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Gbureks Geld-Geklimper

Geld, Gurus und Gedanken

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Geldwerte Informationen fließen selten so, wie sie gebraucht werden, man muss sie durch eigenes Nachdenken umdeuten. Gewarnt sei vor falschen Ratgebern.

Die Dax-Tafel an der Quelle: AP

Die Medien zollten in den vergangenen Tagen zwei Ereignissen so viel Aufmerksamkeit, dass der Eindruck entstehen konnte, von ihnen hänge das Schicksal der ganzen Nation ab: Dax über 6000 Punkten und Staatsdefizit während der ersten drei Quartale 2009 im Jahresvergleich versiebenfacht. Dabei hatte der Dax sich am 28. Dezember ohne jeglichen Knalleffekt nur mühsam hochgequält, war tags darauf noch etwas gestiegen und danach wieder ein wenig eingeknickt. Die Liste der Horrormeldungen zu den Staatsfinanzen war nicht mehr als um eine Nachricht erweitert worden, die bestenfalls die berechtigte Frage vieler Bundesbürger auslöste: Und was bedeutet das für mich?

Womit wir an einem entscheidenden Punkt angelangt sind, beim Mangel an unmittelbar verwertbaren Informationen zum Thema Geld. Eine Ursache dieser Misere besteht darin, dass die große Schar der an dem Thema Interessierten heterogen ist und allein schon deshalb nicht umfassend mit Informationen bedient werden kann, eine weitere besteht in der unterschiedlichen Vorbildung und Erfahrung der Adressaten. Die wichtigste Ursache dürfte allerdings sein, dass jede(r) von uns – wenigstens unterbewusst – eine gewisse Vorstellung von den eigenen Finanzen hat, die den Absendern von Informationen natürlich nicht bekannt ist. Dazu gesellt sich die Vorliebe der Medien für Neues – sei es noch so banal, wie die 6000 Dax-Punkte – und für scheinbar Sensationelles wie das ausufernde Staatsdefizit, auch wenn dessen Folgen für den eigenen Geldbeutel zunächst unklar bleiben.

Die Verführer: Bernie, Heiko und Bodo

Aber gibt es nicht genug Informationsdienste und Börsenbriefe, die dem Mangel an unmittelbar verwertbaren Informationen zum Thema Geld abhelfen, indem sie gedruckt oder online Ratschläge rund ums Geld erteilen und mit Börsentipps nur so um sich werfen? Gibt es, doch auch ihre Autoren können nicht ahnen, wie es um die persönlichen Finanzen der Empfänger ihrer Ratschläge und Tipps bestellt ist. Also spannen sie den Bogen von Simplify your life bis zu den 10 Aktien, die Sie 2010 haben müssen. Die finanziellen Erfolge der Adressaten solcher Botschaften stehen derweil in den Sternen.

Eine andere Spezies von Heilsbringern in Sachen Geld besteht aus allerlei Gurus, die diesen Status auf unterschiedlichen Wegen, mit wechselnden Methoden und durch mehr oder weniger geglückte Ego-Vermarktung erreicht haben. Nur drei Beispiele: Für viele seiner Jünger bis heute unvergesslich bleibt Bernie Cornfeld, Chef der umstrittenen früheren Fondsgesellschaft IOS, der Ende der 60er Jahre sogar den FDP-Politiker Erich Mende auf seine Seite gezogen hatte. Heiko Thieme, einst in Diensten der Deutschen Bank, verlegte sich später auf seltsame Aktientipps mit fragwürdigem Substanz-, aber umso höherem Unterhaltungswert. Bodo Schäfer garnierte seine Vorträge zum Geld im Allgemeinen und zu heißen Fonds im Besonderen gern mit einer Showeinlage, in deren Verlauf er empfahl, im Safe gelagerte Goldbarren regelmäßig zu streicheln.

Das Gehirn eingeschaltet lassen

Die über Provisionen, Honorare oder sonstiges Salär eingeheimsten eigenen Erfolge der Gurus können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Kunden, Zuhörer oder Anbeter allzu oft leer ausgingen. Das lag auch an denen selbst, waren sie doch vielfach allzu gern bereit, das eigene Gehirn auszuschalten, um sich von den fragwürdigen Sprüchen der Gurus leiten und motivieren zu lassen. Im schlimmsten Fall nahmen die von der Gier getriebenen Emotionen derart überhand, dass das mühsam ersparte Geld zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, auf dem Höhepunkt der Aktienspekulation Ende der 60er Jahre und dann noch einmal um die Jahrtausendwende, in heiße Spezialitätenfonds mit programmierter Verlustgarantie floss.

Dagegen hilft nur eines: Das Gehirn eingeschaltet lassen und – wie an dieser Stelle schon mehrfach empfohlen – die Regie für die eigenen Finanzen selbst übernehmen. Aber wie geht man mit Informationen vom Typ Dax über 6000 oder Staatsdefizit versiebenfacht um? Wie lassen sich solche Informationen – zumal mangels zusätzlicher Entscheidungshilfen -  in die Regie einbinden, vorausgesetzt, sie könnten für die eigenen Finanzen zumindest mittelbar von Bedeutung sein? Ganz einfach, sie sollten ein Anstoß zum Nachdenken sein, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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