenhang mit dem Subprime-Engagement weitere elf Milliarden Dollar wertberichtigen. Citigroup-Chef Charles Prince nimmt seinen Hut.

Die Finanzkrise kostet die Deutsche Bank im dritten Quartal im Investmentbanking über zwei Milliarden Euro. Die Investmentbank Merrill Lynch stellt wegen Abschreibungen über 4,5 Milliarden Dollar den ersten Quartalsverlust seit sechs Jahren in Aussicht. Knapp drei Wochen später beziffert das Geldhaus die gesamten Wertberichtigungen auf mehr als acht Milliarden Dollar. Kurz danach muss Konzernchef Stan O'Neal gehen.

November 2007 Die Commerzbank beziffert die Abschreibungen auf das Subprime-Engagement mit 291 Millionen Euro – mehr als sechs Mal soviel wie im Sommer angekündigt.

Weitere Verluste bei deutschen Banken

Die Postbank, Deutschlands größte Filialbank, schreibt im Quartal 61 Millionen Euro auf indirekte Engagements am US-Hypothekenmarkt ab. Die Allianz-Tochter Dresdner Bank schreibt wegen der Krise unter dem Strich einen Quartalsverlust von 52 Millionen Euro. Auch die Landesbank LBBW gerät in den Sog der Finanzkrise.

Dezember 2007 Die wichtigsten Notenbanken kündigen Milliardenkredite für die Geldmärkte an. Das Land Sachsen sichert seine Landesbank in Milliardenhöhe ab. Medien berichten, die BayernLB müsse Abschreibungen von einer Milliarde Euro vornehmen. Die Landesbank dementiert die Berichte und betont, es gebe nur geringe Ausfallrisiken.

Der Dax spielt Achterbahn Quelle: dpa

Jahresanfang 2008: Achterbahnfahrt an den Börsen

Januar 2008: Die Börsen fahren Achterbahn. Immer weitere Abschreibung ernüchtern die Analysten, ein Ende der Finanzkrise ist nicht in Sicht. Erste Prognosen sehen ein Andauern der Krise bis weit in das Jahr 2009, gleichzeitig steigt die Angst vor einer US-Rezession und deren Auswirkungen auf den Rest der Welt.

Banken streiten ab, dass sich die Kreditvergabepraxis für Kredite in anderen Bereichen generell verschlechtern würde. Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, reagiert auf neue Horrormeldungen mit weiteren Zinssenkungen. Die Krise ist aber nicht zu stoppen.

Countrywide wird geschluckt

11. Januar 2008: Die US-Bank Countrywide wird für vier Milliarden Euro von der Bank of America übernommen und entgeht so der drohenden Pleite. Gleichzeitig weitet sich die Finanzkrise auf die Bond-Versicherer aus, die Garantien für die Zins- und Rückzahlungen von Anleihen bieten.

Die West-LB erhält von den Eigentümern – das Land NRW und die Sparkassenverbände - eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe. WestLB-Chef Alexander Stuhlmann (Anfang Dezember) „Die aktuelle Situation ist schwierig, wirft die WestLB aber nicht um.“

DAX stürzt massiv ab

Der deutsche Aktienindex Dax verzeichnet am 21. Januar den größten Kurseinbruch seit dem 11. September 2001. Die US-Notenbank senkt den Leitzins früher und deutlicher als erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht jedoch keine Gefahr für eine wirtschaftliche Talfahrt in Deutschland.

Die Hypo Real Estate räumt ein, wegen der Probleme am US-Hypothekenmarkt fast 400 Millionen Euro abschreiben zu müssen und deshalb die Ziele voraussichtlich nicht zu erreichen. Die Aktie stürzt ab.

Februar 2008: Die BayernLB legt Zahlen vor. Die Belastungen summieren sich auf 1,9 Milliarden Euro. Wenige Tage später räumt das Institut ein, vier Milliarden Euro in hochriskanten Subprime-Papieren investiert zu haben. Die bisherigen Wertkorrekturen sind nur bis Ende 2007 gerechnet. Am 19. Februar 2008 tritt BayernLB-Chef Schmidt zurück.

13. Februar 2008: Schon seit Januar belasten Gerüchte über weitere Milliardenabschreibungen bei der Mittelstandsbank IKB weiter den Wert. Am 13. Februar 2008 schießt der Bund eine weitere Milliarde nach.

Am 18. Februar 2008 kündigt der britische Finanzminister Alistair Darling eine vorübergehende Verstaatlichung der angeschlagenen Northern Rock mangels angemessener Kaufgebote an.

Der Glanz von Bear Stearns ist Quelle: AP

Frühjahr 2008: Fünftgrößte US-Bank wird gekauft

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, fordert ein Eingreifen der Politik, Finanzminister Peer Steinbrück pflichtet ihm bei: Die Märkte könnten die Finanzkrise nicht mehr alleine satteln. Im März lösen darüber hinaus vor allem der spektakuläre Niedergang von Bear Stearns und wider Erwartung gute Zahlen von Lehman Brothers ein Karussell der Emotionen aus.

17. März 2008: Bear Stearns bricht zusammen. Die Rekordsumme von 200 Milliarden Dollar musste die fünftgrößte US-Investmentbank bis zum vierten Quartal 2007 aufgrund der Finanzkrise abschreiben. Die US-Notenbank Fed war mit einer 20 Milliarden Dollar schweren Absicherung zur Hilfe geeilt.

Bear Steams wird für zunächst zwei Dollar je Aktie gekauft

Die US-Bank JP Morgan Chase hat dann am Wochenanfang für zwei Dollar je Aktie, also 236 Millionen Dollar, das Institut übernommen. Bear Stearns verlor damit übers Wochenende 93 Prozent seines Unternehmenswertes. Scharfe Kritik veranlasst  JP Morgan Chase später, doch das Fünffache pro Aktie zu bieten.

18. März 2008: Der US-Bank Lehman Brothers wurden Gerüchten zufolge ähnlich schräge Finanzierungsrisiken wie Bean Stearns nachgesagt, die Aktien verloren daraufhin tagelang massiv an Wert. Einen Tag nach der abgewendeten Firmenpleite von Bear Stearns beschreibt die viertgrößte US-Investmentbank zwar einen deutlichen Gewinneinbruch von 60 Prozent, blieb aber mit 294 Millionen Euro im Plus und über den Erwartungen.

Auch Goldman Sachs verbuchte unerwartet einen deutlichen Gewinn. Geschockt durch das Bear Stearns-Desaster fordern am gleichen Tag in seltener Eintracht Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann den starken Staat gegen die Finanzkrise.

