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Geldanlage Wetten auf das Wetter

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Ein Sturm peitscht die Ostsee Quelle: dpa

Autofahrer graust es vor glatten Straßen, Flugreisende vor heftigen Stürmen. Als Hurrikan Katrina im August 2005 über New Orleans hinwegfegte, zerlegte es an den US-Börsen vor allem kleinere Fluglinien aus den Südstaaten. Airtran Airways, ein Billigflieger aus Florida, verlor im August 12,5 Prozent. Lufthansa oder andere internationale Airlines blieben zumindest an der Börse vom Wirbelsturm verschont.

Profis wetten auch auf Stürme in Europa. Wer etwa mit Strom handelt und den Wind besser einschätzen kann als andere, kauft Ökostrom billiger ein und verkauft ihn teurer. „Die Windstärke lässt sich zwar nur für die nächsten 72 Stunden seriös voraussagen“, sagt Eric Stein, Meteorologe bei RWE, „aber eine bestimmte Konstellation von Hoch- und Tiefdruckgebieten über den Britischen Inseln und dem Festland spricht für starken Wind über mehrere Tage.“ Stein ist einer von vier Meteorologen bei RWE, die neben den Berufshändlern auf dem RWE-Handelsraum arbeiten.

Wer Wind Sät...

Schon vor zehn Jahren hat RWE Wetter und Klima als wichtige Parameter für den Energiehandel identifiziert. „Etwas besser als die Windmengen lassen sich die Einspeisemengen der norwegischen oder österreichischen Wasser- und Pumpspeicherkraftwerke vorausberechnen“, so Stein. So lassen starke Tiefs Rückschlüsse auf die Niederschlagsmengen und damit die Füllmengen der Stauseen zu.

Eine länger laufende Wette auf den Strompreis in Skandinavien hat der schwedische Hegdefondsmanager Henrik Wennberg laufen: „Ein kalter, trockener Winter bedeutet geringen Schneefall und damit weniger Schmelzwasser für die Stauseen im Frühjahr“, sagt er. Mit halbvollen Stauseen ließe sich weniger Strom aus Wasserkraft erzeugen. Da Strom aus Wasser billiger sei als der aus Kohle und Gas, stiege der Strompreis insgesamt.

Wennbergs statistische Modelle, die auf langjährigen Wettermessungen basieren, signalisieren ihm jetzt aber das Gegenteil: Der Winter werde mild, eher von atlantischen Tiefs als von kontinentalen Kältehochs über Skandinavien bestimmt. Also setzt er auf einen fallenden Strompreis. Bisher hat er mit seinen Wetten richtig gelegen: Sein Hegdefonds Plenum Power Surge verdiente in diesem Jahr 14 Prozent.

Auch konventionelle Kraftwerke können sich nicht vom Wetter abkoppeln (siehe Kasten Seite 102). Um Atommeiler zu kühlen, sind große Mengen Wasser nötig. Trocknen die Flüsse in heißen Sommern aus, müssen Meiler abgeschaltet werden.

Im Rekordsommer 2003 verlor die RWE-Aktie in der ersten Juli-Hälfte deshalb kräftig, der Aktienkurs von E.On stagnierte. Kurz vor dem milden Winter 2006/07 lief dagegen E.On deutlich schlechter als RWE. "E.On ist als wichtiger Gaslieferant tendenziell stärker vom Winterwetter betroffen als RWE, die stärker vom Stromgeschäft abhängt“, sagt Bernhard Jeggle, Analyst bei der LBBW. Grob geschätzt macht E.On etwa ein Drittel des Umsatzes mit Gas und zwei Drittel mit Strom.

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