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Elektroauto-Pionier Tesla feiert gelungenen Börseneinstand

Ob das Elektroauto ein Erfolg wird, ist ebenso unklar wie die Geschäftsaussichten des Technikpioniers Tesla. Bei den Anlegern kommt das Unternehmen aber gut an. Beim heutigen Börsengang kann es mehr Aktien als geplant unterbringen und nimmt auch mehr Geld ein als ursprünglich erhofft. Gut gebrauchen kann Tesla die frischen Mittel allemal.

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Ob Elektroautos schon in den nächsten Jahren ein Verkaufserfolg werden, ist umstritten. Doch für Schlagzeilen sorgt der Elektro-Hype derzeit reichlich. Quelle: dpa

HB NEW YORK. Die Börsianer glauben an die Zukunft des Elektroautos: Die Aktien des Technikpioniers Tesla Motors sind bei den Anlegern heiß begehrt. Der Daimler-Partner Tesla hat angesichts reger Nachfrage am Dienstag ein erfolgreiches Börsendebüt an der Nasdaq hingelegt. Die Anteilsscheine des kalifornischen Unternehmens sprangen gleich zu Handelsbeginn rund zwölf Prozent auf 19 Dollar in die Höhe und lagen zu Handelsschluss bei schwierigem Marktumfeld rund 40 Prozent im Plus und schlossen somit bei rund 23,90 Dollar. Die Dividendenpapiere waren zu 17 Dollar ausgegeben worden, nachdem zunächst lediglich 14 bis 16 Dollar angepeilt worden waren.

Zuvor hatte das Unternehmen bereits die Zahl der Aktien um 20 Prozent auf 13,3 Mio. erhöht. Damit beläuft sich das Volumen des Börsengangs auf rund 226 Mio. Dollar. (185 Mio Euro). Das Unternehmen selbst bot 11,9 Millionen Aktien an, die Alteigener gaben aus ihrem Bestand weitere 1,4 Millionen Papiere. Die Zahl der Anteilsscheine hatte Tesla bereits wegen der großen Nachfrage angehoben.

Tesla hat sich mit seinem gut 100.000 Dollar teuren Elektrosportwagen "Roadster" einen Namen gemacht. Das Auto braucht nur 3,9 Sekunden, um auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen, und kommt mit einer Ladung rund 400 Kilometer weit. Das macht Tesla zu einem begehrten Partner für die Großen der Branche.

Daimler ist bereits beteiligt. Tesla liefert die Batterien für den konzerneigenen Elektro-Smart. Gemeinsam mit Toyota will Tesla ganze Elektroautos bauen. Die Japaner kaufen sich mit 50 Millionen Dollar bei den Kaliforniern ein. Die Aktien wechseln aber abseits des Parketts den Besitzer.

Hauptaktionär ist und bleibt Tesla-Gründer Elon Musk. Er muss mit mindestens 65 Prozent beteiligt bleiben, sonst verfällt ein 465 Millionen Dollar schwerer Kredit der US-Regierung, mit dem sie die alternative Antriebstechnik fördert. Bislang hat Tesla lediglich knapp 1100 seiner Sportwagen verkauft, die für 2012 angekündigte Limousine "S" soll auf fünfstellige Stückzahlen kommen. p>Mit den Einnahmen will die erst vor sechs Jahren gegründete Firma unter anderem den Ausbau ihres Händlernetzes finanzieren. Daimler entwickelt mit Tesla unter anderem Fahrzeug-Batterien auf Lithium-Ionen-Basis.

Das große Interesse der Anleger kommt Tesla entgegen. Denn bisher verliert das Unternehmen Geld. Allein im ersten Quartal hat Tesla unterm Strich 29,5 Millionen Dollar verbrannt - bei einem Umsatz von gerade einmal 20,8 Millionen Dollar. Einige Beobachter fühlen sich schon an Neue-Markt-Zeiten erinnert.

Teslas Problem sind die hohen Entwicklungskosten. Die Gelder aus der Gründungszeit gehen langsam zur Neige. Neben Firmenchef Musk, der mit dem Verkauf des Bezahldienstes Paypal an Ebay reich geworden war, hatten die zwei Google-Gründer Larry Page and Sergey Brin ihre Schatulle geöffnet. Es kamen Daimler und im Gefolge das Emirat Abu Dhabi hinzu.

Ob das Elektroauto ein Erfolg wird, ist allerdings umstritten. Viele tun das Thema als Modeerscheinung ab. Denn die technischen Hürden sind hoch und die Umweltfreundlichkeit zweifelhaft. Irgendwo muss ja auch der Strom für die Elektroautos produziert werden. Im Mutterland von Tesla, den USA, passiert das vielfach noch mit uralten Kohlekraftwerken.

Tesla lässt sich von der Kritik nicht beirren. Die Kalifornier planen ihren großen Durchbruch. Sie wollen mit dem Modell "S" eine schnittige viertürige Limousine auf die Räder stellen, die gerade mal die Hälfte des "Roadsters" kostet. Tesla hofft auf fünfstellige Stückzahlen und auf einen Gewinn in zwei Jahren.

Die Fabrik für den Wagen gibt es schon: Ein aufgegebenes Gemeinschaftswerk von Toyota und General Motors. Der Staat gibt einen Kredit über 465 Millionen Dollar. Denn US-Präsident Barack Obama hat sich die Förderung des Elektroautos auf die Fahnen geschrieben.

Die staatlichen Anreize locken auch Konkurrenten an. "Nahezu jeder etablierte Autokonzern wird ein Elektroauto anbieten, wenn das Thema Fahrt aufnimmt", sagte David Abella von Rochdale Investment der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. "Meine Wette ist, dass wir Tesla in zehn Jahren nicht mehr sehen werden." Der Anlageexperte traut gewieften Börsianern aber durchaus zu, aus dem Hype jetzt Kapital zu schlagen.

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