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Gbureks Geld-Geklimper

Der neue Goldrausch

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Ein paar spannende Zahlen

Manfred Gburek

Der neue Goldrausch hat, abgesehen vom zunehmenden chinesischen Einfluss und vom jetzt wieder stärkeren Konzentrationsprozess in der Goldindustrie, noch eine weitere Komponente. Sie wird in der Regel mit Begriffen wie Reflationierung oder Inflationserwartung umschrieben. Das ist im Hinblick auf die kommenden Jahre sicher richtig, lässt sich allerdings auch schon aus aktueller Sicht mit Daten belegen. So beträgt beispielsweise der Börsenwert der im Edelmetallaktienindex HUI repräsentierten Minenkonzerne etwa 210 Milliarden Dollar, der offizielle Goldschatz der USA an die 330 Milliarden Dollar. Spannend werden diese Zahlen, wenn man sie mit anderen vergleicht: Börsenwert der Anleihen international über 91 (europäische) Billionen Dollar, geschätzter „Wert“ der Derivate international zirka 700 Billionen Dollar. Bezogen auf Anleihen also das 433-Fache der HUI-Aktien bzw. immerhin noch das 276-Fache des offiziellen US-Goldbestands. Und bezogen auf Derivate sogar das 3333-Fache der HUI-Aktien bzw. das 2121-Fache des Goldbestands.

Die chinesische Immobilienblase und der Goldpreis

Es gibt also bereits eine horrende Inflation der Anleihen und der Derivate. Man könnte sie auch Blase nennen, um einen populären Begriff zu verwenden. Zumindest gemessen an den beiden hier zugrunde gelegten Golddaten, aber diese Betrachtungsweise ist offenbar erst wenig verbreitet. Stattdessen ist immer wieder von einer Goldblase die Rede, nur weil der Goldpreis während der vergangenen gut neun Jahre, in Dollar gerechnet, um das 4,6-Fache gestiegen ist. Da lachen die Chinesen sich ins Fäustchen.

Wer allerdings glaubt, aufgrund der hier genannten Relationen müssten die Goldnotierungen und mit ihnen die Minenaktienkurse von nun an ohne Unterbrechungen schnurstracks nach oben gehen, sollte sich vorsichtshalber die folgende Aussage des deutschen Nobelpreisträgers Reinhard Selten aus einem Interview in der Börsen-Zeitung vom Juli durch den Kopf gehen lassen: „Ich erwarte, dass die Blase am chinesischen Häusermarkt bald platzt. Der Bau neuer Häuser macht ein Drittel des Wachstums in China aus. Das wird uns übrigens auch betreffen, denn im Vergleich zur Blase am chinesischen Immobilienmarkt war die Blase in Amerika nichts.“

Der China-Faktor

Geht man davon aus, dass Selten recht behält und das Platzen der chinesischen Immobilienblase nur eine Frage der Zeit ist, drängt sich gleich eine andere Frage auf: Werden die chinesischen Immobilienspekulanten mit dem Verkauf ihres bis dahin gehorteten Goldes dessen Preis stärker drücken, wenn sie die Verluste aus der fehlgeschlagenen Spekulation auszugleichen versuchen, oder werden andere Chinesen, die Immobilien erst gar nicht gekauft bzw. sie rechtzeitig verkauft haben, dann mit ihren Goldkäufen den Preis des Edelmetalls eher in die Höhe treiben?

Da zum Ausmaß der Spekulation und zur Finanzierung der Immobilien keine verlässlichen Daten vorliegen, kann auch über den Einfluss des China-Faktors auf den Goldpreis und damit indirekt auch auf die üblicherweise viel stärker schwankenden Kurse der Minenaktien trefflich spekuliert werden. Das ist zwar nichts für Anleger mit schwachen Nerven, aber bei zwischenzeitlichen Rücksetzern allemal einen Einsatz wert – man denke dabei nur an die erwähnten Blasen der Anleihen und der Derivate, im Vergleich zu denen der bisherige Goldpreisanstieg erst wie ein sanfter Hauch wirkt.

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