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Geldanlage Wetten auf das Wetter

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Verdunstet Quelle: dpa

Noch größer aber sind die Gewinne, wenn die Hurrikan-Saison, wie 2009 und 2010, für die Ölindustrie überraschend glimpflich verläuft, die Prognosen aber schlecht waren. Anleger, die auf eine milde Hurrikan-Saison wetten, kaufen Aktien der Ölförderer. Die Gegen-Wette läuft über ein Short-Zertifikat auf den S&P Oil & Gas Drilling – oder über Rohstoff-Zertifikate, die auf steigende Ölpreise setzen.

Kommt ein Unternehmen durch ein Unwetter zu Schaden, ruft es zuerst nach seiner Versicherung. Katastrophenjahre sind für die Versicherungswirtschaft teure Jahre. Besonders kostspielig war 2005: 70 Milliarden Dollar mussten Versicherungen für Stürme und Fluten zahlen. Allein Katrina kostete sie 30 Milliarden Dollar.

„Wetterextreme in Regionen mit hochversicherter Infrastruktur drücken die Kurse der Rückversicherer“, sagt Thomas Harmer, Fondsmanager bei Ringturm in Österreich. Hoch versichert sind Nordamerika, Westeuropa, Japan und Australien. Entsprechend nervös werden die Aktionäre der Versicherungen, wenn Hurrikane über die USA hinwegfegen oder in Europa Flüsse über die Ufer treten.

Für Stürme bezahlen

Als im Januar 2007 der Orkan Kyrill in Deutschland ganze Wälder umlegte, verlor die Aktie der Münchener Rück gegen den positiven Dax-Trend 7,8 Prozent. Der Konzern bezifferte die eigenen Verluste wegen des Orkans auf 600 Millionen Euro.

Um vom Schaden der Versicherungen zu profitieren, können Anleger auf sinkende Kurse mit Verkaufsoptionen auf einzelne Aktien oder einem Short-Indexfonds auf Versicherungen wetten. Alternativ setzen sie auf steigende Kurse, wenn es den Versicherern nach einem teuren Jahr wie 2005 gelingt, die Prämien zu erhöhen.

Rückversicherungen wälzen einen Teil ihrer Milliardenrisiken auf den Kapitalmarkt ab. Dazu geben sie Katastrophen-Anleihen (Cat-Bonds) aus. Anleger können derzeit über die Fonds Falcon Cat Bond und Clariden Leu Cat Bond sowie über ein Zertifikat der Credit Suisse in Katastrophen-Anleihen investieren. Versicherung und Anleihekäufer schließen über Cat-Bonds eine Wette auf das Eintreten einer Naturkatastrophe ab, die in einer Region einen zuvor definierten Schaden anrichten könnte. Bleibt das Desaster aus, erhält der Besitzer der Anleihe einen hohen Zins und am Ende der Laufzeit sein Kapital zurück. Verwüstet aber ein Hurrikan den Süden der USA, ist das Kapital verloren; es geht an die Versicherung. Je höher das Risiko ist, dass ein Unwetter kommt, desto höher ist der Anleihezins.

Prognosen für die Hurrikan-Saison wirken sich direkt auf die Kurse der Cat-Bonds aus. Kündigen die Meteorologen, wie im Frühjahr, eine Saison mit vielen Wirbelstürmen an, fallen die Kurse der Cat-Bonds. „Im Nachhinein stellten sich Befürchtungen der Wetterexperten als falsch heraus“, sagt Gregor Gawron, Fondsmanager der Falcon Private Bank in Zürich. Die Kurse der Anleihen stiegen, die Zinsaufschläge schrumpften.

„Wir hätten gern die Preisvorteile im Frühjahr genutzt, aber wir konnten kein weiteres Risiko eingehen, zumal auch unsere Prognosen negativ waren“, ärgert sich Gawron heute. Eines haben Wetter-Wetten, so unberechenbar sie sein mögen, eben mit allen anderen Börsengeschäften gemein: Der Gewinn liegt im Einkauf – und im richtigen Abweichen von der Mehrheitsmeinung.

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