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Finanzkrise Die globale Goldman-Sachs-Affäre

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Die Zentrale von Goldman Sachs Quelle: REUTERS

Die Bundesregierung behält sich die Prüfung rechtlicher Schritte gegen Goldman Sachs vor. „Die Finanzaufsicht BaFin wird ein Auskunftsersuchen an die SEC stellen“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm der „Welt am Sonntag“. „Nach einer sorgfältigen Bewertung der Unterlagen werden wir rechtliche Schritte prüfen.“ Insgesamt sollen die Anleger bei dem „Abacus 2007-AC1“ genannten Finanzprodukt mehr als eine Milliarde Dollar verloren haben. Fast die gleiche Summe soll der Hedgefonds Paulson gewonnen haben. An Goldman Sachs flossen 15 Millionen Dollar als Gebühren. Den Hedgefonds selbst will die SEC nicht belangen, denn schließlich habe Goldman Sachs das Produkt vertrieben, nicht Paulson.

In Bankkreisen wird gemunkelt, dass an Goldman Sachs ein Exempel statuiert werden soll. Nach Schätzungen von Branchenkennern droht dem Haus eine Milliardenstrafe. Laut US-Medien schaut sich auch das Justizministerium den Fall an. Hauptverantwortlicher für das Geschäft mit dem Namen Abacus war nach Einschätzung der SEC der nun ebenfalls angeklagte Goldman-Vizepräsident Fabrice Tourre. Selbst über den Weggang von Bankchef Lloyd Blankfein wird schon spekuliert. Er hatte Goldman Sachs nahezu unbeschädigt durch die Krise gesteuert. Sein Name taucht in der Anklageschrift aber nicht auf.

Es ist das erste Mal, dass die Börsenwächter bei einem derartigen Geschäft einschreiten. Für die Investmentbanken könnte das den Beginn härterer Zeiten bedeuten, denn viele von ihnen hatten ähnliche Finanzprodukte aufgelegt.

Untersuchung in Deutschland und Großbritannien

Nach der US-Börsenaufsicht SEC wollen nun auch Deutschland und Großbritannien die Vorgänge um die Vermarktung von verbrieften Hypothekenkrediten (CDO) durch Goldman untersuchen lassen. Zu den Abnehmern des komplizierten Finanzprodukts gehörte auch die niederländische ABN Amro, die später teilweise von der britischen Royal Bank of Scotland übernommen wurde. Die Banken sollen durch das Geschäft hohe Verluste erlitten haben. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown forderte die britische Finanzaufsicht FSA auf, die Vorgänge bei Goldman umgehend unter die Lupe zu nehmen. „Hier ist mit Hunderten Millionen Pfund gehandelt worden, und es sieht so aus, als ob Leute über die Vorgänge in die Irre geführt wurden“, sagte Brown dem Fernsehsender BBC.

Die britische Royal Bank of Scotland (RBS) hatte der SEC zufolge im August 2008 Goldman 840 Millionen Dollar gezahlt, um das noch von der ABN Amro eingefädelte Geschäft mit der US-Bank aufzulösen. Nach mehreren Rettungsaktionen ist RBS mittlerweile selbst zu 84 Prozent in der Hand des britischen Staats. Die Bank wollte gestern keine Stellung dazu nehmen, ob sie rechtliche Schritte gegen Goldman erwägt. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte Reuters, die FSA arbeite mit der SEC zusammen, betrachte die Untersuchungen aber in erster Linie als US-Angelegenheit. Die FSA ist in ihrer Arbeit unabhängig, die britische Regierung kann eine Untersuchung durch die Behörde daher nicht anordnen.

Die SEC hat angekündigt, auch anderen Betrugsfällen bei strukturierten Finanzprodukten aggressiv nachzugehen, die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten. Befürchtungen, dass auch die Deutsche Bank in juristische Auseinandersetzungen verwickelt werden könnte, hatten die Aktie des Geldhauses bereits am Freitag belastet. Mehrere Institute hatten 2007 ähnliche Finanzprodukte aufgelegt, mit denen Investoren auf einen Einbruch des US-Häusermarkts wetten konnten. Dazu hätten die Deutsche Bank, die Schweizer UBS und die von der Bank of America übernommene Investmentbank Merrill Lynch gehört, schreibt das „Wall Street Journal“.

Vorfahrt für Regulierungsvorhaben

Die Wall Street solle nach den Regulierungsplänen von Präsident Obama künftig für verantwortungsloses Handeln zur Rechenschaft gezogen und die Verbraucher besser geschützt werden. Kernpunkte sind mehr Mitspracherechte für Aktionäre, größerer Schutz für Verbraucher und eine neue Rolle für die US-Notenbank. Der Plan enthält auch eine schärfere Aufsicht über den Handel mit Finanzprodukten. So sollen Kreditausfallversicherungen oder Derivate nur noch an transparenten Plattformen wie Börsen gehandelt werden. Wenn Barack Obama seine Regulierungspläne jetzt nicht durchsetzen kann, wann dann?

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