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Geldanlage Kohle abgraben mit Aktien

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Peabody

Machbar ist das: Wer sich zum Beispiel Ende November traute, einen Strauß dividendenstarker Aktien wie RWE, Deutsche Telekom und ausgewählte Nebenwerte wie Atoss Software, Deutz oder Sartorius zu kaufen, liegt zehn Prozent im Plus; er gewann damit doppelt so viel wie der Dax im selben Zeitraum.

Viele Privatanleger haben aber auch diesen – sehr ordentlichen – Durchschnittszuwachs des Dax verpasst, weil ihr Geld auf Tagesgeldkonten schlummert, die den Winter über vielleicht ein halbes Prozent Zins gebracht haben – nur ein Zehntel der Aktiengewinne.

Ihre vorsichtige Strategie sollten Investoren überdenken – auch wenn die schnellen Gewinne mit Aktien jetzt schon gemacht sind. Für Dividendenpapiere spricht immerhin einiges: Unternehmensanleihen sind nicht mehr sonderlich attraktiv, im Gegenteil: Die meisten Großanleger sind noch bis zur Halskrause in diesen Papieren investiert; die Nachfrage wird eher zurückgehen.

Die Diskussion um drohende Staatspleiten im Euro-Raum, allen voran die Debatte um Griechenland, hat gezeigt, dass Anleihen nicht per se weniger riskant sind als Aktien. Kursverluste drohen auch bei Bonds; wer sie bis Endfälligkeit hält, muss hoffen, dass die Inflation seine Zinskupons nicht real entwertet.

Die Aktien vieler Unternehmen werfen dank hoher Dividenden schon jetzt deutlich mehr ab als die Anleihen derselben Unternehmen. Auch ohne Kursgewinne streichen Anleger damit höhere Renditen ein als mit Zinspapieren.

„Anleger sollten aber jetzt nicht der aktuellen Rally hinterjagen“, sagt Henning von Issendorff, Co-Gründer des Hedgefonds Tungsten Capital Management in Frankfurt. Er empfiehlt, lieber nach kleinen Kursrückschlägen schrittweise zu kaufen. Volle Kraft voraus könnte gefährlich werden, denn: „Bei mehr als 6000 Punkten ist der Dax nicht mehr brüllend billig, anders als vor einem Jahr“, sagt Boris Boehm, Mitgründer des Vermögensverwalters Aramea.

Für die 30 Dax-Aktien müssen Anleger im Schnitt das 13-Fache der für 2010 erhofften Gewinne zahlen, vor zwölf Monaten kosteten sie nur das Neunfache. Höhere Bewertungen machen Unternehmen anfälliger für Enttäuschungen und schaffen den Boden für Kursverluste.

Wechsel von Anleihen zu Aktien

Sicher: 2009 war ein gutes Jahr für den Anleihemarkt. Kapitalhungrige europäische Industrieunternehmen schoben 2009 neue Anleihen über rund 400 Milliarden Euro in die Investorendepots; EU-Staaten platzierten Papiere über 900 Milliarden Euro nach 650 Milliarden 2008. Die Zinsen waren extrem attraktiv. Sichere Schuldner wie Metro, ThyssenKrupp oder BMW boten noch Ende 2008 acht oder gar neun Prozent an jährlichem Zins. Doch der Scheitelpunkt der Anleihewelle dürfte längst überschritten sein. Schuldverschreibungen bieten kaum noch lukrativen Zins. Dieselbe Metro-Anleihe etwa, die Ende 2008 für fünf Jahre neun Prozent Zins versprach, bringt heute nicht einmal mehr drei Prozent.

Bei Zinspapieren von Unternehmen ist nach enormen Kurszuwächsen und damit fallenden Renditen die Gefahr von Rückschlägen generell größer geworden. Das gilt erst recht für Anleihen vieler finanziell angeschlagener Staaten wie Griechenland. Möglicherweise hat deshalb die Wende von Anleihen hin zu Aktien schon begonnen – still und leise, zuletzt ohne weitere große Kurszuwächse an der Börse. Hedgefonds haben sie schon eingeläutet: Große Fonds sollen schon den Winter über Anleihen abgestoßen haben, um nun „mit dem frei werdenden Geld Aktien zu kaufen, teils von denselben Unternehmen“, sagt der Aktienhandelschef einer großen Bank in Frankfurt.

Anleger verlassen Anleihemärkte

„Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr“, stellen die Analysten der Société Générale fest, „fließt derzeit netto wieder Geld aus den Anleihemärkten ab.“ Als Grund sehen die Franzosen „die Gefahr fallender Anleihekurse wegen der anhaltenden Angst vor Staatspleiten und wachsende Inflationsängste“. Auch die Analysten von Merrill Lynch haben gezählt und in der Woche vom 10. bis 17. März den größten Abzug von Anlegergeld weltweit aus kurzfristigen Investments ermittelt: 60,1 Milliarden Dollar flossen demnach aus Geldmarktfonds ab – so viel wie seit September 2008 nicht mehr.

Für Aktien spricht auch, dass wichtige Anlegergruppen sich bisher sehr zurückgehalten haben. „Viele sind nach dem Kursrutsch vom Herbst 2008 gebrannte Kinder und halten sich zurück“, sagt -Boehm. Der Aktienanteil in den Depots der Geldverwalter sehr reicher Anleger („Family Offices“) liege oft nur bei 20 Prozent, über 70 Prozent steckten noch in Anleihen. „Viele Kunden warten ab, werden aber im Lauf des Jahres stärker in den Aktienmarkt einsteigen“, glaubt Boehm.

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