IKB-Aufsichtsratsvorsitzende Quelle: AP

März 2008: IKB weiter in stürmischen Gewässern

Die IKB Industriebank strauchelt weiter unter den Belastungen aus der Finanzkrise. Für den Haupteigentümer, die staatliche KfW-Bank, entwickeln sich die Kreditgarantien immer mehr zu einem Fass ohne Boden. Ende März ging es dann entsprechend turbulent auf der Hauptversammlung zu.

20. März: Die IKB räumt einen deutlich höheren Verlust ein. Sie korrigiert die zuvor angenommenen 550 Millionen Euro auf nun 800 Millionen Euro.  Der Aktienkurs sackt daraufhin ein. Ein ehemals als sicher geltendes Papier wird vollends zum Spielball wettender Spekulationshaie.

27. März: Sichtbar nervös tritt der IKB-Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann auf der Hauptversammlung vor die Aktionäre. Kernbotschaft: Der Aufsichtsrat sei von der Krise völlig überrascht worden. Mit den Begründungen geben sich die aufgebrachten Aktionäre nur schwer zufrieden.

Die Zwillingstürme der Quelle: ASSOCIATED PRESS

April 2008: Ernüchternde Zahlen und personelle Konsequenzen

Die desolate Situation der BayernLB und der Rücktritt der Vorstandssprecherin der staatlichen KfW-Bank Ingrid Matthäus-Maier beherrschen Anfang April die Schlagzeilen rund um die Finanz- und Bankenkrise.

3. April: Das war ein schwarzer Donnerstag für die BayernLB. Zunächst feuert die BayernLB nach Vorstandschef Werner Schmidt nun auch ihren obersten Risikokontrolleur. Und dann muss die Landesbank auf ihrer Bilanzpressekonferenz auch noch über doppelt so hohe Abschreibungen verkünden, wie ursprünglich behauptet. Über 4,3 Milliarden Euro zahlt das Institut vermutlich für die anhaltende Finanzkrise. Und diese Summe wird prompt zum Politikum. Noch am gleichen Tag setzt der bayerische Landestag einen Untersuchungsausschuss ein - und Erwin Huber, CSU-Chef und Finanzminister, muss sich zusammen mit Ministerpräsident Günther Beckstein zusätzlich mühsam dementierten Putschgerüchte aus den eigenen Reihen stellen.

7. April: Ingrid Matthäus-Maier (SPD) nimmt nach anhaltender Kritik auch aus den eigenen Reihen den Hut als Vorstandssprecherin der staatlichen KfW-Bank. Offiziell begründet sie dies zunächst mit gesundheitlichen Gründen. Sie muss damit aber vor allem die Konsequenz aus dem Beinahe-Kollaps der IKB Mittelstandsbank, für die die KfW-Bank als Mehrheitseigner mit etwa sechs Milliarden Euro in die Bresche springen muss, tragen.

16. April: Übernahmegerüchte fördern die angeschlagene Hypo Real Estate. Eine Investorengruppe um den US-Finanzinvestor J.C. Flowers plant angeblich die Gunst der Stunde zu nutzen und somit einen milliardenschweren Einstieg bei dem Immobilienfinanzierer. Der Aktienkurs des durch die Finanzkrise arg gebeutelten Instituts stieg daraufhin.

Derweil macht es die Deutsche Bank der Citibank nach und verkauft angeblich rund fünf Milliarden Dollar an Krediten zur Übernahmefinanzierung an zwei Beteiligungsgesellschaften in den USA. Die Kreditpakete gelten derzeit als nahezu unverkäuflich und gehen deshalb nur mit hohen Abschlägen auf den Norminalwert über den Tisch, bei der Citibank belief sich dieser Abschlag auf zehn Prozent. Die Deutsche Bank möchte dadurch den möglichen weiteren Abschreibungsbedarf vermindern.

17. April: Bei der weltgrößten Investmentbank Merrill Lynch gibt es weitere Horrornachrichten. Noch einmal muss die US-Bank für das erste Quartal 2008 sechs Milliarden US-Dollar abschreiben. Insgesamt stiegen die Verluste des Instituts durch die Finanzmarktkrise auf vermutlich 24 Milliarden US-Dollar, die Bank schrieb dadurch rote Zahlen. Kostensenkungen sind so das Gebot der Stunde, 4000 der weltweit 63.000 Jobs werden gestrichen.

18. April: Neue Eingeständnisse bei der Citibank. Die US-Großbank muss einen Quartalsverlust von 5,1 Milliarden Dollar eingestehen - das zweite dicke Minus in Folge. Reaktion: Zehntausende Stellen und die Randaktivitäten stehen auf der Kippe.

22. April: Und auch die Royal Bank of Scotland (RBS) hat Abschreibungen von bis zu 5,9 Milliarden Pfund (etwa 7,4 Milliarden Euro) angekündigt. Sie plant nun eine Kapitalerhöhung von zwölf Milliarden Pfund.

23. April: Die IKB-Bank bietet in diesen Tagen zwiegespaltene Nachrichten. Zum einen bestätigt die Finanzaufsicht BaFin Anhaltspunkte für Insiderhandel mit Aktien im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Positiv hingegen: Die Düsseldorfer Bank erwartet für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2007/2008 einen deutlich niedrigeren Verlust als bisher vorhergesagt.

24. April: Die Analysten prophezeien - die Deutsche Bank hat wegen der weltweiten Finanzkrise wohl den miserabelsten Start in ein Geschäftsjahr seit langem hingelegt. Erstmals seit fünf Jahren könnte unter dem Strich sogar ein Quartalsverlust stehen. Die Folgetage werden zeigen, ob die düsteren Prognosen Realität werden.

29. April: Die Prophezeiung wird bittere Realität. Die Deutsche Bank rutscht in die roten Zahlen, das erste Mal seit fünf Jahren. 141 Millionen Euro an Nettoverlust muss sie ausweisen, mit fünf Milliarden Euro an Belastungen schlagen die letzten zehn Monate der Finanzkrise insgesamt zu Buche.

Derweil scheinen sich mehrere Interessenten um die Bücher der angeschlagenen IKB-Mittelstandsbank zu scharren. Nach Aussage ihres Chefs würden neun Investoren diese derzeit begutachten, bis Mitte Mai müssen verbindliche Offerten vorgelegt werden. Bei der Erläuterung testierter Geschäftszahlen räumt die Bank unterm Strich einen Verlust von einer Milliarde Euro durch die Finanzkrise ein.

