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Finanzkrise US-Presse: Lehman-Pleite ist eine Chance

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Ähnlich äußert sich auch der Ökonom Kenneth Rogoff in einem Gastbeitrag für die Washington Post. Die Notenbank und das US-Finanzministerium hätten endlich „mehr als deutlich gemacht, dass sie nicht jeden einzelnen bedeutenden Finanzdienstleister unter die Arme greifen werden.“ Damit hätten die Regulierungsbehörden gezeigt, dass sie keine „Sahnetörtchen“ seien.

Eine große Investmentbank bankrott gehen zu lassen sei ein kalkuliertes Risiko in einer schwierigen Situation gewesen. Denn die Risiken sind mehr als real: Mit den internationalen Verflechtungen des Finanzsystem könne niemand genau voraussagen, wohin die noch nie dagewesene Pleite einer großen Investementbank führen könne. Auf der anderen Seite sei es auch keine Lösung, dutzende Milliarden Steuerzahler-Geld zur Rettung von notleidenden Banken auszugeben.

Dennoch werden die amerikanischen Steuerzahler nun nicht ohne weiteren Schaden davonkommen, meint Rogoff. „Der Stress wird noch eine Weile weitergehen, auf den Markt für Unternehmensanleihen ausstrahlen, die großen Autohersteller und Städte mit Liquiditätsproblemen treffen.“ Vermutlich werden die Steuerzahler noch mindestens ein paar hunder Milliarden Dollar aufbringen müssen, bevor dieses „außerordentliche Durcheinander“ zu Ende gehe. Aber immerhin habe die Regulierungsbehörden dem Markt nun ein wenig Disziplin aufgezwungen. „In Zukunft werden Banker und Investoren wohl zweimal überlegen, bevor sie wieder zur Rennbahn eilen“, ist sich Rogoff sicher.

Finanzkrise wird zum Wahlkampfthema

Mit einem Tag Verspätung haben sich nun auch US-Präsidentschaftskandidaten zu Wort gemeldet – und sich dabei gleich in die Haare gekriegt. Der Republikaner John McCain und der Demokrat Barack Obama streiten nun darum, wer mehr Wirtschaftskompetenz zur Bewältigung der Probleme hat. Beide machten ähnliche Vorschläge: Sie versprachen rasche Reformen der Wall Street, sobald sie gewählt seien. Sowohl McCain als auch Obama wollen die Regulierungsbehörden besser verknüpfen und das Aufsichtsratssystem transparenter machen. McCain versprach, die „Gier und Korruption“ an der Wall Street mit einer Untersuchungskommission auszumerzen. Obama prangerte an, dass es kein übergreifendes Konzept zur „Eindämmung“ der Krise sondern nur „Flickschusterei“ gebe.

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