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Drohender Staatsbankrott Wetten auf die Rettung Griechenlands

Die EU begrüßt die Sparpläne Griechenlands und tut so, als ob es das Land aus eigener Kraft schaffen kann. Trotzdem spekulieren Großanleger kräftig auf eine Hilfsaktion der Eurostaaten. Offizielle Beteuerungen, dass es keine Rettung vor dem Bankrott durch die EU geben werde, schrecken viele Investoren nicht ab. Im Gegenteil, die Lippenbekenntnisse machen neue Wetten auf eine Rettung noch attraktiver.

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Ein griechisches Quelle: dpa

"Griechenland muss seine Finanzkrise ohne Hilfe der Euro-Länder lösen", fordert Otmar Issing, ehemals Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), am 29. Januar. "Sonst bräche der Damm. Wie will man Iren verweigern, was man Griechen gibt?"

Wegen der hohen Staatsverschuldung, der überbordenden Bürokratie, der Statistik-Tricks und wegen der Mahnreden von Euro-Politikern wie Issing gibt es für den Kauf zehnjähriger griechischer Staatsanleihen eine Rendite von mehr als 6,5 Prozent. Das Risiko, das Griechenland die Anleihen in zehn Jahren nicht mehr aus eigener Kraft zurückzahlen kann, ist hoch

Dennoch gibt es Käufer für griechische Staatsanleihen. Das liegt nicht etwa daran, dass Investoren an Athens Zahlungsfähigkeit glauben. Stattdessen wetten diese Anleihe-Käufer darauf, dass trotz aller Beteuerungen von Issing und Kollegen am Ende eine offizielle oder verdeckte Rettungsaktion das hoch verschuldete Griechenland auffängt - weil sonst das Ansehen des Euro noch weiter beschädigt würde und niemand einen zweiten Marktkollaps wie nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers riskieren möchte.

Die anderen müssen für die Griechen zahlen, glauben Spekulanten - und wollen daran verdienen. Dazu gehören die Fondsgesellschaften europäischer Banken und Versicherer.

Beliebter Pleitekandidat

"Griechische Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit sind jetzt attraktiv für Anleger, die vorübergehende Kursverluste verkraften können", sagt Florian Späte, Anleihestratege bei Generali Investments. "Ein Ausfall ist für die nächste Zeit unwahrscheinlich, wegen der fragilen Finanzmärkte und der impliziten Rettungs-Selbstverpflichtungen ('bailout commitments') der EU", so Späte. Generali Investments kaufe Griechen-Anleihen mit einer Laufzeit bis März 2011 und einem Renditeaufschlag von 3,9 Prozent im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen. Deutsche Staatsanleihen mit fünf Jahren Laufzeit bringen derzeit gerade einmal 2,3 Prozent Rendite.

Die Generali-Fondstochter ist nicht das einzige Haus, das Chancen sieht, von einer Rettung zu profitieren. Auch Raiffeisen Capital hält Griechen-Bonds für eine Kaufgelegenheit. "Wir haben kürzlich bei der Emission fünfjährige griechische Staatsanleihen gekauft", sagt Andreas Riegler, Anleihe-Experte der österreichischen Fondsgesellschaft. Dabei lockten 6,1 Prozent Rendite. "Wenn man nicht glaubt, dass Griechenland fallengelassen wird, dann sind das attraktive Renditeaufschläge zu fünfjährigen deutschen Staatsanleihen", sagt Riegler.

Zwei Drittel der acht Milliarden Euro, die Athen im Januar im Tausch gegen neue Staatsanleihen einnahm, kamen aus dem Ausland. 20 Prozent des frischen Geldes sollen aus Großbritannien geflossen sein, wo viele Hedgefonds-Manager sitzen.

Raiffeisen Capital hält die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland es aus eigener Kraft schafft, einen Bankrott zu vermeiden, für gering - gerade einmal zehn Prozent Wahrscheinlichkeit hat dieses Szenario in den Überlegungen der Österreicher. Dass Griechenland zahlungsunfähig wird, dafür sieht Raiffeisen allerdings auch nur eine Wahrscheinlichkeit von zwanzig Prozent. Aus Sicht der Fondsgesellschaft ist es recht sicher (70 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit), dass es eine Art Rettungsaktion für Griechenland geben wird, offiziell vielleicht vom Weltwährungsfonds angeführt, mit strengen Auflagen für Athen. Die Staatsanleihen würden dann bedient, einschließlich der Zinsen, erwartet Riegler.

Eine Rettungsaktion für Griechenland würde also nicht nur den Griechen nutzen. Sondern auch den Großinvestoren, die schon jetzt darauf spekulieren.

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