Deutsche-Bank-Chef Josef Quelle: AP

6. Mai: Die Banken müssen weiter leiden. Die Schweizer UBS kündigte nach einem Milliardenverlust und den Abbau von 5500 Stellen an. Der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae verzeichnete ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar (1,42 Milliarden Euro). In Deutschland brachen die Gewinne der Hypo Real Estate und der Norddeutschen Landesbank ein. US-Notenbankchef Ben Bernanke warnte indes vor Gefahren für die amerikanische Konjunktur.

7. Mai: Hoffnung oder Trugschluss? Fast ein Jahr nach Ausbruch der Finanzmarktkrise sieht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann trotz anhaltender Unsicherheit jedenfalls Anzeichen für ein Ende der Turbulenzen.

13. Mai: In den USA wurden die Quartalszahlen für den Einzelhandel veröffentlicht. Das gute Ergebnis hob die Stimmung in der dahindümpelnden US-Wirtschaft. Doch US-Notenbankchef Ben Bernanke warnt vor übereilter Euphorie.

15. Mai: Klappt es nun oder nicht? Das Drama um den Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB nimmt kein Ende: Wegen des schlechten Marktumfelds sind offenbar die WestLB, BayernLB und der US-Investor JC Flowers als Bieter abgesprungen. Trotzdem halten Bundesregierung und KfW am IKB-Verkauf fest.

Martin Sullivan, geschasster Quelle: REUTERS

17. Mai: Ein gerichtliches Nachspiel könnte die Finanzkrise für ein paar Manager haben: Die aufgrund riskanter Immobilienkredite in die Schieflage geratene Düsseldorfer IKB prüft nach Informationen der WirtschaftsWoche Schadensersatzklagen gegen ihre früheren Vorstandsmitglieder um Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen.

06. Juni: Noch vor wenigen Tagen hatte Josef Ackermann vom bevorstehenden Ende der Finanzkrise gesprochen, jetzt sind bei der Deutschen Bank ganz andere Töne zu hören. Zudem müssen die Banken nach einer Studie mit weiteren Milliarden-Belastungen rechnen. Als Risikofaktor wird das noch vergleichsweise hohe Engagement der großen Investmentbanken weltweit in Hypothekenkredite an Schuldner mittlerer Bonität - sogenannte Alt-A-Papiere - gesehen.

09. Juni: Lehman Brothers benötigt dringend mehr Geld. Die durch die Finanzkrise angeschlagene Investmentbank will sich über eine Kapitalspritze mehr als fünf Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) besorgen.

12. Juni: Bitterer Gerichtsentscheid für die Kleinaktionäre der Mittelstandsbank IKB: Ein Gericht wies heute mehrere Schadenersatzklagen von Anlegern ab. Aktionäre dürften damit auf Verlusten sitzenbleiben, die durch den Kurseinbruch der IKB-Aktie um 85 Prozent entstanden.

13. Juni: Nach einer Reihe von Hiobsbotschaften kann die Schweizer Großbank UBS endlich einen Erfolg vermelden: Ihre zweite Kapitalerhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise ist glatt verlaufen. Investoren bezogen 99,4 Prozent der rund 760 Millionen neuen Aktien. Damit erhöhte die UBS ihr Eigenkapital um 16 Milliarden Franken, also rund 10 Milliarden Euro.

16. Juni:  In den USA setzt sich das Köpferollen wegen der Finanzkrise fort: Nach Milliardenverlusten trat der bisherige Vorsitzende des US-Versicherungsriesen AIG, Martin Sullivan, gestern zurück. Nachfolger wurde ein früherer Citigroup-Manager. Bei AIG ist es der zweite Chefwechsel innerhalb von drei Jahren - der letzte Vorstandschef nahm wegen mutmaßlicher Bilanzierungstricks 2005 seinen Hut.

23. Juni: Schlechter Start für Jörg Asmussen, den designierten Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Laut einem Medienbericht muss er dem Bundestag zu den Rettungsmaßnahmen der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB Rede und Antwort stehen.

2. Juli: FBI verfolgt Hedgefonds-Manager - Vor der Finanzkrise schützen konnte das US-System Anleger nicht. Umso härter werden jetzt Schuldige verfolgt.

Fannie Mae Gebäude in Quelle: AP

4. Juli: Nach einer Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs beläuft sich der zusätzliche Kapitalbedarf der europäischen Banken auf insgesamt 60 bis 90 Milliarden Euro.

7. Juli: Fannie Mae und Freddie Mac könnten, so hat es die Investmentbank Lehman Brothers errechnet, wegen veränderter Bilanzierungsvorschriften einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 75 Milliarden Dollar haben.

Blick auf das Logo der Quelle: dpa

10. Juli: Zweitgrößter Banken-Crash in der US-Geschichte: Die Hypotheken- und Bausparbank IndyMac wird geschlossen. Der US-Senat beschließt ein Gesetz, das schätzungsweise 400.000 verschuldeten Hausbesitzern Entlastung verspricht.

13. Juli: Nach dem Zusammenbruch von IndyMac wollen die US-Regierung und die Notenbank mit einem umfangreichen Hilfspaket die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac stützen.

16. Juli: Der Deutsche Aktien-Index rutschte kurzzeitig auf 5999 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2006.

17. Juli: Lehren aus der Finanzkrise: Mit neuen Bilanzstandards wollen die Großbanken einen Neuanfang starten.

18. Juli: Die Aktienkurse fast aller Banken steigen innerhalb von zwei Tagen um mehr als zehn Prozent. Die Zahlen der Citigroup sind überraschend gut ausgefallen - die Abschreibungen sind geringer als erwartet.

21. Juli: Die Bank of America macht das vierte Quartal in Folge weniger Gewinn. Allerdings übertraf das Ergebnis die Markterwartungen.

21. Juli: Die von der Finanzkrise gebeutelten Anleger schlagen zurück. Scharen von Investoren fordern bei Banken, Fonds und Vermittlern verlorene Milliarden ein. Wie Sie sich als geprellter Aktionär, Anleihe-, Fonds- und Zertifikateinhaber Ihr Geld zurückholen können, verrät die WirtschaftsWoche.

28. Juli: Bei der zum Verkauf stehenden Mittelstandsbank IKB, die von der Finanzkrise hart getroffen wurde, gibt es einen Favoriten: Angeblich ist es der europäische Ableger des US-Finanzinvestors Ripplewood.

