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Leadership-Professorin Heike Bruch im Interview "Tötet den Drachen"

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Was zeichnet eine gute Vision aus? 

Sie muss ein plastisches Bild der Zukunft zeichnen, und sie sollte sehr anspruchsvoll sein. Subjektiv muss die Vision aber noch erreichbar sein. Gründer müssen außerdem darauf achten, dass sie nicht die einzige Führungskraft sind, die Mitarbeiter begeistert.

Aber am Ende muss einer sagen, wo es langgeht. Sonst gibt es Chaos.

Je größer die Firma wird, desto stärker müssen Sie Einheiten schaffen, die ihre Beiträge zur Vision teilweise selbst definieren. Wenn die nur ausführen, was von oben gesagt wird, sind sie nicht mehr schnell und innovativ.

Aber welche Kollegen macht man stark? 

Führungskräfte sollten diejenigen werden, die dem Unternehmen gegenüber absolut loyal sind.

Aber einen Führungskreis aus opportunen Ja-sagern kann niemand wollen.

Bitte nicht missverstehen: Bei produktiver Energie entsteht keine Kultur von Jasagern. Im Gegenteil: Jeder kann konstruktive Kritik äußern und wird gehört. Loyalität heißt nur, dass einer im Sinne des Unternehmens handelt und die Werte lebt. Das kann Sparsamkeit sein, Innovation, technische Expertise. Unsere Forschung zeigt, dass gerade diejenigen Unternehmen, die dauerhaft Höchstleistung bringen, eine Kritik-Kultur etabliert haben, die Innovation und Lernen erst ermöglicht.

Viele Startups stehen derzeit vor einer Krise. Wie sollten Gründer reagieren? 

Wenn man es richtig macht, sind gerade Krisen eine besondere Chance, um Mitarbeiter zu mobilisieren, etwa mit der Strategie: „Tötet den Drachen.“ Beziehen Sie die Mitarbeiter ein in die Bewältigung der Bedrohung, töten Sie einen Drachen gemeinsam.

Zum Beispiel? 

Der Werkzeughersteller Hilti versetzt sich immer wieder in seinen stärksten Konkurrenten und entwickelt mit seinen Mitarbeitern gemeinsam Strategien für ihn. So wird die Mannschaft besonders kreativ, sieht eigene Schwachstellen und findet neue Ideen. Entscheidend in Krisenzeiten ist aber auch, dass Sie die Bedrohung vor den Mitarbeitern klar definieren. Solange die Bedrohung diffus bleibt, führt sie zu resignativer Energie. Zudem müssen Sie die Bedrohung so kommunizieren, dass alle Mitarbeiter das Problem und die Folgen verstehen. Häufig spüren die Mitarbeiter ohnehin, dass ein Problem heraufzieht. Sie werden misstrauisch, wenn sie nur wenige, oberflächliche oder beschönigte Informationen erhalten. Schließlich müssen Sie das Vertrauen stärken, dass man die Krise gemeinsam überwinden kann. All das wird von vielen unterschätzt.

Wie erklären Sie sich das?

Mit Strategie-, Struktur- und Finanzfragen gehen die meisten Gründer und etablierten Unternehmer professionell um. Die weichen Faktoren dagegen liegen oft brach. Dabei gehören sie zu den wichtigsten Themen in Unternehmen. Gerade Startups unterschätzen das und versuchen, das Thema nebenbei zu erledigen.

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