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Rohstoffradar September 2010 Zwischen Gold-Gier und leerem Tank

Im Agrarsektor bleibt es spannend, Edelmetalle - vor allem Gold - locken immer mehr Anleger an. Die Rohstoffmärkte sind ständig in Bewegung. Rohstoff-Experte Eugen Weinberg beleuchtet Trends und Hintergründe.

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Ein Mähdrescher bei der Quelle: REUTERS

Generell hat sich der Rohstoffmarkt in den Augen von Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank weiter professionalisiert und damit auch differenziert, da weniger übergreifende Trends dominieren, sondern einzelne Rohstoffsegmente auch eigene Trends herausbilden. „Derzeit verlangsamen sich zudem Nachfragewachstum und Konjunkturerholung, die Dynamik der Märkte lässt nach“, so Weinberg. „Die einzige Ausnahme bilden die Schwellenländer, deren Dynamik sehr unterschiedlich ausfällt. Auf die Rohstoffpreise wirkt sich das jedoch nur in einzelnen Segmenten klar aus.“

Landwirtschaftsprodukte

Im Agrarsektor war zuletzt richtig Bewegung. Nachdem im ersten Halbjahr keine großen Preisschwankungen auftraten und für spekulative Anleger nichts zu holen war, zeigten die Rohstoffpreise in den vergangenen drei Monaten eine ungewohnte Dynamik. Rohstoffexperte Weinberg macht dafür verschiedene Ursachen verantwortlich: „Die Getreidesilos waren nach zwei guten Erntejahren sehr voll, das Angebot war groß. Die Prognosen gingen daher von fallenden Preisen bei den Agrarrohstoffen aus, zum Beispiel an der Rohstoffbörse in Chicago. Dann kam es zur Hitzwelle und Brandkatastrophe in Russland, die Exporte wurden gestoppt. Das traf viele Investoren unvorbereitet und sie sahen sich gezwungen, ihre Positionierung auf ein Szenario mit steigenden Preisen umzustellen.“

Die Preisschwankungen nahmen rasant zu, im Juli verdoppelte sich der Weizenpreis. Aber auch nachdem wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt war, hielten Anleger den Weizenpreis unter scharfer Beobachtung. Jede schlechte Nachricht bewegte die Märkte erneut: das Wetter in Kanada ebenso wie die Regenfälle in Europa. Zum Beispiel war die Weizenernte in Europa hoch, die Qualität allerdings schlecht. Das Getreide kann nur zur Hälfte für die Brotproduktion verarbeitet werden, der Rest ist nur noch Futterweizen.

Dieses intensive Anlegerinteresse übertrug sich vom Weizensektor auch auf die Märkte für Soja und Baumwolle: In den USA blieb die Maisernte unter den Erwartungen, die Baumwoll-Nachfrage aus China ist gestiegen – und die Preise gingen hoch. „Der Agrarsektor hat seine eigenen Zyklen“, sagt Eugen Weinberg. „Eventuell kommt es Anfang 2011 wieder zu einer Beruhigung.“

Industriemetalle

Bei den Industriemetallen sind die Preise überwiegend gestiegen, auch die Höhe der Preisausschläge hat zugenommen. Grund dafür ist einerseits die solide Nachfrage im Aufschwung, insbesondere aus China. Dort wird andererseits auch ein Energiesparplan gestartet, der die Energieeffizienz der chinesischen Produktionsstätten bis zum Ende des Jahres um 20 Prozent gegenüber 2005 steigern soll – 15 Prozent sind bereits erreicht. Insbesondere die Energie raubende Stahl- und Aluminium-Produktion ist betroffen. Viele Betriebe müssen umgerüstet werden, andere werden schließen. Die Auswirkungen strahlen auf den gesamten Metallsektor aus. „Da China sowohl zu den größten Konsumenten als auch größten Produzenten gehört, ist das Angebot entsprechend knapper und die Nachfrage muss über zusätzliche Importe gedeckt werden“, sagt Rohstoffexperte Weinberg. „Deshalb sollten die Preise für Industriemetalle mittel- bis langfristig wieder ansteigen.“

Edelmetalle

Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank

Wenn auf den Rohstoffmärkten derzeit irgendwo die Musik spielt, dann bei den Edelmetallen. Gold hat gerade erst mit 1300 Dollar je Feinunze eine neue Rekordmarke gesetzt. „Der Preisanstieg beim Gold geht nicht so sehr auf das Konto langfristiger Anleger und Schmuckkäufer, sondern kurzfristige Investoren sind es, die den Preis weiter getrieben haben“, so Weinberg. Er glaubt, dass die Marke von 1300 Dollar je Unze Gold ein neues Kaufsignal aussendet, weil sich immer mehr Anleger für ein Gold-Investment interessieren. Dennoch kann der Preis auch wieder zurückgehen. „Eine Konsolidierung in den kommenden Wochen wird nicht so stark ausfallen, weil viele Anleger auf den Rückgang warten, um dann einzusteigen“, sagt der Rohstoffexperte der Commerzbank. Vor allem die Unsicherheit über die Politik der Notenbanken und der Abwertungsdruck auf den japanischen Yen und den Schweizer Franken sowie der Aufwertungsdruck der USA auf den chinesischen Renminbi machen Gold als wertbeständige Geldanlage attraktiv.

Beim Silberpreis spielt neben der Nachfrage durch Investoren auch die industrielle Nachfrage ein große Wolle. Im Zuge der Konjunkturerholung ist der Bedarf der Industrie am Rohstoff Silber ebenso wie nach Platin und Palladium deutlich gestiegen.

Energie

Im Energiesektor bietet sich ein gänzlich anderes Bild. Ähnlich wie China beim Stahl sind die USA sowohl bei der Nachfrage als auch bei der Förderung und Raffinerie von Öl auf dem Weltmarkt führend. Der Ölverbrauch der Vereinigten Staaten ist doppelt so hoch wie der Chinas. Aber die Ölnachfrage – insbesondere die Benzin-Nachfrage – der Amerikaner hat sich trotz Aufschwung kaum erholt, das Land hat sich erstmals seit 40 Jahren vom Benzin-Importeur zum Exporteur gewandelt. Vor einem Jahr lag die Benzin-Nachfrage nur 0,8 Prozent unter dem aktuellen Stand. „Von einer Erholung kann hier nicht die Rede sein“, sagt Eugen Weinberg. „Die Lager sind noch immer voll. Dass drückt auf die Preise. Der Ölpreis wird wohl bis auf weiteres seinen Korridor von 70 bis 80 Dollar pro Barrel nicht verlassen. Zum Jahresende erwarte ich einen Preis in der Nähe von 70 Dollar.“

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