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Geldanlage Wetten auf das Wetter

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Auch ein Hurrikan bietet Quelle: dapd

Gasversorger verdienen in harten Wintern gut: So rechnet die Berliner Gasag für jedes Grad mehr unter null mit einem zusätzlichen Gasabsatz von fünf Prozent. Tendenziell gilt also, dass E.On von einem harten Winter profitiert und die RWE-Aktie in trockenen Sommern leidet.

Noch spannender als jahreszeitliche Ausreißer in Deutschland sind tropische Wirbelstürme, weil sie in wenigen Tagen milliardenschwere Schäden verursachen können – vor allem an den Ölplattformen im Golf von Mexiko. Anleger, die in die Ölbranche investieren, warten daher jedes Frühjahr auf die erste Hurrikan-Prognose der US-Wetterbehörde NOAA.

Tropischer Börsensturm

Die Prognose basiert vor allem auf Messwerten für die Oberflächentemperatur des Atlantik. Je höher die Wassertemperatur, desto mehr Energie kann ein Wirbelsturm entwickeln. Die NOAA-Prognose „beeinflusst bereits die Öl-Kontrakte für das dritte und vierte Quartal desselben Jahres, wobei in diesem frühen Stadium andere Faktoren, wie die Nachfrage aus China, Lagerbestände oder Raffinerieauslastung, natürlich noch bei Weitem überwiegen“, erklärt RWE-Experte Stein. Je näher die Hurrikan-Saison (Oktober und November) rückt, desto größer aber ist der Einfluss auf die Kurse. Die Sturmprognosen der Wetterbehörden und der zahlreichen kommerziellen Anbietern in den USA, von denen sich viele fast ausschließlich mit Hurrikanen beschäftigen, werden den Sommer über immer konkreter.

Die Händler spielen nun alle ihr eigenes Spielchen: Jeder weicht ein wenig von der allgemeinen Prognose ab. Der eine wettet auf einen glimpflicheren Verlauf der Saison, indem er in Kontrakten mit entsprechender Laufzeit auf fallende Kurse spekuliert; der andere macht das Gegenteil.

Spannend wird es dann in der Saison selbst. „Es dauert drei bis vier Tage, bis sich aus einem Tropensturm ein Hurrikan entwickelt“, erklärt Stein, „und weitere zwei bis drei Tage, bis man erkennen kann, ob daraus ein verheerender Sturm wie Katrina wird.“ Für den Ölpreis und die Aktienkurse der Förderer relevant ist nun vor allem die Zugbahn des Hurrikans: Trifft er mit voller Wucht auf die Golfküste und wo genau? Stehen dort viele Bohrinseln, wem gehören sie? Legt der Sturm auch Raffinerien lahm? „Die Kontrakte mit kurzer Laufzeit reagieren dann fast nur noch auf die Hurrikane“, sagt Stein.

Der Hurrikan Rita legte 2005 fast 70 Bohrinseln lahm; Rita war noch stärker als Katrina, der im selben Jahr New Orleans flutete. Über die Hälfte der US-Ölproduktion fiel aus, der Spritpreis in den USA verdoppelte sich. Aktien von Ölförderern mit vielen Aktivitäten an der Küste Louisianas, wie Noble, Diamond Offshore oder Dolphin Drilling, erlitten zweistellige Kursverluste.

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