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Solarkraftwerke Die Schattenseiten der Solar Millennium

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Grafik: Kursverlauf der Aktie von Solar Millennium seit einem Jahr (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Damit konfrontiert, rudert Solar Millennium zurück: GE Energy Financial Services habe damals nur eine Anwartschaft auf die Solar Millennium Beteiligungen GmbH erworben. Das aber hat Solar Millennium über Jahre anders dargestellt – und somit Anleger in die Irre geführt.

Bis Oktober 2008 kaufte Solar Millennium nach eigenen Angaben die Anteile an Andasol 3 komplett zurück. Im Mai 2009 wurden die Anteile dann erneut verschoben – an eine neue Gesellschaft, die Solar Millennium und dem Kooperationspartner Ferrostaal gehörte. Das Happy End kam im Juli: Die Stadtwerke München, die RWE-Tochter Innogy und Energieversorger RheinEnergie kauften insgesamt 74 Prozent der Anteile an Andasol 3.

Andasol-Fonds: Jetzt sollen die Privatanleger ran

Die Partner Solar Millennium und Ferrostaal hielten danach noch je 13 Prozent an Andasol 3. Solar Millennium brachte diesen Anteil in ein neues Unternehmen ein, die Andasol 3 Kraftwerks GmbH. Rund um den Anteil hat Solar Millennium einen geschlossenen Fonds aufgebaut, den Andasol Fonds. Für den wirbt Solar Millennium nun Privatanleger und verspricht Renditen von bis zu acht Prozent pro Jahr.

Die Konstruktion des Fonds ist riskant: So hält dieser nicht etwa direkt Anteile am Kraftwerk. Anleger beteiligen sich an der Andasol Fonds GmbH & Co. KG – und die wiederum kauft Solar Millennium ein Genussrecht an der Andasol 3 Kraftwerks GmbH ab. „Die selten anzutreffende Konstruktion über ein Genussrecht ist für Anleger sehr kritisch“, sagt Beatrix Boutonnet, Expertin des Branchendienstes Fondstelegramm. Anleger büßten hier Mitspracherechte ein. Auf den eigentlichen Wert des Genussrechts von 30 Millionen Euro verlangt Solar Millennium vom Fonds zu Beginn zudem 17,9 Millionen Euro Aufschlag – stolze 60 Prozent. Dieses Aufgeld stelle eine Vergütung für Projektentwicklung, Finanzierung und die Stellung von Garantieleistungen dar, teilt Solar Millennium mit.

Hohe Zinsbelastung auf Anleihe-Schulden

Privatanleger haben Solar Millennium über Anleihen in den letzten fünf Jahren rund 170 Millionen Euro geliehen. Für sie ist entscheidend, welche Werte noch im Unternehmen stecken, die es Solar Millennium ermöglichen, das Geld zurückzuzahlen. Doch Andasol 1 und 2 sind mittlerweile komplett an den spanischen Baukonzern und Ex-Solar-Millennium-Partner ACS Cobra verkauft. Die Erträge aus den verbleibenden Anteilen an Andasol 3 sollen über das Genussrecht in den Andasol-Fonds fließen.

„Das Geld der Anleihezeichner steckt in der Projektentwicklung, fast nichts mehr in Kraftwerken“, berichtet der Unternehmenskenner, der in leitender Funktion an Projekten des Solar-Millennium-Konzerns beteiligt war. Das Unternehmen muss für die Anleihen nun hohe Zins- und Tilgungszahlungen aufbringen, nach Berechnungen der WirtschaftsWoche rund 30 bis mehr als 40 Millionen Euro jährlich.

Doch aus dem operativen Geschäft kam zumindest von November 2008 bis Juni 2009 kein Geld: Beim Cash-Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit verbuchte Solar Millennium ein Minus von 30 Millionen Euro. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. „Nur so lange, wie das Unternehmen immer wieder neue Anleihen auf dem Markt platzieren kann, geht das gut“, sagt der Unternehmenskenner.

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