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Geldanlage Wetten auf das Wetter

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Gefangen im Eis Quelle: dpa

Die Preise für Strom, Öl oder Gas werden maßgeblich von der Konjunktur bestimmt. Verbessern sich die Aussichten, ist die Wirkung eines kalten Winters auf den Gaspreis hoch. Bei Agrarrohstoffen ist entscheidend, wie stark die Anbaugebiete regional konzentriert sind. Ein Großteil der weltweiten Zuckerproduktion kommt aus Indien und Brasilien. Sind die Wetterverhältnisse in beiden Ländern schlecht, geht der Zuckerpreis durch die Decke.

„Ernteerträge werden zu 70 Prozent vom Wetter beeinflusst“, sagt Ralf Oberbannscheidt, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Global Thematic Partners, der den Fonds DWS Invest Global Agribusiness managt. Dürre und Nässe etwa haben die Zuckerrohrernten in diesem Jahr schlechter ausfallen lassen als erwartet. Anfang 2010 wurden noch Rekordernten in Brasilien und Indien erwartet, ab Mai aber schoben Meldungen über starke Regenfälle in Brasilien und Trockenheit in Indien den Zuckerpreis. Zwischen Mitte Mai und Ende Juli stieg der Index S&P Sugar um 40 Prozent. Als im Sommer und Herbst in Brasilien zu wenig und im drittgrößten Exportland Australien zu viel Regen fiel, legte der Preis für Zucker bis Anfang November um weitere 70 Prozent zu. „Statt eines deutlichen Plus in der Erntesaison 2010/11 ist nur ein kleiner Zuwachs zu erwarten“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst der Commerzbank. Der Weltverband der Zuckerproduzenten hat seine Schätzung für den Angebotsüberschuss 2011 von 3,2 auf 1,3 Millionen Tonnen reduziert.

Alles auf Zucker

Zucker dürfte knapp bleiben. Profiteure sind der brasilianische Zuckerkonzern Cosan, die deutsche Südzucker oder das Zertifikat der Commerzbank, das seit April gut 350 Prozent und seit Ende November noch mal gut 10 Prozent Gewinn brachte.

Ähnlich sensibel wie Zucker reagiert der Weizenpreis auf Wettereinflüsse. Starke Regenfälle in Kanada im Frühjahr und die Sommer-Hitzewelle in Russland trieben den Weizenpreis im Juli um 32 Prozent nach oben. Ein Weizen-Zertifikat (WirtschaftsWoche 29/2010) legte in der Spitze um 34 Prozent zu.

Mit einer Saison Verzögerung schlägt ein weiterer Effekt der wetterbedingten Ernteausfälle an der Börse durch: Steigende Preise von Zucker und Weizen erhöhen für Farmer den Anreiz, mehr Flächen zu bewirtschaften. Damit steigt dann die Nachfrage nach Pestiziden, Saatgut und Dünger. Profiteure sind Saatguthersteller (Monsanto, KWS Saat), Hersteller von Pestiziden (Syngenta, Dow Chemical) und Düngemittelproduzenten (Potash, K+S).

Der deutsche Dax-Konzern K+S profitiert gleich doppelt von Wettereinflüssen: Zum einen über steigenden Düngemittelverbrauch nach Missernten, zum anderen als Streusalz-Produzent vom Winterwetter. Unterm Strich macht Europas größter Salzhersteller zwar nur zwölf Prozent seines Umsatzes mit Streusalz. Die Reflexe der Anleger, die den Engpass des vergangenen Winters noch vor Augen haben, funktionieren dennoch: Seit dem Wintereinbruch am 26. November stieg die Aktie fast dreimal so stark wie der Dax.

Eine Wetter-Wette mit K+S über mehrere Wochen hätte aber nur dann Erfolg, wenn es auch in den USA und Kanada, wo K+S über die Tochter Morton Salt vertreten ist, einen harten Winter gibt. Ende 2009 lief die Streusalzproduktion von K+S in Europa auf Volllast, in Nordamerika aber stapelten sich die Salzsäcke in den Depots, weil Tauwetter herrschte.

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