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Finanzkrise "Die strengen Vorgaben für die Banken sind richtig“

Wegen der Finanzkrise stecken die Landesbanken tief in den roten Zahlen. wiwo.de sprach mit Thomas Hartmann-Wendels, Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität zu Köln, über die sich abzeichnende Neuordnung der Landesbanken. In Zukunft sollten die Landesbanken Zentralbank für die Sparkassen sein, fordert Hartmann-Wendels.

Thomas Hartmann-Wendels

WirtschaftsWoche: Die BayernLB hat sich als erste vorgewagt und das Notpaket der Regierung in Anspruch genommen. Welche Landesbank wird als nächste zugreifen?

Hartmann-Wendels: Die HSH Nordbank ist im Gespräch für Leistungen aus dem Notpaket der Regierung. Auch  die LBBW hat einen enormen Refinanzierungsbedarf. Der WestLB hat das Land Nordrhein-Westfalen etwas Freiraum verschafft. Sowohl Bundesregierung als auch dem Sparkassenverband liegt daran, dass nicht einzelne Landesbanken ins Kreuzfeuer geraten, sondern dass sie geschlossen antreten. Das Ziel ist eine Konsolidierung des Landesbanken-Sektors.

Bietet die Finanzkrise jetzt auch eine Chance auf eine echte Neuordnung der Landesbanken?

Die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen eröffnet die Chance, dass es endlich zu einer Konsolidierung kommt. Bislang haben die Ministerpräsidenten der Länder das verhindert. Auch den Sparkassen ist bewusst, dass sie nochmal zahlen müssen, wenn alles so weitergeht wie bisher. Daran ist ihnen nicht gelegen. In Deutschland reichen eine bis drei Landesbanken aus, und darauf sollte es jetzt wohl hinauslaufen.

Weshalb sind die Landesbanken von der Finanzkrise offenbar so viel stärker betroffen als die Sparkassen?

Sparkassen machen ihr Hauptgeschäft mit Kunden vor Ort und nehmen deren Einlagen entgegen. Dieses Geschäft läuft weiterhin ganz normal. Die Landesbanken haben das Problem, dass sie nicht den Zugang zum Kunden haben. Deshalb haben sie sich auf andere Geschäfte verlegt, weil ihnen das Geschäftsmodell fehlt.

Dazu kommt noch ein Sondereffekt bei den Landesbanken. Im Jahr 2005 haben sie die Gewährträgerhaftung verloren. Bis zu diesem Zeitpunkt musste das Land für sämtliche Verbindlichkeiten der Landesbanken unbegrenzt geradestehen.

Kurz vor Auslaufen der Haftung haben sich die Landesbanken noch mit Kapital vollgesogen. Denn für Kapital, das vor 2005 aufgenommen wurde, gilt 13 Jahre lang noch Gewährträgerhaftung.Dadurch haben die Landesbanken Kapital günstig zu AAA-Konditionen bekommen. Danach mussten sie das Geld anlegen – und viele haben in Subprime-Papiere investiert. Diese schienen damals gar nicht so spekulativ zu sein, denn sie hatten ja von Ratingagenturen ein AAA-Siegel bekommen.

Riskante Geschäfte am internationalen Kapitalmarkt haben die Landesbanken ins Trudeln gebracht. Wie sollte denn das künftige Geschäftsmodell der Landesbanken aussehen?

Die Geschäfte der Landesbanken werden immer als so spekulativ geschildert. In Wirklichkeit waren sie aber nicht so plump. Sie haben verbriefte Forderungen mit sehr gutem Rating gekauft. Dennoch hätten sie damals kritisch nachfragen müssen: Wie können amerikanische Banken so viele Papiere mit AAA-Rating am Markt platzieren, wo die US-Kreditvergabe so lausig läuft?

In Zukunft sollten die Landesbanken auf der einen Seite Zentralbank für die Sparkassen sein. Sie sollten für Liquiditätsausgleich sorgen und Dienstleistungen für die Sparkassen erbringen. Zum Zweiten sollten sie größere Kunden auf die internationalen Märkte begleiten und Investmentbanking-Aktivitäten setzen, so weit sie für dieses Geschäft notwendig sind. Den Kern ihres Geschäfts sollten die Landesbanken aber weniger in reinen Kapitalmarktaktivitäten sehen und nicht so sehr im internationalen Geschäft.

In Deutschland gelten für Banken, die sich aus dem Notpaket bedienen,  strenge Auflagen in Bezug auf  Gehaltsdeckelung, Abfindungsverboten, und Mitsprache des Staates. In Frankreich oder den Niederlanden ist das anders. Sind strenge Auflagen der richtige Weg?

In Deutschland steckt da der Gedanke dahinter: Wenn man zu bereitwillig Geld gibt, dann fehlt der disziplinierende Aspekt. Einige Fachleute kritisieren, dass zu harte Vorgaben die Banken abschrecken und plädieren eher für goldene Zügel.

Aber ich finde die strengen Vorgaben richtig. Außerdem bezweifle ich, dass Frankreich da so viel liberaler ist, wenn man sich Sarkozys Pläne zur Teilverstaatlichung ansieht. Es muss schon ein bisschen wehtun, sonst ist der Lerneffekt gleich null.

Geraten Deutsche Banken, die keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen, im Vergleich zu ihren staatlich aufgepeppten internationalen Konkurrenten ins Hintertreffen?

Jede Bank muss sich jetzt überlegen, was das  geringere Übel für sie ist: Nimmt sie staatliche Hilfe in Anspruch, muss sie sich strengen Auflagen unterwerfen. Tut sie das nicht, muss sie möglicherweise Einbußen akzeptieren, weil sie dann nicht mehr so wettbewerbsstark ist.  In Deutschland ist die Commerzbank  ein bisschen unter Zugzwang, weil sie wegen der Übernahme der Dresdner Bank Kapital benötigen. Dennoch möchte jetzt keine Privatbank alleine aus der Deckung kommen. Wenn es eine gemeinsame Aktion mehrerer Privatbanken geben würde, ginge das leichter.

Wie lange sollte der Staat seine Beteiligung an Banken durchhalten?

Der Bund sollte dann aussteigen, wenn das neue Geschäftsmodell umgesetzt ist und eine ordentliche Ertragslage da ist, um das Paket zu einem vernünftigen Preis wieder zu verkaufen. Bei den Landesbanken sprechen wir da von zwei bis drei Jahren. Denn die Landesbanken zusammenzulegen, ist schon ein Mammutprojekt. In Zukunft wird es wohl im Süden einen Verbund mit den Landesbanken von Bayern und Baden-Württemberg geben. Im Norden werden sich die HSH Nordbank und die NordLB zusammentun. Ob es in der Mitte noch einen Verbund mit WestLB und Helaba gibt, ist noch schwer abzusehen.

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