29. Juli: Notverkauf zum Schleuderpreis und eine neuerliche Kapitalerhöhung: Mit diesem Doppelschlag sucht die angeschlagene US-Investmentbank Merrill Lynch einen Weg aus der Finanzkrise. Die Lage spitzt sich für Merrill Lynch zu: Innerhalb eines Jahres hat die Investmentbank einen Verlust von 19 Milliarden Dollar angehäuft.

Deutsche-Bank-Chef Josef Quelle: dpa

31. Juli 2008: Die Finanzkrise reißt bei der Deutschen Bank neue Milliardenlöcher in die Bilanz. 2,3 Milliarden Euro müssen abgeschrieben werden. Trotz der Belastungen hat der deutsche Branchenprimus im zweiten Quartal aber den Sprung zurück in die schwarzen Zahlen geschafft.

04. August 2008: Für die britische Großbank HSBC und den Finanzkonzern Fortis ist die Finanzkrise noch nicht vorüber: Sie blicken nach erneuten Gewinnrückgängen skeptisch in die Zukunft. Mit guten Neuigkeiten kann hingegen die Unicredit-Tochter HVB aufwarten: Sie bekommt die Auswirkungen der Finanzkrise kaum mehr zu spüren - und ist in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

06. August 2008: Die Landesbanken sind in Aufruhr. Verhandlungen über Fusionen stocken, die Finanzkrise drängt – neue Belastungen kommen ans Tageslicht.

07. August 2008: Die Finanzkrise setzt der Versicherungsbranche zu. Nach enttäuschenden Halbjahreszahlen machen AMB Generali und die Allianz keine Gewinnprognosen mehr, die Münchener Rück schraubt ihre Gewinnerwartung um eine Milliarde Euro nach unten. Am härtesten trifft es AIG: Der weltweit größte Versicherer meldet den dritten hohen Verlust in Folge.

12. August 2008: Nach neuen Milliardenabschreibungen hat die UBS hat einen Umbau und neue Einsparungen angekündigt. Der Verkauf von Teilen der Bank schließt der Vorstand aber vorerst aus. UBS leidet vor allem unter dem Geldabfluss im Bereich Vermögensverwaltung.

12. August 2008: Zehntausende durch die Kreditkrise geschädigte Anleger sollen auf Druck der US-Justiz bislang beispiellose Ausgleichszahlungen in Milliardenhöhe erhalten. Angesichts massiver Ermittlungen der US-Behörden erklärten sich die Citigroup, die Investmentbank Merrill Lynch sowie die Schweizer Großbank UBS bereit, spezielle Anleihen für fast 40 Milliarden Dollar (26,6 Milliarden Euro) zurückzukaufen. Einige Tage später erreicht dieses Thema auch deutsche Banken.

18. August 2008: Der krisengeschüttelten US-Investmentbank Lehman Brothers droht einem Zeitungsbericht zufolge ein weiterer Verlust in Milliardenhöhe. Der Morgan-Stanley-Vizechef erklärt außerdem, dass er ein Anhalten der Finanzkrise bis 2010 für wahrscheinlich halte.

21. August 2008: Der US-Finanzinvestor Lone Star will die IKB nach einer Übernahme wieder auf ihr Kerngeschäft Mittelstandsfinanzierung ausrichten. „Wir werden die bestehende Positionierung der Bank als Mittelstandsbank stärken und konsequent ausbauen“, sagte der Deutschlandchef von Lone Star, Karsten von Köller, heute in Frankfurt.

22. August 2008: Und dann wollen die Anleger auch noch Geld zurück. Die Deutsche Bank entgeht einer Anklage in der Affäre um umstrittene Anleihengeschäfte in den USA, indem sie diese für Milliarden wieder zurückkauft.

08. September 2008: Mae und Mac am Ende. Die beiden größten Baufinanzierer in den USA werden wegen ihres drohenden Bankrotts in staatliche Obhut genommen. Die US-Regierung übernimmt die Kontrolle bei Fannie Mae und Freddie Mac. Damit sollen laut Finanzminister Henry Paulson größere Schwankungen auf den Finanzmärkten vermieden werden. Diese Hoffnung ist aber vergeblich.

15. September 2008: Hiobsbotschaften aus den USA haben die Finanzkrise dramatisch zugespitzt: Die US-Investmentbank Lehman Brothers ist pleite, Merrill Lynch verkauft. Das sorgte für Panik unter den Anlegern: Der deutsche Leitindex Dax fiel heute zeitweise unter 6000 Punkte und rutscht somit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2006.

Ein Mann verlässt das Lehman Quelle: rtr

16. September 2008: Notenbanken pumpen Milliarden in die Finanzmärkte, doch die Kurse fallen weiterhin. Zudem fürchten Investoren, dass der größte US-Versicherer American International Group (AIG) ebenfalls pleite geht. Die Schockwellen aus den USA erreichen Deutschland: Auch deutsche Großbanken werden unter den Wall-Street-Turbulenzen leiden. Für den deutschen Einlagensicherungsfonds dürfte die Lehman-Pleite zum Belastungstest werden.

17. September 2008: Erste Zeichen von Entspannung in den USA: Die Fed springt für AIG mit einem Rettungspaket über 85 Milliarden Dollar in die Bresche. In den USA gerät die Staatsbank KfW erneut in schiefes Licht: Sie hatte am Montag, dem 15. September 2008, rund 300 Millionen Euro an die bereits insolvente Bank Lehman Brothers überwiesen. Das Geld ist futsch, und Politiker sind wenig erfreut über die neuerliche Panne.

19. September 2008: Am Tag zuvor pumpten Notenbanken insgesamt 180 Milliarden Dollar in die Finanzmärkte, um die Liquidität zu erhöhen. Das zeigt Wirkung: Die Börsenkurse zeigen erstmals seit Tagen deutlich nach oben. Die britische HBOS geht mit dem Finanzkonzern Lloyds TSB zusammen. Bei der KfW zeigt die Lehman-Überweisung Konsequenzen: Der Schaden beträgt eine halbe Milliarde Euro, zwei Vorstände werden suspendiert.

Eine Washington Mutual Filiale Quelle: AP

26. September 2008: Seit Wochen hatte sie verzweifelt einen Käufer gesucht, nun ist sie Geschichte: In der Nacht zu heute schloss die US-Aufsichtsbehörde die größte amerikanische Sparkasse Washington Mutual. Zum Verhängnis wurden Washington Mutual zu hohe Geldabflüsse. Der politische Streit um das US-Rettungspaket für Banken wird schärfer.

