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Gbureks Geld-Geklimper

Was Euro, Dollar und Goldpreis bewegt

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Ist der Dollar wirklich stark?

Manfred Gburek

Währungsunruhen dieser Art sind in der Regel Warnzeichen dafür, dass ihnen weitere folgen werden. Eine hat neulich das Handelsblatt mit der Überschrift angedeutet: „Chinas Yuan – der neue Dollar?“ Im Beitrag dazu hieß es, wegen des hohen Wirtschaftswachstums und der damit immer größeren Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft komme das Land nicht umhin, seine – zurzeit noch nicht frei handelbare – Währung Yuan/Renminbi über kurz oder lang freizugeben. Chinesische Anleihen gibt es ja schon.

Angebotsengpässe beim Gold

Auch unter diesem Aspekt ist es nur allzu verständlich, dass die USA ihren Dollar, von dem die chinesische Zentralbank eigentlich zu viel besitzt, jetzt stark erscheinen lassen wollen. Und weil sie die Stärke auf keinen Fall gegenüber dem Yuan zeigen möchten, sondern diesen im Gegenteil lieber gestern als heute aufgewertet sähen, haben sie zur Demonstration der vermeintlichen Dollar-Stärke den Euro als Opfer ausgesucht. Dafür bilden die Schuldenprobleme Griechenlands einen willkommenen Anlass; und dass die Europäische Währungsunion ohne politische Union entstanden ist, untermauert diesen Anlass täglich aufs Neue – jedenfalls so lange, bis die Marktteilnehmer auf die Idee kommen, wegen der viel gravierenderen Schuldenprobleme der USA zur Abwechslung mal wieder gegen den Dollar zu spekulieren.

In dieser Währungs-Gemengelage gerät allzu leicht in Vergessenheit, welche Rolle dabei das Gold als ultimative Währung spielt. Aufgefallen ist in den vergangenen Tagen bestenfalls, dass sein Preis mit dem Sprung über 850 Euro je Unze (31,1 Gramm) einen neuen Höchstwert erreicht hat. Doch weil die international übliche Messlatte der Preis in US-Dollar ist und dessen Höchstwert einige Monate zurückliegt, hält sich das Aufsehen außerhalb der Eurozone in Grenzen.

Chinesen horten Gold

Seltsamerweise hat auch eine neue Studie des Interessenverbandes WGC mit dem Titel Gold in the Year of the Tiger außerhalb der Edelmetallbranche kaum Aufmerksamkeit erregt. Darin heißt es, dass die Chinesen 2009 zur Geldanlage 80 Tonnen Gold gekauft haben und für Schmuck 347 Tonnen, wobei ein Großteil des Schmucks eigentlich der Geldanlage dient. Diese Mengen mögen im Verhältnis zur weltweiten Nachfrage 2009 in Höhe von 3386 Tonnen zwar noch nicht berauschend erscheinen, aber sie kommen geradezu aus dem Nichts. Das heißt: Falls die hohen zweistelligen Zuwachsraten anhalten, drohen in wenigen Jahren Angebotsengpässe, und der Goldpreis steigt weiter kräftig.

Dafür spricht auch eine den Anlegern außerhalb Chinas kaum bekannte Tatsache: Da das Land die USA nicht offiziell herausfordern will, indem es zu viel Gold in der Zentralbank aufhäuft und sich obendrein womöglich noch von einem Teil der Dollar-Reserven trennt, hat es seine Bewohner schon vor längerer Zeit zum Goldkauf aufgefordert. Die Aktivitäten der eigens dafür eingerichteten staatlichen wie auch der privaten Läden sprechen Bände. Von daher gesehen erscheint der zuletzt erreichte Preisrekord in Euro wie eine Zwischenstation auf einem immer noch langen Weg nach oben. Und dann gibt es ja noch die im Gold weit unterinvestierten Reichen außerhalb Chinas.

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