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Dax & Co. Richtig investieren an turbulenten Börsen

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Rauf oder runter

Die gängigen Bewertungskennzahlen für den Dax sind in der Summe neutral. Gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis, ist der Dax in etwa fair bewertet. Relativ teuer ist er, gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), das den Börsenwert im Verhältnis zum Vermögen der Konzerne angibt. Es liegt bei 1,4. Weitere Vermögensabwertungen drohen und können das KBV noch treiben). Eher günstig sind die Unternehmen dagegen, wenn man Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) und Dividendenrenditen analysiert: Nach den auf Basis der Quartalszahlen frisch geschätzten Jahresüberschüsse 2010 kostet der Dax derzeit den lediglich elffachen Gewinn der in ihm enthaltenen 30 Unternehmen. Dieses KGV, bei dem die erwarteten Jahresgewinne durch das aktuelle Kursniveau geteilt werden, liegt damit etwa ein Drittel unter dem langjährigen Durchschnitt. Euphorie sieht anders aus. „Gemessen an den üblichen Bewertungskennziffern wie dem KGV und anderen Zahlen wie der Dividendenrendite, die im Dax mit gut drei Prozent viele Anleiheverzinsungen schlägt, hat der Dax noch Luft nach oben. 7000 Zähler sind Ende des Jahres drin“, sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Das wären 14 Prozent mehr als aktuell.

Doch solche Stimmen sind eher die Ausnahme: Die Skepsis gegenüber Aktien ist derzeit kaum auszurotten. Charttechniker Klaus Deppermann von der BHF-Bank sieht das Risiko, dass der Index zunächst auf 6000 Punkte fallen könnte und – falls er diese Marke nicht hält – ein massiver Rutsch binnen der kommenden zwölf Monate auf 4500 Punkte folgen könnte. Das wäre insgesamt ein Minus von mehr als einem Viertel. Dabei ist der Aufwärtstrend des Dax noch voll intakt. In steigende Kurse hinein Aktien zu verkaufen halten die Charttechniker der Schweizer UBS aktuell für die richtige Strategie. Auch die Bad Homburger BCA, ein großer Maklerpool, rät seinen Vermittlern davon ab, ihre Anleger jetzt in Aktien zu treiben: „Mit Zukäufen und einer Erhöhung der Aktienquote sollte zunächst abgewartet werden“, hieß es just nach dem Erreichen des Dax-Jahreshochs vergangene Woche.

Verkaufsdruck unwahrscheinlich

Verhaltenstheoretiker wie Joachim Goldberg stimmt die negative Massenmeinung optimistisch: „Es ist schwer vorstellbar, dass irgendjemand bereit ist, in großem Maße zu niedrigen Kursen Aktien zu verkaufen. Großer Verkaufsdruck und damit deutlich sinkende Kurse sind derzeit unwahrscheinlich.“ Das signalisiert der von Cognitrend wöchentlich aus Daten der Börse Frankfurt ermittelte Index, der das Verhältnis zwischen Optimisten (Bullen) und Pessimisten (Bären) an der Börse misst. Derzeit erwartet demnach nur ein Drittel der mehr als 300 befragten Profiinvestoren steigende Kurse, eine ungewöhnlich niedrige Quote. Fast die Hälfte dagegen schätzt, dass der Dax fallen wird – was ein sehr hoher Satz ist: Üblicherweise sind Börsianer positiv eingestellt, man redet sich sein Geschäft nicht gerne kaputt. Viele Pessimisten sind gut für steigende Kurse: Wer skeptisch ist, hält keine Aktien; er kann nicht verkaufen, im besten Fall ändert er seine Meinung, tritt als Nachfrager auf und schöbe dann die Kurse an. „Von daher gesehen, hat der Dax ein Überraschungsmoment nach oben“, so Goldberg.

Sorgen um US-Konjunktur

Auf der Negativseite schlagen vor allem Sorgen um den Finanzsektor und um das Wachstum der Weltwirtschaft zu Buche. Die Banken haben nach wie vor zu wenig Kapital – je nach Erhebung fehlen den 18 größten Instituten weltweit etwa 100 bis 200 Milliarden Dollar. Fehlendes Banken-Kapital jedoch hemmt die Kreditvergabe und damit Investitionen der Unternehmen. Und viele Investoren beäugen sorgenvoll die wieder schwächelnde US-Konjunktur. Die Produktivität sank erstmals seit 18 Monaten. Wegen schwachen Exports schnellte die Handelsbilanz auf ein Minus von knapp 50 Milliarden Dollar – ein fast doppelt so hohes Defizit wie vor Jahresfrist. Vor allem der Arbeitsmarkt steht enorm unter Druck. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke sieht sich deswegen genötigt, seine Konjunktur-Ankurbelungspolitik über den Ankauf von Anleihen nicht wie geplant auslaufen zu lassen. Zudem ist der US-Immobilienmarkt unverändert in einer desaströsen Lage. Die Zahl der Zwangsversteigerungen dürfte dieses Jahr den Negativrekord von 2009 übertreffen; die Verkäufe neuer Häuser sind auf einem Allzeittief; die Bauausgaben sind so niedrig wie zuletzt vor zehn Jahren.

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