29. September 2008: Die Hypo Real Estate stand kurz vor dem Kollaps. Ihr erst etwa ein Jahre altes Investment in die Depfa-Bank wurde ihr dabei zum Verhängnis. In einer gemeinschaftlichen Aktion stellen Banken und Staat Bürgschaften bereit.

03. Oktober 2008: Das US-Repräsentantenhaus hat letztendlich doch dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für amerikanische Banken zugestimmt. Zuvor sorgte es mit seiner Ablehung für ein Debakel. Einige Tage der Turbulenzen finden zumindest in diesem Fall ihren Abschluss. Damit ist der Weg frei für eine Hilfeaktion von bis dahin unvorstellbaren Ausmaßes für den Finanzsektor.

05. Oktober 2008: Grünes Licht für Rettungsversuch Nummer zwei: In den späten Abendstunden haben Bund und Finanzwirtschaft  ein deutlich aufgestocktes Rettungspaket über 50 Milliarden Euro für den ums Überleben kämpfenden Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate vereinbart. Zuvor hatte die Bundesregierung eine Komplettgarantie für private Spareinlagen in Aussicht gestellt - in Summe sind das 568 Milliarden Euro.

06. Oktober 2008: Die Rettungsaktionen für die Banken werden das Verhältnis der Unternehmen zum Staat nachhaltig verändern. Die Politik wird sich nicht damit begnügen, die Banken mit vielen Milliarden Steuergeldern aus dem Schlamassel zu pauken. Vor allem Brüssel bereitet ein Bündel von Regulierungen vor.

Hypo-Real-Estate-Bank in Quelle: dpa

08. Oktober 2008: Die Autoindustrie bekommt die Auswirkungen der Finanzkrise deutlich zu spüren. Da weltweit die Absätze einbrechen, drosseln Autobauer ihre Produktion oder verlängern die Werksferien. Der Branche droht ein massiver Stellenabbau.

08. Oktober 2008: Für Island kommt es immer dicker. Nicht nur, dass der nordeuropäische Zwergstaat vor dem Staatsbankrott steht, es steigt auch der Druck mehrerer europäischer Staaten auf die Inselrepublik. Derweil geht dort das Chaos weiter. Auch deutsche Anleger könnten vom Finanzchaos in Europas Norden betroffen sein.

09. Oktober 2008: Wegen der Finanzkrise überlegt die US-Regierung Beteiligungen an amerikanischen Banken nach britischem Vorbild. Die Fed gewährt dem angeschlagenen Versicherer AIG eine weitere Milliarden-Kapitalspritze. Und US-Präsident Bush rechnet damit, dass die Auswirkungen des Rettungspakets in zweieinhalb Wochen spürbar werden. Mehr dazu im Nachrichtenüberblick.

09. Oktober 2008: Island beerdigt den Kapitalismus. Die Inselrepublik hat heute auch die letzte private Großbank verstaatlicht. Damit steht jetzt auch Marktführer Kaupthing unter direkter Kontrolle der Regierung. Das gesamte Wirtschaftsmodell der Insel steht jetzt vor dem Aus. Das spüren auch deutsche Anleger: Sie können seit heute Vormittag nicht mehr auf ihre Einlagen bei Kaupthing zugreifen.

09. Oktober 2008: Das Comeback der Politik: Regierungen greifen europaweit in die Märkte ihrer Länder ein, um die Auswirkungen der Finanzkrise zu bekämpfen. Immer mehr Länder folgen dem britischen Beispiel und Verstaatlichen ihre Banken teilweise. Eine Übersicht.

Der bayerische Finanzminister Quelle: AP

13. Okobter 2008: Das Banken-Rettungspaket wird immer konkreter. Jetzt kann es nicht schnell genug gehen. Noch diese Woche soll der Bundestag die deutsche Finanzmarktarchitektur nahezu komplett umbauen. Die Regierung nimmt 500 Milliarden Euro in die Hand, um angeschlagene Finanzdienstleister zu retten. Auch andere europäische Regierung schnüren gigantische Hilfspakete. Am 17. Oktober unterzeichnet Bundespräsident Horst Köhler dann das Rettungspaket.

14. Oktober 2008: Kunden kommen nicht mehr an ihr Geld. Nebel über Island: Die Inselrepublik lässt Kunden der Kaupthing-Bank weiter im Unklaren über ihre Einlagen. Deutsche Verbraucherschützer sind empört. Die Bundesregierung dringt jetzt hinter den Kulissen auf eine Lösung.

Huber tritt zurück

16. Oktober 2008: Die Festungen des Kapitalismus wanken allerorten. Jetzt ist auch die Schweizer Großbank UBS unter die schützenden Fittiche der eidgenössischen Regierung geflüchtet.

21. Oktober 2008: Angesichts der Finanzkrise fordert das Bundeswirtschaftsministerium den Aufbau einer europäischen Rating-Agentur. In einem Strategiepapier des Ministeriums, das der WirtschaftsWoche vorliegt, heißt es, "die führenden Rating-Agenturen" hätten durch "fehlerhafte Ratings wesentlich" zu der aktuellen Finanzmarktkrise beigetragen.

22. Oktober 2008: Er ist nicht mehr zu halten. Erwin Huber (CSU), bayrischer Finanzminister, ist nicht mehr zu halten - und stolpert über die desolate Lage der landeseigenen BayernLB, die als erste Bank unter den 500-Milliarden-Euro schweren Rettungsschirm des Bundes schlüpft. Huber ist aber nicht das erste politische Opfer der Finanzkrise.

24. Oktober 2008: Der Nächste, bitte. Eine Anfrage der FDP im Bundestag brachte ans Licht, was die Deutsche Rentenversicherung, ehemals BfA, gerne im Dunkeln belassen hätte: 44,5 Millionen Euro aus der eisernen Reserve der Nation liegen als Termineinlagen mit drei bis vier Monaten Laufzeit bei der amerikanischen Pleite-Bank Lehman Brothers.

Commerzbank-Chef Martin Quelle: dpa

29. Oktober: Mit einem Hilfspaket von 20 Milliarden Euro wollen der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Europäische Union Ungarn vorm drohenden Staatsbankrott bewahren. Die Finanzkrise könnte bis zu 50.000 Ungarn ihren Job kosten, hieß es.

