WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Ölaktien Die Ölmultis im Sog der BP-Katastrophe

Warum die BP-Aktie auch nach 50 Prozent Verlust noch kein Kauf ist, und welche Ölaktien bessere Chancen für Investoren bieten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Der Helm eine Ölarbeiters der Quelle: REUTERS

Die Ingenieure von BP glaubten zuerst an einen Scherz. Ein Mann aus Russland meldete sich bei ihnen und riet, eine Atombombe unter dem Bohrloch zu zünden, aus dem seit 50 Tagen Öl ins Meer strömt; das schmelzende Gestein werde das Leck schließen. Doch nicht die Bombe, sondern eine Glocke brachte den ersten Teilerfolg: Techniker platzierten sie über dem Loch und können endlich ungefähr die Hälfte des austretenden Öls einfangen.

Ungefähr. Vorerst. 10.000 bis 20.000 Barrel Öl (1 Barrel = 159 Liter) quellen weiter Tag für Tag ins Meer, zu den circa 250 Millionen Litern, die schon ausgelaufen sind. Mit jedem Liter wächst der Schaden an der Umwelt – und der Anleger. Schon kalkulieren Analysten mit bis zu 40 Milliarden Dollar Kosten für BP. Das wäre der gesamte Gewinn der Jahre 2008 und 2009. BP hat an der Börse in den gut 50 Tagen seit dem Unglück 47 Prozent oder 73 Milliarden Dollar Wert verloren.

Übertriebene Kursverluste?

Aktienkurse der wichtigsten Ölförderer seit dem BP-Unfall

Das ruft nun antizyklische Investoren auf den Plan. „Die Kursverluste sind übertrieben, das wirtschaftliche Überleben ist nicht gefährdet“, sagt Mark Fletcher, Ölexperte der Citigroup – und rät, die Aktie zu kaufen. BP ist – gemessen am Börsenpreis seiner nachgewiesenen Reserven und daran, was Anleger für den Gewinn zahlen – mit einem Abschlag von 50 Prozent auf die Konkurrenten Shell, Total oder Exxon zu haben. Der Unfall hat auch die anderen Ölfirmen an der Börse bluten lassen (siehe Chart), die weder mit dem Unglück selbst noch mit Tiefseebohrungen in den USA etwas am Hut haben. Kann man diese Aktien jetzt kaufen? 

Das wäre, gelinde gesagt, mutig. In der Branche kursieren Gerüchte, BP könne zerschlagen werden oder habe bereits Insolvenzanwälte angeheuert. Selbst wenn es so weit nicht kommt, fest steht: Die Bedingungen für die Ölkonzerne – und erst recht für BP – werden in den kommenden Jahren nicht einfacher. Die Öl-Lobby hat vermutlich Behörden geschmiert, um laxe Regulierung zu ergaunern; sie hat die Gefahren der Tiefseebohrung heruntergespielt und Sicherheitsmaßnahmen, die nur eine halbe Million Euro pro Bohrturm kosten, aus Profitgier und technischer Hybris unterlassen.

Politik greift ein

Nun packt die Politik die Keule aus. US-Präsident Barack Obama hat ein Moratorium über Bohrungen im Golf verhängt und Genehmigungen für Alaska widerrufen. Bei Bohrverboten in betroffenen US-Gewässern blieb es nicht: Auch Norwegen, sechstgrößter Ölexporteur der Welt, hat neue Bohrungen im Meer verboten. Ein Schock für die Branche. Die Behörden wollen abwarten, bis „gesicherte Erkenntnisse“ über den Blowout in den USA vorliegen. Das kann dauern.

Inhalt
  • Die Ölmultis im Sog der BP-Katastrophe
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%