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Sechstes Rekordergebnis in Folge Continental will Tausende Stellen streichen

Der Autozulieferer Continental hat zum sechsten Mal in Folge ein Rekordergebnis erzielt. Dennoch will Conti -Chef Manfred Wennemer nach der Übernahme des Autoelektronik-Spezialisten Siemens VDO nun sparen und tausende Stellen streichen. Die IG Metall kündigt harten Widerstand an.

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Ein Mitarbeiter kontrolliert einen Pkw-Reifen im Continental-Werk in Hannover. Der Autozulieferer streicht Stellen. Quelle: dpa

HB HANNOVER. Der Autozulieferer Continental will bei VDO 2 000 Stellen abbauen. Der VDO-Standort Wetzlar mit 450 Beschäftigten werde geschlossen, da Aufträge fehlten, teilte der Konzern am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Hannover mit. Unabhängig davon seien im Konzern bis Ende Januar bereits 1 800 Arbeitsplätze abgebaut worden. Die Integration von VDO soll mehr Einsparungen bringen als bisher geplant. "Wir erwarten bis 2010 deutlich mehr als 300 Mill. Euro an Synergien", sagte Conti - Vorstandschef Manfred Wennemer. Bislang war der Konzern von 170 Mill. ausgegangen.

Auch ohne die Anfang Dezember übernommene VDO, die Conti zum weltweit fünftgrößten Autozulieferer macht, erzielte der Konzern 2007 Bestmarken bei Umsatz und Gewinn. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf 15,9 Mrd. Euro, mit VDO hätte Conti 26,4 Mrd. Euro umgesetzt. Vor Steuern und Zinsen steigerte Conti das Ergebnis um 15 Prozent auf 1,84 Mrd. Euro. Mit seinen Zahlen erreichte Conti knapp die Erwartungen von Analysten, die mit einem Umsatz von 16,1 Mrd. und einem Ebit von 1,8 Mrd. Euro gerechnet hatten. Trotz Abschreibungen und Verlusten bei VDO von 164 Mill. Euro blieben nach Steuern und Anteilen Dritter 1,02 Mrd. (2006: 981 Millionen) Euro übrig.

Auf eine Dividendenerhöhung müssen die Conti -Aktionäre für längere Zeit verzichten, da Wennemer der Rückzahlung von Schulden Vorrang einräumen will. Für 2007 sollen die Anteilseigner erneut zwei Euro je Aktie erhalten, und auch 2008 und 2009 seien keine Steigerungen zu erwarten. Bis Ende 2010 sollen die Schulden das Eigenkapital nicht mehr übersteigen, Ende 2007 lag die Relation bei 158 Prozent. Dabei erlaubten die Marktbedingungen derzeit keine Auflage einer Hybridanleihe, die als wichtiges Instrument zur Finanzierung gedacht war und die teilweise als Eigenkapital gewertet wird. Auch eine Kapitalerhöhung sei derzeit nicht geplant, hieß es.

2008 will Conti Umsatz und Gewinn steigern. Der Umsatz soll über den von Conti und VDO zusammen erreichten 26,4 Mrd. Euro liegen. "2009 wollen wir ein Wachstum von etwa fünf Prozent erreichen", sagte Wennemer. Auch die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll vor Abschreibungen und Integrationskosten über den 9,3 Prozent des Vorjahres liegen. 2009 soll sie weiter steigen.

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    Wegen des Stellenabbaus will Conti in den kommenden Tagen mit den Arbeitnehmervertretern sprechen. "Betriebsbedingte Kündigungen können und wollen wir nicht ausschließen. Sie können aber nur das allerletzte Mittel sein", sagte der Vorstandschef. Zusätzlich zu den integrationsbedingten Stellenstreichungen könne es immer wieder Arbeitsplatzabbau geben, wenn Rationalisierungen nötig seien, warnte er. Insgesamt beschäftigt Conti weltweit 151 000 Menschen.

    Die Gewerkschaft IG Metall hat Continental bei dem geplanten Stellenabbau vor Entlassungen und der Aufgabe von Werken gewarnt. Aktionärsinteressen dürften nicht der alleinige Maßstab der Conti - Unternehmenspolitik sein, sagte IG Metall-Bezirkschef Hartmut Meine am Donnerstag in Hannover. "Wer das will, hat mit erheblichem Widerstand der IG Metall zu rechnen". Die Gewerkschaft fordere Conti auf, den Restrukturierungsprozess ohne betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen zu gestalten. Ein Abbau von Arbeitsplätzen im Produktionsbereich sei nicht nachvollziehbar.

    Alle VDO-Bereiche sollen nach Wennemers Willen so schnell wie möglich die Renditevorgabe von zehn Prozent erreichen. Alles, was auf Dauer nicht diese Mindestgröße bringe oder auf das Niveau gebracht werden könne, soll verkauft oder geschlossen werden, hatte der Conti -Chef kürzlich deutlich gemacht. Am Donnerstag sagte er, das könne zwei Bereiche betreffen. Auch in Amerika seien in einigen Monaten Restrukturierungen geplant.

    Continental will nach der VDO-Übernahme zwei kleinere Bereiche verkaufen. Beide seien aber kleiner als die an Brose verkaufte Elektromotoren-Sparte, sagte Konzernchef Manfred Wennemer.

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