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Gbureks Geld-Geklimper

Der neue Goldrausch

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Nach zwei Monaten Pause kommt wieder Leben in den Goldpreis. Auslöser sind dieses Mal die Pläne Chinas und Spekulationen auf eine Übernahmewelle bei den Minenkonzernen.

Ein Kunde vor der Auslage des Quelle: REUTERS

Es gibt Finanzinformationen, die während der jetzigen Berichtssaison, der Dax-Kletterversuche und der Euro-Erholung unterzugehen drohen, obwohl sie sich im Nachhinein als besonders interessant erweisen dürften. Die Nachricht von der Liberalisierung des chinesischen Goldmarktes ist so eine, denn immerhin hat China inzwischen alle anderen Goldförderländer hinter sich gelassen und rangiert unangefochten auf Platz eins. Zur Liberalisierung gehören unter anderem Anreize für mehr privaten Goldbesitz und die Aufforderung der Zentralbank des Landes an die Geschäftsbanken, der chinesischen Goldindustrie mehr Kredite für Investitionen im Ausland zu gewähren.

Die folgende Nachricht aus der Edelmetallbranche wurde wahrscheinlich sogar nur von Insidern wahrgenommen: Der kanadische Goldkonzern Kinross Gold übernimmt den kleineren – ebenfalls kanadischen – Konkurrenten Red Back Mining, der über hohe Goldreserven in Westafrika verfügt. Diesen Deal kann man zum einen als weiteren Schritt der Kinross-Expansion interpretieren, an deren Anfang vor vielen Jahren der Zusammenschluss von drei Konzernen stand. Zum anderen lässt die Übernahme aber auch die Deutung zu, dass Kinross nach Red Back greift, bevor andere Konzerne auf die Idee kommen – oder bevor die Chinesen sich noch mehr als bisher in Afrika ausbreiten.

Chinas geheimnisvolle Andeutung

Die Übernahmeschlachten in der – anders als die Branche der Nichteisenmetalle – immer noch stark zersplitterten Goldindustrie haben eine lange Tradition. Beispielsweise ist die Nummer eins, Barrick Gold aus Kanada, vor allem durch mehrfache Akquisitionen gewachsen, unter anderem mit dem Kauf des US-Traditionskonzerns Homestake Mining. Und der ärgste Rivale, Newmont Mining aus den USA, hat seine heutige Größe in erheblichem Umfang dem Kauf von Australiens Normandy Mining zu verdanken, zustande gekommen erst nach einer erbitterten Übernahmeschlacht gegen Südafrikas Konzern Anglogold.

China will kein Gold horten

Noch mehr Internationalität geht wahrlich nicht, und nun rücken auch noch die Chinesen an. Deren Zentralbank deutete im Zuge der Offensive für einen liberalen Goldmarkt interessanterweise an, sie habe nicht vor, den Goldanteil an ihren Währungsreserven zu erhöhen. Nun ist der mit nur 1,6 Prozent alles andere als groß, während der überwiegende Teil der Reserven auf US-Dollar entfällt. Warum also eine solche Andeutung? Kenner der chinesischen Verhältnisse tippen auf ein Ablenkungsmanöver und darüber hinaus auf die Strategie, zunächst möglichst viel Gold privaten Händen zukommen zu lassen, um es später in die offiziellen Bestände zu übernehmen.

Ein paar spannende Zahlen

Manfred Gburek

Der neue Goldrausch hat, abgesehen vom zunehmenden chinesischen Einfluss und vom jetzt wieder stärkeren Konzentrationsprozess in der Goldindustrie, noch eine weitere Komponente. Sie wird in der Regel mit Begriffen wie Reflationierung oder Inflationserwartung umschrieben. Das ist im Hinblick auf die kommenden Jahre sicher richtig, lässt sich allerdings auch schon aus aktueller Sicht mit Daten belegen. So beträgt beispielsweise der Börsenwert der im Edelmetallaktienindex HUI repräsentierten Minenkonzerne etwa 210 Milliarden Dollar, der offizielle Goldschatz der USA an die 330 Milliarden Dollar. Spannend werden diese Zahlen, wenn man sie mit anderen vergleicht: Börsenwert der Anleihen international über 91 (europäische) Billionen Dollar, geschätzter „Wert“ der Derivate international zirka 700 Billionen Dollar. Bezogen auf Anleihen also das 433-Fache der HUI-Aktien bzw. immerhin noch das 276-Fache des offiziellen US-Goldbestands. Und bezogen auf Derivate sogar das 3333-Fache der HUI-Aktien bzw. das 2121-Fache des Goldbestands.

Die chinesische Immobilienblase und der Goldpreis

Es gibt also bereits eine horrende Inflation der Anleihen und der Derivate. Man könnte sie auch Blase nennen, um einen populären Begriff zu verwenden. Zumindest gemessen an den beiden hier zugrunde gelegten Golddaten, aber diese Betrachtungsweise ist offenbar erst wenig verbreitet. Stattdessen ist immer wieder von einer Goldblase die Rede, nur weil der Goldpreis während der vergangenen gut neun Jahre, in Dollar gerechnet, um das 4,6-Fache gestiegen ist. Da lachen die Chinesen sich ins Fäustchen.

Wer allerdings glaubt, aufgrund der hier genannten Relationen müssten die Goldnotierungen und mit ihnen die Minenaktienkurse von nun an ohne Unterbrechungen schnurstracks nach oben gehen, sollte sich vorsichtshalber die folgende Aussage des deutschen Nobelpreisträgers Reinhard Selten aus einem Interview in der Börsen-Zeitung vom Juli durch den Kopf gehen lassen: „Ich erwarte, dass die Blase am chinesischen Häusermarkt bald platzt. Der Bau neuer Häuser macht ein Drittel des Wachstums in China aus. Das wird uns übrigens auch betreffen, denn im Vergleich zur Blase am chinesischen Immobilienmarkt war die Blase in Amerika nichts.“

Der China-Faktor

Geht man davon aus, dass Selten recht behält und das Platzen der chinesischen Immobilienblase nur eine Frage der Zeit ist, drängt sich gleich eine andere Frage auf: Werden die chinesischen Immobilienspekulanten mit dem Verkauf ihres bis dahin gehorteten Goldes dessen Preis stärker drücken, wenn sie die Verluste aus der fehlgeschlagenen Spekulation auszugleichen versuchen, oder werden andere Chinesen, die Immobilien erst gar nicht gekauft bzw. sie rechtzeitig verkauft haben, dann mit ihren Goldkäufen den Preis des Edelmetalls eher in die Höhe treiben?

Da zum Ausmaß der Spekulation und zur Finanzierung der Immobilien keine verlässlichen Daten vorliegen, kann auch über den Einfluss des China-Faktors auf den Goldpreis und damit indirekt auch auf die üblicherweise viel stärker schwankenden Kurse der Minenaktien trefflich spekuliert werden. Das ist zwar nichts für Anleger mit schwachen Nerven, aber bei zwischenzeitlichen Rücksetzern allemal einen Einsatz wert – man denke dabei nur an die erwähnten Blasen der Anleihen und der Derivate, im Vergleich zu denen der bisherige Goldpreisanstieg erst wie ein sanfter Hauch wirkt.

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