03. November 2008: Nach der angeschlagenen Hypo Real Estate greift auch die Commerzbank in großem Stil auf das Rettungspaket der Bundesregierung zurück und bessert damit ihr Kapital auf. Das dritte Quartal schloss die Commerzbank mit einem Konzernergebnis von minus 285 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis von minus 475 Millionen Euro ab.

Commerzbank-Zentrale in Quelle: dpa

5. November 2008: Die EU-Kommission will die staatlichen Hilfen für die Commerzbank überraschend einer besonderen Prüfung unterziehen. Angeblich entspricht der vereinbarte Zinssatz nicht den Vorgaben der Kommission.

7. November: Die deutschen Opfer der Kaupthing-Pleite schauen neidisch auf die Niederlande und Großbritannien: Die dortigen Regierungen blockieren IWF-Hilfen für Island und zwingen den Inselstaat so zu rascher Hilfe für Anleger aus beiden Ländern. Gleichzeitig wächst nach den neuerlichen KfW-Verlusten die Wut auf die Minister Glos (CDU) und Steinbrück (SPD).

10. November: Nach einer Einschätzung von Goldman Sachs werden sich die Verluste im Zuge die Finanzkrise auf bis zu 1,4 Billionen Dollar belaufen. Davon seien bisher lediglich 800 Mrd. Dollar bekannt, sagte Chefvolkswirt Jan Hatzius am Montag. Dies bedeute, dass Banken und Volkswirtschaften noch harte Zeiten bevorstünden. Derweil leidet der Kurs der Aktie des Instituts selbst unter der Krise.

Horrormeldungen von den Autobauern

12. November: Der Ruf nach dem Staat als Retter eint viele Branchen: Erst die Banken, dann die Autobauer und jetzt auch noch die Immobilienfonds-Anbieter. Die wollen allerdings kein Geld, sondern gesetzliche Hilfe.

15. November: Autobauer drosseln ihre Produktion. Und nun ruft die Opel, die deutsche Tochter des US-Autobauers General Motors (GM), nach staatlicher Hilfe. Eine Bürgschaft über eine Milliarde Euro möchte das Unternehmen vom deutschen Staat erhalten. Opel befürchtet, dass das Mutterhaus bald nicht mehr überweisen kann. Ohne staatliche Hilfe wären demnach die Produktion bei Opel und damit 25.000 Arbeitsplätze gefährdet.

US-Autobauer betteln um ihr Überleben

16. November: Die Wirtschaftsnationen tagen - im Kampf gegen eine der schwersten Wirtschaftskrisen aller Zeiten wollen die weltgrößten Industrie- und Schwellenländer das globale Finanzsystem mit einer umfassenden Reform stabilisieren.

19. November:  Die Chefs der drei großen US-Autobauer haben mit Warnungen vor einem Kollaps der Autoindustrie ihrer Bitte um einen neuen Milliarden-Staatskredit Nachdruck verliehen. Sie wünschen sich 25 Milliarden Dollar Hilfe von den USA. Derweil beziffert der deutsche Autobauer Opel den möglichen Ausfall schlimmstenfalls auf 1,8 Milliarden Euro.

Aber auch die chemische Industrie leidet. BASF kassierte seine Gewinnziele. Der weltweit größte Konzern der Branche muss seine Produktion massiv drosseln.

Die Commerzbank muss deutlich Quelle: dpa

21. Novem-ber: Auch die Lan-desbank Baden-Württembeg muss nun Milliardenhilfe in Anspruch nehmen. Seit kurzem steht das Rettungspaket über fünf Milliarden Euro. Die Finanzkrise hat Siegfried Jaschinski, den Chef der Landesbank, härter getroffen als ursprünglich zugegeben. Die Milliardenhilfe hat aber auch ihr Gutes: Sie forciert die Neuordnung des Sektors.

23. November: Die WirtschaftsWoche fordert Steuersenkungen als Wege aus der Krise. Die Bundesregierung feiert immer noch ihr Banken-Rettungspaket. Doch als Hilfe für die darbende Industrie taugt es noch nicht. Die Politik reagiert hilflos. Dabei würde ein Steuersenkungsprogramm besonders helfen.

Gute Nachrichten für Kaupthing-Sparer

24. November: Endlich gute Nachrichten für die Kunden der Kaupthing-Bank. Sie erhalten ihre Spareinlagen zurück. Für 30.000 deutsche Kunden der isländischen Kaupthing-Bank sind damit Wochen des Wartens vorbei. Das verkündete kein geringerer als Bundesfinanzminister Peer Steinbrück selbst: Laut Steinbrücks Aussagen erhalten die Sparer ihre Einlagen vollständig zurück. Der Wermutstropfen: Auf die Entschädigung müssen die Sparer noch warten.

27. November: Die Rettung der bayerischen Landesbank wird für den Freistaat viel teuerer als befürchtet. Nach Auskunft von Landtagsabgeordneten braucht die BayernLB nun zehn Milliarden Euro, vier Milliarden muss die Landesregierung sofort aufbringen. Da sehen die Zahlen der WestLB schon fast gut aus- doch auch die WestLB rechnet mit neuen Belastungen.

Dresdner Bank zum Schnäppchenpreis

28. November: Die Komplettübernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank geht deutlich früher über die Bühne als geplant. Zugleich kostet der seit Jahren größte Deal in der deutschen Finanzindustrie Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus mit 5,1 Milliarden Euro nur etwas mehr als die Hälfte der zunächst kalkulierten 9,8 Milliarden Euro. Auch das ist eine Auswirkung der Finanzkrise.

1. Dezember: Kaum eine Branche trifft die Rezession so stark wie die Autobauer. Die Krisenspirale dreht sich längst: Fallende Absätze, geringere Produktion, weniger Arbeit. Für 2009 wird der Ausblick immer düsterer, belegen neueste Daten.

08. Dezember: Die HSH Nordbank macht Ernst. Als erste deutsche Bank will sie ihre Bilanz mit einer Auffanggesellschaft säubern. Die soll verhindern, dass Risikoanlagen die gesamte Bank belasten.

Josef Ackermann, Quelle: dpa

22. Dezember 2008: Hypo Real Estate will mehr als die Hälfte seiner Arbeitsplätze streichen. Zeitgleich haben Anleger den krisengeschüttelten Immobilienfinanzierer auf Schadenersatz verklagt.

5. Januar: Der Pharma-Milliadär Adolf Merckle begeht Selbstmord, sein Konzern steht vor der Zerschlagung. Merckle hatte sich im Zuge der Finanzkrise verzockt. Der Arzt und Suizidforscher Manfred Wolfersdorf erläutert im WirtschaftsWoche-Interview die Selbstmordgedanken vieler Führungskräfte.

