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Kündigungsfrist kommt Das müssen Anleger bei Immobilienfonds jetzt beachten

Die schwarz-gelbe Koalition plant eine umfassende Reform offener Immobilienfonds. Künftig soll es Anlegern erlaubt sein, unabhängig von der Kündigungsfrist bis zu 30 000 Euro pro Halbjahr abzuziehen. Mit dieser und anderen Neuregelungen soll vermieden werden, dass die Rücknahme von Anteilsscheinen ausgesetzt wird. Die Fondsbranche atmet auf.

Die Reform lässt die Branche aufatmen. Quelle: ap

BERLIN/DÜSSELDORF. Die schwarz-gelbe Koalition hat sich nach Informationen des Handelsblatts aus politischen Kreisen auf die Grundzüge einer Reform der offenen Immobilienfonds verständigt. Die Fondsanbieter haben Grund zur Freude, denn die Politik kommt der Branche in mehreren Punkten entgegen. Ein wesentlicher Aspekt: Private Investoren dürfen nun pro Halbjahr unabhängig von der Kündigungsfrist bis zu 30 000 Euro abziehen. Nach dem ursprünglichen Vorschlag der Regierung sollte die Entnahme für Privatanleger auf 5 000 Euro pro Monat begrenzt sein. Die Regelungen sind noch nicht von Bundesrat und Bundestag beschlossen.

Offene Immobilienfonds waren wegen der Finanzmarktkrise erheblich in die Bredouille geraten. Viele Fonds konnten ihr Versprechen nicht halten, Anteile täglich zurückzunehmen, und wurden eingefroren. Auch heute, mehr als zwei Jahre später, verweigern neun Immobilienfonds für Kleinanleger die Rücknahme von Anteilscheinen. Sie blockieren insgesamt 24 Milliarden Euro Anlegergeld. Drei Fonds werden abgewickelt. Ziel der Reform ist es, künftig zu vermeiden, dass die Rücknahme von Anteilsscheinen ausgesetzt wird.

Ab 2012 wird eine einjährige Kündigungsfrist eingeführt

Nach den Vorstellungen der Parlamentarier der Koalitionsfraktionen soll die Möglichkeit, die Einlage täglich zu kündigen, nur noch bis Ende 2012 gelten. Danach soll für alle Anleger eine einjährige Kündigungsfrist gelten, die vorgesehene Haltedauer von zwei Jahren soll nur Neuanleger betreffen. Auf die vom BMF geplanten Abschläge von zehn und fünf Prozent, die für das dritte und vierte Jahr gelten sollten, wird wohl verzichtet.

Mit der Möglichkeit, binnen sechs Monaten 30 000 Euro auf einmal abziehen zu können, entspricht die Politik einem Wunsch des Fondsverbandes BVI. "Das hilft Anlegern, die plötzlich Geld benötigen", sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip dem Handelsblatt. Mit dem geplanten völligen Verzicht auf Rücknahmeabschläge geht die neue Gesetzesvorlage sogar über die jüngsten Forderungen der Branche hinaus. Die hatte dafür plädiert, die in früheren Entwürfen genannten, zeitlich gestaffelten Rücknahmeabschläge von zehn und fünf Prozent zu halbieren. "Das freut uns, denn Abschläge sind Privatpersonen nur schwer zu vermitteln", lobte Seip die Politiker.

Lob gibt es von Branchenkennern auch für die Einführung einer Kündigungsfrist. "Das ist sinnvoll", sagte Branchenanalystin Sonja Knorr von der Ratingagentur Scope. Jedoch erhöhe die Möglichkeit, höhere Beträge an einem Tag abzuziehen, und der Verzicht auf Rücknahmeabschläge wieder das Risiko, dass Fonds wegen plötzlich rapide steigender Mittelabflüsse eingefroren werden müssen. Nach einer Scope-Untersuchung beträgt die durchschnittliche Beteiligungssumme in vielen offenen Immobilienfonds 30 000 Euro.

Fonds sollen sich weniger verschulden

Mit einer neuen Idee haben die Politiker die Branche allerdings unangenehm überrascht. Sie wollen die Fonds mit einer besseren Eigenkapitalausstattung stabilisieren. Deswegen wird vorgeschlagen, die Fremdkapitalquote von derzeit maximal 50 Prozent auf 30 Prozent zu senken. Ab Ende 2011 haben die Fonds drei Jahre Zeit, sich auf die geringere Verschuldung einzustellen. "Wenn es einen solchen Vorschlag gibt, ist er nicht im Interesse der Branche und der Anleger", wehrt Seip ab.

Die Koalition trifft auch Vorkehrungen für den Fall, dass die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt wird. Reichen 24 Monate nach der Aussetzung der Rücknahme die liquiden Mittel nicht aus, muss der Fonds durch den Verkauf von Vermögensgegenständen weitere liquide Mittel beschaffen. Nach 30 Monaten soll ein Anleger dann verlangen können, dass gegen Rückgabe seines Anteils sein Anteil am Sondervermögen ausgezahlt wird. War im Gesetzesentwurf noch eine monatliche Bewertung der Fondsimmobilien vorgesehen, sollen diese jetzt mindestens alle drei Monate unter die Lupe genommen werden.

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