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Gewerbeimmobilien Wie US-Immobilien deutsche Banken gefährden

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Grafik: Preise für US-Immobilien

Die Zahlen sind dramatisch: Immobilienanalyst Richard Parkus von der Deutschen Bank erwartet, dass speziell die in den Boomjahren 2005 bis 2008 generierten Kredite zu hohen Verlusten führen werden. Für die 2007 ausgegebenen Darlehen prophezeit er einen Gesamtverlust von 21,3 Prozent der Kreditsumme.

Eine Abschreibungswelle bedroht die Existenz von mehr als 550 kleinen und mittelgroßen US-Banken, sagt Berkeley-Professor Rosen. Gerade diese stürzten sich in den vergangenen Jahren auf die Finanzierung von Gewerbeimmobilien, weil größere Banken den Wohnimmobilien-Markt beherrschten. Die Regionalbanken haben, anders als die großen Häuser, Immobilienkredite auch nur selten gebündelt und weiterverkauft, sondern sitzen selbst auf dem Risiko. „Wenn kleinere Banken zusammenbrechen, sinkt das bereits knappe Kreditangebot für kleinere Unternehmen und für Privatleute noch weiter“, sagt Rosen. Eine Last für die US-Konjunktur. Hinzu kommt, dass Bauindustrie und Dienstleister leiden, weil niemand mehr Büros oder Shoppingmalls baut.

Bis die Gewerbeimmobilien-Branche sich erholt hat, könnten zehn Jahre vergehen, sagt Kenneth Laub. Der 70-Jährige ist seit 1963 im Geschäft, damals heuerte er bei der Branchengröße Tishman an. Sein eigenes Unternehmen hat in 40 Jahren Transaktionen für 40 Milliarden Dollar betreut. „Wir sind die Letzten, die den Abschwung spüren — es geht gerade los. Wir werden auch die Letzten sein, die sich erholen“, sagt Laub. „Dieser Crash ist kein Problem von Angebot und Nachfrage, sondern der Überschuldung.“ Harvard-Ökonom Martin Feldstein sieht ein „Desaster“ heraufziehen.

EZB: Abschreibungsbedarf von 553 Milliarden Euro

Das trifft auch die Banken jenseits des Atlantiks. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vor wenigen Wochen ihre Schätzung für die ihnen drohenden Finanzkrisen-Abschreibungen erhöht – auf 553 Milliarden Euro für die Jahre 2007 bis 2010. Bis Oktober hatten die Banken erst 180 Milliarden Euro abgeschrieben und 121 Milliarden Euro für die Risikovorsorge zurückgelegt — bleibt eine Lücke von 250 Milliarden Euro.

Den Gewerbeimmobilien-Markt bezeichnet EZB-Vize Lucas Papademos als eines der Hauptrisiken für die Wirtschaftserholung. Die Preise fallen auch in Europa, im Schnitt 2009 um zwölf Prozent. In einigen Ländern gab es bereits einen Preiseinbruch von über 30 Prozent. Investoren in England, Spanien, Osteuropa und vor allem in den USA sitzen auf Großkrediten, die längst nicht mehr den Kaufpreis wert sind. Diese Investoren stehen am Rand des Ruins – „on the edge“, wie es auf Englisch heißt, auf der Kippe.

Vor wenigen Monaten klang „Edge“ dagegen noch nicht nach Pleite, nach Schwelle zum Abgrund, sondern nach Stufe zu etwas Neuem: „The Edge“ heißt ein Apartment-Turm, der gut verdienende New Yorker aus Manhattan weglocken sollte, nach Williamsburg, auf die andere Seite des East River. Doch der Komplex mit 904 Luxuswohnungen, der in den nächsten Monaten fertig werden soll, ist bereits heute ein Symbol des auf Kante finanzierten Baubooms in den USA. Das einstige Arbeiterviertel Williamsburg hat der Bauwahn zum Immobilien-Krisengebiet gemacht: Halbfertige Bauprojekte an fast jeder Ecke, viele davon gestoppt oder zwangsversteigert. Wirklich flott gehe es auch bei dem Weiterbau von „The Edge“ nicht zu, sagt ein Bauarbeiter, der in der Mittagspause vor der Ziegelwand eines verlassenen Gebäudes raucht, „warum auch sich beeilen? Es würde eh nur leer stehen.“

Hypo Real Estate dick eingestiegen

Erst ein Bruchteil der Apartments ist verkauft. Bauherr Douglaston Development will umgerechnet mehr als 6000 Euro pro Quadratmeter – Manhattan-Preise. „Wir haben eine abgesicherte Finanzierung“, lässt Douglaston-Vorstand Jeffrey Levine verlauten, „deshalb sind wir in der Lage, den Sturm zu überstehen.“

Deutsche Steuerzahler sollten Levine die Daumen drücken. Denn der Hauptfinanzier von „The Edge“ ist die Hypo Real Estate (HRE). Die verstaatlichte und mit Steuergeldern am Leben gehaltene Bank sagt nichts zu ihrem Engagement an der Uferfront von Williamsburg. Aus Kreditunterlagen, die das Analysehaus Real Capital Analytics ausgewertet hat, geht hervor, dass die HRE für das Projekt im Oktober 2005 eine Hypothek von 460 Millionen Dollar bereitgestellt hat.

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