Commerzbank teilverstaatlicht

8. Januar 2009: In einer bisher einmaligen Aktion in Deutschland beteiligt sich der Bund direkt am Aktienkapital der zweitgrößten Privatbank des Landes. Die Commerzbank soll mehr als zehn Milliarden Euro aus dem Banken-Rettungsfonds bekommen.

9. Januar: Die Postbank erwartet für das Gesamtjahr 2008 hohe Verluste. Das vierte Quartal brachte weitere Belastungen.

Weiterhin Krise bei den Banken

14. Januar: Die Deutsche Bank hat einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro für das vierten Quartal 2008 bekannt gegeben. Damit schließt der Bankkonzern auch das Gesamtjahr mit einem Milliardenminus ab. Vorstandschef Josef Ackermann gesteht Fehler ein.

14. Januar: Der Bund prüft einen Einstieg beim angeschlagenen Finanzkonzern Hypo Real Estate. Noch einen Tag zuvor hatte Bundeskanzlerin Merkel erklärt, sie strebe keine weitere Staatsbeteiligung bei Unternehmen an.

15. Januar: Finanzkrise beutelt Großbanken erneut. Ein unerwarteter Gewinn der US-Großbank JPMorgan Chase hat die am Aktienmarkt grassierenden Sorgen um die Finanzbranche nicht vertrieben. Besonders im Fokus: Die Bank of America und die Citigroup.

17. Januar: Die Krise spitzt sich zu, Berlin muss immer neue Banken mit Milliardensummen retten. Welche Blasen als Nächstes platzen werden.

Für die Hypo Real Estate gibt Quelle: dpa

19. Januar 2009: Die HypoReal Estate erhält eine weitere Milliarden-Finanzspritze aus dem Rettungsfonds und steht kurz vor der Verstaatlichung. In welchem Umfang sich der Staat direkt an der Bank beteiligt, ist aber noch unklar.

20. Januar 2009: Nach neuen Milliardenverlusten bei den Banken schnürt die britische Regierung ein neues Rettungspaket. Die besonders krisengebeutelte Royal Bank of Scotland gehört nun zu 70 Prozent dem Staat.

Finanzkrise führt zu Krawallen

23. Januar 2009: Im von der Finanzkrise besonders schwer getroffenen Island werden die Proteste der Bevölkerung immer stärker. Die Demonstranten fordern seit Tagen den Rücktritt der Regierung. Nun stellen sich die Koalitionsparteien tatsächlich auf Neuwahlen ein.

26. Januar 2009: Die Bankenkrise spitzt sich weiter zu. Die Großbanken ING und BNP meldet neue Milliardenverluste. Nur die britische Barclays Bank überrascht mit einem satten Gewinn.

US-Regierung stützt die Wirtschaft

27. Januar 2009: Der unter staatlicher Kontrolle stehende US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae benötigt angesichts riesiger Verluste eine staatliche Soforthilfe von bis zu 16 Milliarden Dollar.

3. Februar 2009: Die vom Staat gestützte US-Großbank Citigroup will den Märkten mit Milliardenkrediten neue Liquidität verschaffen. Das Unternehmen will in den nächsten Monaten neue Kredite in Höhe von 36,5 Milliarden Dollar vergeben.

Zwei Billionen für die Finanzbranche

10. Februar 2009: Die UBS schreibt tiefrote Zahlen: Die Schweizer Großbank verbucht für 2008 einen Verlust von 13 Milliarden Euro. Auslöser sind vor allem Abschreibungen im Investmentbanking. Trotzdem zahlt die Bank Boni von zwei Milliarden Euro aus.

11. Februar 2009: 2000 Milliarden Dollar will US-Finanzminister Timothy Geithner für die US-Finanzbranche und den Häusermarkt locker machen. Eines der Kernelemente des neuen Programms ist ein staatlich gestützter Fonds, der Geldinstitute von faulen Krediten entlasten soll.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: AP

13. Februar 2009: Der Bundestag beschließt das zweite Konjunkturpaket zur Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise. Mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro ist es die größte staatliche Konjunkturstütze, die es jemals in Deutschland gab.

14. Februar 2009: Der US-Kongress verabschiedet ein gigantisches Konjunkturpaket über 790 Milliarden Dollar. Die Mehrheit für das Programm fällt allerdings äußerst knapp aus. Der Großteil des Geldes ist für staatliche Investitionsprojekte vorgesehen, zudem gibt es Steuererleichterungen.

Weg frei für eine Enteignung der Hypo Real Estate

16. Februar 2009: Trotz schwarzer Zahlen schlüpft der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank unter den staatlichen Rettungsschirm. Die Diskussion über eine mögliche Verstaatlichung der Hypo Real Estate spitzt sich zu.

18. Februar 2009: Das Kabinett beschließt das Enteignungsgesetz. Damit kann die Hypo Real Estate verstaatlicht werden, und die Aktionäre der von der Pleite bedrohten Bank können enteignet werden. Die Hürden dafür liegen jedoch hoch, die Enteignung soll nur die letzte aller möglichen Optionen darstellen. Die Commerzbank kündigt unterdessen für 2009 ein strenges Sparprogramm an: Boni für Mitarbeiter werden ebenso gestrichen wie die Dividende.

Staaten planen stärkere Regulierungen

22. Februar 2009: Um eine einheitliche Marschrichtung für den G20-Gipfel Anfang April in London festzulegen, treffen sich mehrere europäische Staats- und Regierungschefs in Berlin. Ganz oben auf dem gemeinsamen Forderungskatalog steht: Alle Finanzmärkte, -produkte und Marktteilnehmer müssen "lückenlos" einer Aufsicht und Regulierung unterstellt werden.

26. Februar 2009: Die Allianz legt rote Zahlen für 2008 vor. Das Ergebnis des Versicherungskonzerns wurde stark belastet durch die verlustträchtige Dresdner Bank, die aber mittlerweile an die Commerzbank verkauft wurde. Der Versicherungsriese verbuchte für 2008 einen Verlust von rund 2,4 Milliarden Euro.

Osteuropa-Krise belastet Banken

26. Februar 2009: Die Royal Bank of Scotland fährt den höchsten Verlust in der britischen Unternehmensgeschichte ein. Für das Jahr 2008 verzeichnet sie einen Verlust von 24 Milliarden Pfund. Die Großbank schließt für faule Wertpapiere in Höhe von 325 Milliarden Pfund eine staatliche Versicherung ab - falls es zum Zahlungsausfall kommt, muss der Steuerzahler einspringen.  Die Bank will sich fortan auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: 36 von derzeit 54 Standorten im Ausland werden geschlossen.

