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Gbureks Geld-Geklimper

Charts: Kräht der Hahn auf dem Mist...

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Dax-Performance-Index der vergangenen zwölf Monate Quelle: Thompson Datastream vom 07.05.09

Seltsam waren einige Kommentare zum Dax bis nach seinem Anstieg am Mittwoch dieser Woche. Von Fundamentalisten: positive US-Arbeitsmarktdaten - einfach lächerlich. Von Chartisten: nur noch ein kurzer Weg, bis der Dax seinen 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben kreuzt - zwischen Fehlinterpretation und Wunschdenken. Die 200-Tage-Linie bildet den Durchschnitt der Werte aus den vergangenen 200 Börsentagen ab. Der Wert dieser Kennziffer wird auf der Zeitskala dort abgetragen, wo sich der aktuelle Indexwert befindet. Liegt er darüber, fallen die Aktienkurse in der Regel; liegt er darunter, steigen sie in der Regel. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Bei hektischem Auf und Ab der Kurse ist die 200-Tage-Linie als Kursindikator meistens unbrauchbar. Und wenn sie, wie am Mittwoch hier und da geschehen, in das Wunschdenken eingeht, ist die Fehlinterpretation so gut wie sicher.

Auf Börsenumsätze achten

Eine der wenigen Ausnahmen, bei denen das Gemisch aus 30 Dax-Aktien zumindest bedingt Interpretationen zulässt, besteht in seiner Gegenüberstellung mit den Börsenumsätzen, vorausgesetzt, es gab während des untersuchten Zeitraums keine oder nur geringfügige Änderungen in der Indexzusammensetzung. Denn kurstechnische Analyse ist Verhaltensforschung, und im Kontext mit Börsenumsätzen lässt sich das Verhalten der Anleger recht zuverlässig interpretieren. Eine bedeutende Interpretation betrifft konkret die Höhe der Umsätze vom Dax-Hoch bei 8.105,69 Punkten im Sommer 2007 bis zum Dax-Tief Anfang März dieses Jahres bei 3.666,41 Punkten und darüber hinaus bis zum jüngsten Versuch, 5.000 Punkte zu erreichen: Die Umsätze waren 2007 hoch, fielen bis zum Sommer 2008 ein wenig, stiegen im Herbst wieder kräftig und sanken anschließend, unabhängig davon, ob die Dax-Kurve nach unten oder - wie seit März - nach oben ging.

Starke und schwache Hände

Fazit: 2007 und in den ersten Monaten 2008 verkauften die so genannten starken Hände viele deutsche Standardwerte, während die schwachen Hände sie ebenso zahlreich kauften. Das ging bis zum Herbst 2008 bei geringeren Umsätzen weiter. Von da an verkauften die schwachen Hände die Standardwerte, und spekulative Anleger griffen vermehrt zu. Ob es sich bei diesen um die starken Hände handelte, die 2007 und kurz danach massiv auf der Verkäuferseite standen, ist indes zu bezweifeln, sonst wären die Börsenumsätze danach ebenfalls hoch geblieben. Waren sie aber nicht und sind sie auch nicht bis zu dieser Woche. Da die Umsatzbelebung ausbleibt, kann das als klares Signal dafür gelten, dass die Kauflaune anderer Anleger sich in Grenzen hält. Oder um den Jargon der Chartisten zu verwenden: Die Bärenmarktrally geht in diesen Tagen zu Ende. Wenigstens diese Interpretation lassen die Charts zu, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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