02. März 2009: Die westeuropäischen Banken leiden immer stärker unter ihrem Engagement in Osteuropa. Ein großer Teil ihrer Kredite in osteuropäischen Ländern sind ausfallgefährdet, denn den Staaten brechen die Einnahmen weg, und viele Privatleute, denen Arbeitslosigkeit droht, können nicht mehr ihre Schuldenlast bedienen. Dennoch lehnt die Europäische Union auf einem Krisengipfel einen Hilfsfonds für Osteuropa ab.

03. März 2009: Die britische Bankenkrise spitzt sich zu. Die bisher relativ gut dastehende Großbank HSBC kündigt die größte Kapitalerhöhung an, die eine britische Aktiengesellschaft je vornahm. 17,7 Milliarden Dollar will das Institut einsammeln - immerhin bei Privatinvestoren, nicht beim Steuerzahler. Als Konsequenz steigt HSBC aus dem verlustreichen US-Markt größtenteils aus. Die britische Bankwirtschaft steht vor einem gewaltigen Trümmerhaufen. Premierminister Gordon Brown reist in die USA, um im Schulterschluss mit US-Präsident Barack Obama die Krise zu bekämpfen.

03. März 2009: Der US-Versicherer AIG fährt den höchsten Verlust in der amerikanischen Unternehmensgeschichte ein. 2008 verbrannte das Unternehmen fast 100 Milliarden Dollar. Der Staat stockt seine Hilfe für den Versicherungsriesen um 30 Milliarden Dollar auf. Obwohl für die Krise mitverantwortlich, reicht der Ex-Vorstandschef Maurice Greenberg bei Gericht eine Klage ein: Er wirft seinen ehemaligen Kollegen vor, ihre falschen Angaben zu AIG-Kreditpapieren hätten ihm Verluste von mehreren hundert Millionen Dollar eingebracht.

Hypo-Real-Estate-Bank in Quelle: dpa

06. März:  Seit Monaten weigert sich der krisengebeutelte US-Versicherer AIG, die Namen seiner Vertragspartner für Swap-Geschäfte herauszugeben. Nun fordern US-Politiker immer deutlicher eine solche Namensliste ein. Europas Banken stehen bittere Tage bevor – denn sie zählten zu AIGs eifrigsten Geschäftspartnern.

12. März: Durch die Finanzkrise ist die Zahl der Milliardäre weltweit um ein Drittel gesunken. Ihr Gesamtvermögen hat sich halbiert. Zu den Absteigern gehören bekannte Namen und der jüngste Milliardär ist nun ein Deutscher.

Hypo Real Estate vor der Verstaatlichung

23. März: US-Finanzminister Geithner hat seinen Plan zur Rettung der Banken vorgestellt. Gemeinsam mit Privatinvestoren sollen faule Wertpapiere für bis zu eine Billion Dollar aufgekauft werden.

24. März: Die USA wollen sie gemeinsam mit Privatinvestoren hochziehen, in Deutschland wird darum gerungen: Nun fordern Wirtschaftsforscher die schnelle Schaffung einer Bad Bank zur Entsorgung fauler Wertpapiere. Doch die Politik bremst.

26. März: Die WestLB soll über ein Bieterverfahren verkauft werden - gegebenenfalls auch an Privatbanken. Damit reagiert das angeschlagene Düsseldorfer Institut auf Forderungen der EU-Kommission. Auch die HSH Nordbank und die BayernLB bekommen den Druck aus Brüssel zu spüren.

27. März: IKB-Rettung, Lehman Brothers, Island und Wertberichtigungen stürzen die staatseigene Bank KfW tief in die roten Zahlen. Zugleich schwelt ein Rechtsstreit mit Ex-Vorständen. Es geht um hohe Gehaltszahlungen und dicke Pensionen.

03. April: Das Verhandlungsergebnis der 20 Staats- und Regierungschefs ist ermutigend. Es zeigt, dass es doch eine Weltgemeinschaft gibt, die sich auf gemeinsame Ziele und Wege einigen kann.

03. April: Der Bundesrat hat das umstrittene Enteignungsgesetz für die Hypo Real Estate (HRE) ohne Vermittlungsverfahren genehmigt. Großaktionär J.C. Flowers will rechtliche Schritte prüfen. Die HSH Nordbank darf hingegen nach der Landtagssitzung in Kiel mit einem 13 Milliarden Euro schweren Rettungspaket rechnen.

17. April 2009: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat den Weg für eine Verstaatlichung des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) frei gemacht. Ab sofort können HRE-Aktionäre ihre Anteile für 1,39 Euro dem Bund verkaufen. Dafür haben Sie rund zwei Wochen Zeit.

15. April: Gemischte Meldungen unterschiedlicher Banken. UBS setzt nach einem Verlust von zwei Milliarden Franken im ersten Quartal 2009 auf einen radikalen Stellenabbau und streicht zunächst 8700 Stellen. Die Bank of America weist hingegen überraschend einen Milliardengewinn aus.

Bad Bank wird als Lösung immer konkreter

15. April: Kanzlerin Angela Merkel macht die Bereinigung deutscher Bank-Bilanzen von toxischen Wertpapierbeständen zur Chefsache. Bei einem Ministergespräch über ein Bad-Bank-Modell werde sie die Leitung übernehmen, sagte heute ein Regierungssprecher. Die Regierung arbeite „mit Hochdruck“ an dem Thema.

22. April: Die EU-Kommission hat mit der Commerzbank offenbar im Streit um staatliche Milliardenhilfen geeinigt. In Finanzkreisen gilt es als weitgehend sicher, dass die EU im Gegenzug auf den Verkauf der Tochter Eurohypo besteht.

23. April: Die Europäische Union stellt Rating-Agenturen unter staatliche Aufsicht. Das EU-Parlament hat dazu eine Verordnung verabschiedet. Die Agenturen waren durch Fehlbewertungen der Kreditwürdigkeit von Unternehmen in Verruf geraten.

25. April: In einem geheimen Papier beziffert die Finanzaufsicht BaFin die Risiken der deutschen Banken durch faule Kredite und Wertpapiere auf 816 Milliarden Euro. Politiker und Banken versuchen die Zahlen herunterzuspielen.

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